Planet Japan

Donnerstag, 25. Februar 2010 16:42 | Autor: Olaf Sander

Japan ist ein Land, dessen Kultur den an der Außenwelt interessierten Europäer seit jeher fasziniert und dessen Menschen so anders auf uns wirken, gerade so, als kämen sie von einem anderen Stern.
Das kann vielleicht daran liegen, dass die Japaner ethnisch und innerhalb ihrer Sprache weitestgehend homogen geblieben sind – welche Ethnie kann das noch von sich behaupten? – oder schlicht daran, dass Japan ein Inselstaat ist und Inselstaaten die Welt nunmal eben von einer Insel aus betrachten.

Japans Kultur und die höchst komplizierten Reglements in allen Bereichen des Lebens sind für nicht Eingeweihte kaum zu verstehen. Ich bin, damit kein falscher Eindruck entsteht, nicht eingeweiht. Ich bin nur ein virtueller Japantourist.

Das schöne an dieser Art des Reisens ist, dass man die Erinnerung daran festhalten kann. Man kann sie jederzeit wiederholen, seine Frau damit nerven, die Freunde verscheuchen oder gemeinsam auf Entdeckungsreise gehen. Und nichts anderes, als mit euch gemeinsam virtuell zu reisen, habe ich vor.

Der Journalist Gert Anhalt zeigt uns auf seine unvergleichliche Art und Weise das Land und offenbart so ganz nebenbei, aber unausgesprochen, eine Liebeserklärung an dieses Land. Diese Liebeserklärung ist die erste Reise, zu der ich euch einlade.

Der Film geht eine knappe viertel Stunde. Das soll aber nicht abschrecken, denn ihr werdet die 15 Minuten gar nicht merken. Aber ihr werdet grinsen, euch wundern und euch – da bin ich mir sicher – mächtig amüsieren.

Also, macht mal Pause und lehnt euch zurück…

P.S. Ich freue mich immer über Links… ;)

Thema: Kultur, Planet Japan | Kommentare (0)

Herr Westerwelle, auf Wiedersehen

Mittwoch, 24. Februar 2010 18:32 | Autor: Olaf Sander

Wetten, dass euch Christian Springer alias Fonsi aus dem Herzen sprechen wird?

Danke DaMax

Thema: Georg Schramm & Co., Politik | Kommentare (0)

Arm dran mit der Mogelpackung à la Rüttgers

Dienstag, 23. Februar 2010 16:14 | Autor: Olaf Sander

Arno Schwatzer stellt in seinem Blog fest, dass er einen Discount-Politiker wie den Rüttgers nicht wählen würde. Ich gebe Arno in diesem Punkt Recht. Allerdings ist eine Wahl nur ein Mittel zur Möglichkeit und ich habe mir deshalb die Frage gestellt, ob ich den Rüttgers gefreit, ähm, bezahlt hätte, hätte ich ein Unternehmen und wäre mir ein solches Angebot gemacht worden. Vermutlich hätte ich es abgelehnt. Und zwar dankend.

Wenn ich ein Unternehmer wäre, dann hätte ich einen hohen Anspruch an die Qualität meiner Produkte und Dienstleistungen – oder was auch immer ich für Geld anbieten würde. Ich würde versuchen, so weit es möglich wäre, transparent für meine Kunden, Geschäftspartner und Geldgeber zu sein. Service wäre für mich genauso wenig ein Kostenfaktor wie eventuelles Personal, sondern wesentliche Bestandteile der Unternehmung.
Vermutlich würde ich meinen Kunden und Mitarbeitern die Möglichkeit geben, sich an meinem Unternehmen zu beteiligen. Fairness, Offenheit und die Einsicht, dass die Dinge ihren Preis haben und dieser bezahlt werden muss, aber auch, dass Preise einem Wert entsprechen müssen, der die Qualität des Produktes spiegelt und der nicht auf dem Mond angesiedelt ist, nur weil es genügend Dumme gibt die dafür bezahlen, gehörten zur Philosophie dieses Unternehmens. Geld verdienen ja, aber nicht um jeden Preis.

Auch würde ich aufpassen, dass der Strom, den dieses Unternehmen brauchte, grün ist, dass der Müll getrennt würde und wenn es etwas zu recyclen gäbe, es auch recycelt würde. Ich würde grundsätzlich jedes Geschäft ablehnen, was die Umwelt schädigt, Menschen ausbeutet oder gar töten würde. Ich würde aufpassen, dass es immer ein Gleichgewicht der Geschlechter gäbe und keine finanziellen, rassistischen, religiöse oder einem Standesdünkel geschuldete Unterschiede.

Kurz gesagt wäre für mein Unternehmen einer wie Rüttgers sogar geschenkt noch viel zu teuer. Eher produzierte ich für 20.000 Euro Flyer, auf denen über das Bedingungslose Grundeinkommen aufgeklärt würde. Oder ich gäbe es aus, um Kindern aus dem Ort Nachhilfe zu finanzieren, damit sie in diesem katastrophalen Schulsystem wenigstens etwas Unterstützung erführen.
Und selbst wenn ich gar nicht wüsste wohin damit, aber bevor ich das Geld diesem Kerl und seiner christlichen Partei in den Rachen steckte, würde ich mir mit den Scheinen eine Zigarre anstecken oder sie im Sinn des Wortes aus dem Fenster werfen. So könnte ich wenigstens noch einen auf dicke Hose machen oder meinen Nachbarn eine Freude.

Unternehmen die so handeln, wie ich es für mein Wunschunternehmen formuliert habe, sind keine Utopie. Die meisten davon findet man im Mittelstand, aber es gibt auch große, weltweit operierende Unternehmen, wie bspw. die Robert Bosch GmbH oder das amerikanische Unternehmen PSI, welche ähnlichen Werten folgen.
Für mich ist es kaum vorstellbar, dass Unternehmen die in diese Richtung denken und handeln, Geld für dieses moralisch mehr als fragwürdige Angebot zur politischen Prostitution ausgeben würden.

Allerdings scheint es ja einen Markt für so etwas zu geben, was man an den Summen erkennen kann, die für diese „Dienstleistung“ genommen wurden, genommen werden oder auch genommen werden würden (Stichwort „Mondpreis“). Umgekehrt muss die Frage gestellt werden, was das für Unternehmen sind, die bereit sind fünfstellige Summen auf den Tisch zu blättern, um mit so einem wie Rüttgers angeben zu können?

Vielleicht ist es doch so, dass jeden Tag ein Dummer aufsteht und man ihn nur finden muss. Rüttgers Angebot bedient genau die Leute, die meinen etwas von dem Sternenstaub der hohen Politik für sich verwenden und verwerten zu können. So ein Foto mit dem Ministerpräsidenten macht schon was her, schafft Vertrauen und wirkt so, als gehöre man einem besonderen Kreis an.
Klar ist, dass es für ein Unternehmen unter Umständen wichtig und von Vorteil ist, wenn Kontakte zur Politik bestehen. Aber die sind dann landläufig anderer Natur, als ein oder zwei gekaufte Stunden und nur, um den Akt in der Öffentlichkeit zu vollziehen. Die richtigen Kontakte spielen mit dem Ministerpräsidenten Squash oder sagen ihm, welche Politik für sie die beste ist. Diejenigen, die in Wirklichkeit dem Rüttgers ins Ohr flüstern, haben es nicht nötig, ihn für sich zu kaufen, denn sie schreiben die Gesetze (mit). Ihr Einfluss hat schon längst Gewicht, das brauchen sie sich nicht mehr zu erkaufen. Alle anderen haben kaum eine Chance, es sei denn, sie lassen etwas mehr als lumpige 20.000 springen.

Es ist dieser modern gewordene gesellschaftliche Wahn jedem zu folgen, der in irgendeiner Form nach Star aussieht. Das ist Götzenverehrung mit ökonomischem Vorteil für die Götzen.

Man muss schon arm dran sein, wenn man dafür so viel Geld bezahlt.

Thema: Kultur, Medien, Politik, Wirtschaft | Kommentare (0)

Original ist original ist original

Montag, 15. Februar 2010 16:30 | Autor: Olaf Sander

Manch einer wundert sich ja darüber, dass ich hin und wieder eigen bin was die Wurst meiner Heimat betrifft. Genauer gesagt ist mit der Wurst die Bratwurst gemeint und ganz präzise ausgedrückt ist es die Thüringer Rostbratwurst – natürlich nur im Original.

Aber gerade innerhalb der überaus netten und symphatischen Familie, in die ich die Ehre hatte einheiraten zu dürfen, werde ich für die vehemente Verteidigung dieser kulinarisch-kulturellen Köstlichkeit hin und wieder mal belächelt. Sie ist halt aus Sachsen, die Familie.
Ihnen fällt es leicht eine Thüringer Rostbratwurst auf einen Gasgrill zu legen und sie zu brutzeln. Dabei kommt sie nur, und zwar ausschließlich, auf den Rost und wird gebraten. Deshalb ja auch der Name Rostbratwurst.

Dem original Thüringer zieht es bei solcherlei Frevel sämtliche Geschmacksnerven zusammen und Heil dem, der sich dann noch geradeso mit einer Diät oder Magenverstimmungen ums Essen drücken kann. Deshalb, der Thüringer kann es nicht oft genug wiederholen, gehört die echte Thüringer Rostbratwurst auf einen Rost. Unter den Rost gehört Holzkohle. Und sonst nichts.

Allerdings, meine Frau die ja auch Sächsin ist und die noch dazu die Ehre hatte in meine überaus nette und symphatische Familie einzuheiraten, hat sich mit der Thüringer Rostbratwurst und den Bräuchen um sie herum gut arrangiert. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass sie nun nach mehrjähriger Einflussnahme durch mich, man darf gerne sagen ich habe sie missioniert, eine frevelhaft gebruzzelte Bratwurst höflich aber bestimmt ablehnt – es sei denn, sie hat Hunger.

Weil es so viele Missverständnisse zwischen der Thüringer Rostbratwurst und dem ganzen Rest der Welt gibt und dieser Blog auch der Aufklärung dienen soll, will ich euch dann gerne noch etwas mitgeben. Nein, keine Original Thüringer Rostbratwurst, aber eine kurzweilige, witzige und dennoch – darum bitte ich – informative und ernstzunehmende Reportage von Gert Anhalt über die Original Thüringer Rostbratwurst, die Kultur drumrum und nicht zuletzt über die wirklich sympathischen, liebenswerten und fast immer freundlichen Thüringer.

Viel Spaß damit.

Eure Bratwurst

Thema: Geschichte, Kultur | Kommentare (2)

Hungerstreik und andere Kleinigkeiten

Freitag, 12. Februar 2010 19:18 | Autor: Olaf Sander

Dieser Artikel braucht Zeit. Ich bitte euch, dass ihr sie euch nehmt und bedanke mich schon einmal recht herzlich dafür.

Natürlich geht es schon wieder um Flüchtlinge und um den Umgang unserer Gesellschaft mit ihnen. Ich will mich kurz fassen, weil es genug zu lesen und zu hören gibt.

1.

In Niederbayern protestieren in einem Lager eingesperrte Flüchtlinge mit einem Hungerstreik gegen ihre menschenunwürdige Unterbringung, Arbeitsverbot, die Entmündigung durch Essenspakete und nicht zuletzt gegen das Verbot, den Landkreis zu verlassen (Achtung! An dieser Stelle besteht die Gefahr eines Déjà-vu.)

Das tun sie jetzt, gerade und genau in diesem Moment.

Ein Artikel von Stefan Aigner von regensburg-digital.de: “Hungerstreik und andere Kleinigkeiten”

Hier könnt ihr eine Petition für die Hungerstreikenden unterzeichen.

2.

Stellt euch vor, ihr bekommt 1,91 Euro Taschengeld. Pro Woche.
Stellt euch weiter vor, ihr habt keinen Pass, keiner will euch haben/ kennen.
Stellt euch noch weiter vor, ihr müsst jetzt nachweisen, woher ihr kommt.
Und jetzt stellt euch noch vor, ihr würdet nun zu 600 Euro Strafe verurteilt werden, weil:

Der Tatvorwurf: Mein Mandant habe keine zumutbaren Anstrengungen unternommen, um im Rahmen seiner, so wörtlich “Mitwirkungs- und Initiatvipflicht die Feststellungen der sierreleonischen Botschaft zu widerlegen und insoweit die für eine Abschiebung erforderliche Passbeschaffung zu fördern”

Die ganze Story gibt es in Udo Vetters lawblog zu lesen. “Die eigene Abschiebung nicht gefördert”

3.

Last but not least, zwei wirklich hörenswerte Podcasts, die ich euch nur allerwärmstens empfehlen kann.

Das Schweizer Radio DRS gibt in einer sehr guten Radioreportage einen guten Überblick über die verschiedenen Orte, Menschen und Maßnahmen gegen die Flüchtlinge am Mittelmeer. Es ist gut möglich, dass ihr am Ende ein Gefühl der Wut
und oder Ohnmacht verspürt.

Fehlende Strategien für die Flüchtlinge am Mittelmeer

(Zuerst veröffentlicht: 22. August 2009, 09:08 Uhr, DRS 2, Länge: 30:00 Minuten)

Ein anderer Beitrag kommt von “Deutsche Welle”. Es ist ein Interview mit Elias Bierdel, der sich zur Recht über den Schandprozess an sieben tunesischen Fischern echauffiert, die dafür verurteilt werden, weil sie 44 Flüchtlingen das Leben retteten.

(Elias Bierdel von “borderline europe” im Interview

(Zuerst veröffentlicht: 2010, Deutsche Welle, Länge: 05:33 Minuten)

Thema: Medien, Politik, Zukunftspläne | Kommentare (3)

Linkkiste – 12. Februar 2010

Freitag, 12. Februar 2010 15:54 | Autor: Olaf Sander

Alice Schwarzer verhaut verbal Bushido. Und zwar richtig.

Hier muss ich euch einfach mit ein paar Zitaten anteasen, anders geht es nicht.

“Ich kann dich nicht ernst nehmen. Du redest viel von Ehre und Respekt, aber du redest davon, wie der Blinde von der Farbe.”

“Auch du verachtest die Frauen. Wir sind für dich nur Fotzen, die man von hinten fickt.”

“Da grillst du, schneidest die Hecken und hörst Depeche Mode. Okay. Ich gönn es dir. Nur erzähl uns nichts vom Ghetto, von Verzweiflung und Ehre.”

“Du bist aber nur ein kleinbürgerlicher Spießer, der die echt Verzweifelten abzapft.”

Hach… Was wäre Deutschland ohne Sie, Frau Schwarzer?

_____________________________________________________________________

“Nur weil du nicht paranoid bist, heißt das nicht, dass sie nicht auch hinter dir her sind.”

DaMax hat einen äußerst lesenswerten Beitrag über die Wahrnehmung so mancher alteingesessener Medienfachleute – man darf mittlerweile getrost Dinos zu ihnen sagen – über Blogger geschrieben. Wir sind, ja ganz Recht, allesamt Verschwörungstheoretiker. Das Fazit lautet im Kern:

Leute die sich selbst Gedanken machen, die eins und eins zusammenzählen und die noch dazu die Frechheit besitzen, das ganze gedachte Zeugs ins Internet zu schreiben, lügen und hängen Verschwörungstheorien nach. Damit haben die Damen und Herren Dinos natürlich eine perfekte Erklärung für die, die nicht selbst denken, sich nichts selbst (aus)rechnen können und die noch dazu das Maul halten oder noch besser, ja und Amen zu allem sagen. Ach ja, und die für den gedruckten Mist der Dinos Geld bezahlen.

_____________________________________________________________________

Die besten Bilder des Jahres 2009

Eine Fotostrecke bei Zeit Online, durch die es sich zu klicken lohnt (21 Bilder).

Thema: Linkkiste, Medien, Politik | Kommentare (2)

Die Welt (der Flüchtlinge) in Zahlen

Mittwoch, 10. Februar 2010 21:55 | Autor: Olaf Sander

Bitte beachtet die Hinweise am Ende der “Welt in Zahlen”1.


  • Zahl der Boat-People, die im Jahr 2007 nach Schätzungen der UNHCR an den Küsten Europas anlandeten [3]: 43.000
  • Zahl der Boat-People, die im Jahr 2008 nach Schätzungen der UNHCR an den Küsten Europas anlandeten [3]: 67.000
  • Zahl der Boat-People, die im Jahr 2008 allein in Italien und auf Malta anlandeten [3]: 38.000
  • Zahl der Boat-People, die im Jahr 2008 im bitterarmen Jemen anlandeten [3]: 51.091
  • Zahl der Boat-People, die in den ersten drei Monaten des Jahres 2009 im bitterarmen Jemen anlandeten (ca.) [3]: 20.000
  • Zahl der Boat-People, die sich im Jahr 2008 nach Statistiken der EU per Seeweg von Afrika nach Europa aufmachten [2]: 80.000


  • Zahl der Migranten, die die europäische Grenzschutzagentur Frontex im Jahr 2008 nach eigenen Angaben bei ihren „Hera-Operationen“ nicht zu den Kanarischen Inseln durchgelassen und zurückgeschickt haben [4]: 5.969
  • Zahl der Grenzübertritte nach dem „Frontex General Report 2008“ (nicht endgültig verifiziert, aber im Report genannt) [4]: 175.000
  • Zahl der Grenzübertritte an der griechisch-albanischen Grenzen nach dem „Frontex General Report 2008“ (nicht endgültig verifiziert, aber im Report genannt) (ca.) [4]: 40.000


  • Mindestzahl der Flüchtlinge, die lt. verschiedener Pressemitteilungen seit 1988 entlang der europäischen Grenzen starben [1]: 14.714
  • Vermutliche Zahl von somalischen Flüchtlingen, die bisher im Golf von Aden umgekommen sind (ca.) [4]: 2.000


  • Zahl der Menschen, die im subsaharischen Afrika als Migranten gelten in Mio. [4]: 17
  • Zahl der „Illegalen“ in Südafrika nach Schätzungen des südafrikanischen Innenministerium in Mio. [4]: 7
  • Davon allein Flüchtlinge aus Simbabwe nach Schätzungen des südafrikanischen Innenministerium in Mio. [4]: 3
  • Zahl der Menschen allein in Westafrika, die nicht in Ländern leben, in denen sie geboren sind in Mio. [4]: 7,5
  • Zahl der Asylsuchenden, die zumindest den UN-Flüchtlingsstatus erhalten (auch wenn ihnen das kaum nützt, weil die Mehrheit wieder zurück (irgendwohin) geschickt werden) in Prozent [4]: 60
  • Zahl der Menschen, die im Jahr 2009 in den EU-Ländern Asyl beantragten [5]: 250.000
  • Zahl der Asylsuchenden in den EU-Ländern, denen auch Asyl gewährt worden ist: Unbekannt


  • Dauer des Gefängnisaufenthaltes aller ankommenden Flüchtlinge auf Malta, ohne Rücksicht auf Person, Herkunft oder Traumata in Monaten [4]: 18
  • Strafe für zwei tunesische Kapitäne, die am 08. August 2007 im Mittelmeer 44 Flüchtlinge aus Seenot retteten in Monaten [7]: 30


  • Höhe des UN-Millenniumsziels in Euro zur Halbierung der Armut in den Entwicklungsländern in Mrd. [9]: 32
  • Höhe der Entwicklungshilfe im letzten Jahr in Euro der großen Industriestaaten in Mrd.[9]: 72
  • Afrikas Schulden in Euro in Mrd. [9]: 98
  • Höhe der weltweiten Überweisungen in Dollar von Migranten in ihre Heimatländer in Mrd. [4]: 337


  • Höhe der (europäischen?) Zuwendungen in Dollar für die Verbesserungen des Grenzschutzes „in den nächsten Jahren“ an Libyen in Mrd. [8]: 25
  • Kosten in Euro für den Ausbau des Grenzschutzes in Europa, welche von den Staats- und Regierungschefs auf dem EU-Gipfel in Thessaloniki im Juni 2003 beschlossen wurden in Mio. [6]: 400
  • Kosten in Euro für das mit EU-Geldern finanzierte System „Sive“ (Integrated External Vigilance System), welches hochauflösende Infrarotkameras, Radarsysteme, Patrouillenboote und Helikopter beinhaltet, um Flüchtlinge in der Meerenge von Gibraltar aufzuspüren in Mio. [6]: 140
  • Entfernung von Europa und Afrika an der Meerenge von Gibraltar in Km. [6]: 14


Achtung!

Die hier dargestellten Zahlen sind nicht verifiziert und sollten auf keinen Fall als gesichert betrachtet werden. Es handelt sich lediglich um Zahlen, die von verschiedene Organisationen, Institutionen und Journalisten verwendet wurden. Sie sollen in der Hauptsache dazu dienen, ein Gefühl für die Größe des Problems zu bekommen. Es gibt keine offizielle Statistik über die realistischen Zahlen. Geht bitte davon aus, dass die Dunkelziffern sehr viel höher sind.


[1] Blog fortresseurope: “Festung Europa”
[2] Zeit Online: “Die Menschenfänger”
[3] PDF: Statistik: “Tote an EU-Grenzen 2009″
[4] TAZ: “Mythen der Migration” (Aus Le Monde diplomatique)
[5] BR-Online: “Wie wir versuchen, Immigranten fernzuhalten”
[6] Deutsche Welle Nord: “Unsichtbare Mauern der Festung Europa”
[7] Flüchtlingsrat BW: Punkt 7: “Italienisches Gericht auf Sizilien verhängt 2,5 Jahre Haft für Menschenretter”, Artikel von Judith Gleitze, borderline-europe
[8] Südwest Presse: “Weniger Flüchtlinge ertrinken, dafür verdursten mehr in der Wüste”
[9] Zeit Online: Grafik: “Seid verschlungen, Milliarden!”

  1. “Die Welt in Zahlen” ist eine Idee der brand eins, welcher ich mich frecherweise bediene, weil sie so gut ist und ich die brand eins, als erste und einzige Zeitschrift überhaupt, abonniert habe.

Thema: Kultur, Politik, Wirtschaft | Kommentare (0)

Talent, Können und die pure Freude am Spaß

Montag, 8. Februar 2010 16:33 | Autor: Olaf Sander

Der verehrenswerte Thomas Quasthoff, wie ihr ihn vielleicht noch nicht kennt.

Thomas Quasthoff als Special Guest bei Bobby McFerrin zum Jazz Fest Wien am 01.07.2008 in der Wiener Staatsoper. (Mein Gott, wäre ich da gerne dabei gewesen…)

_____________________________________________________________________

Thomas Quasthoff und das Spardosen-Terzett. It´s all Blues…

Oh yaeh!

Und jetzt lass es wackeln!

Thema: Kultur, Musik | Kommentare (1)

Hütet euch vor Daniel Pipes! (es sein denn, ihr wollt den totalen Krieg)

Freitag, 5. Februar 2010 23:30 | Autor: Olaf Sander

Daniel wer? Muss man den kennen?

Eigentlich nicht, aber besser wäre es schon. Denn er gehört nach eigenen Angaben zu den “Who’s Who in the World”, hat das Middle East Forum gegründet, in Harvard Geisteswissenschaften studiert, am US Naval War College gelehrt, hat im US Außen- und Verteidigungsministerium gearbeitet, ist dort Mitglied der “Special Task Force on Terrorism and Technology”, einer besonderen Arbeitsgruppe zu Terrorismus und Technologie und er schreibt in Springers “Welt”.

In einem Artikel auf “Welt-Online” legt er seine Sicht auf die Welt dar. Und die ist schlicht gesagt eine Mischung aus konservativem Neoliberalismus und Goebbelscher Propaganda.
Ganz offen fordert Pipes Präsident Obama auf, doch endlich mal den Iran zu bombardieren, weil, wir wissen bereits am Stichwort um was geht, die Atompolitik der iranischen Regierung alles andere als duchsichtig ist. Aber nicht nur die Atombombe als solche schwebt als Damoklesschwert über dem Weltfrieden, sondern auch – und das höre bzw. lese ich heute zum ersten Mal – elektromagnetische Impulse, mit denen die wild gewordenen Iraner die USA bombardieren (?) und zerstören könnten.

Gerade jetzt, ich wollte auf der Homepage der Welt den Artikel noch einmal nachlesen damit ich keinen Unsinn schreibe, ist der Artikel nicht mehr auffindbar.

Natürlich ist einer wie Pipes, der so eine wichtige Botschaft für die Deutschen hat, nicht darauf angewiesen, dass ein Verlag seine Artikel online hält, nicht mal dann, wenn der Verlag “Springer” heißt und möglicherweise selbst denen so viel geballte Demagogie nicht geheuer ist oder unpassend erscheint.
Deshalb schreibt Pipes es auch noch einmal in seinem Blog, was uns die Möglichkeit gibt, seinen in Schleifchen verpackten Hass auf die Muslime dieser Welt zu bewundern. Oder uns angewidert abzuwenden.

Seine These ist kurz erzählt. Die Iraner wollen die Weltherrschaft und Obama kann nur dann ein angesehender und erfolgreicher amerikanischer Präsident werden, wenn er die Atomanlagen im Iran bombardiert.

Mal abgesehen davon, dass die Amerikaner ohnehin schon fast an ihren vielen außenpolitischen Verpflichtungen zu ersticken drohen, es innenpolitisch auch nicht viel besser aussieht und ein Krieg gegen den Iran schon allein deshalb Wahnsinn wäre – aber warum diese Propaganda? Und warum gerade jetzt?

Der Iran hat signalisiert im Atomstreit einzulenken und die Forderungen des Westens zu erfüllen. Das könnte, wie so oft, Taktik der iranischen Machthaber um Mahmud Ahmadinedschad sein. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass der Iran wirklich einlenkt, einfach deshalb, weil es eben gar nicht so einfach ist eine Atombombe zu bauen und eine Rakete, die dieses massenmordende Paket zum Ziel transportiert.
Die überraschende Teilnahme des iranischen Außenministers Manutschehr Mottaki an der Münchner Sicherheitskonferenz, lässt laut tagesschau.de jedenfalls hoffen, dass es so ist.

Wenn Pipes betont, dass es in seinem “Strategievorschlag” an Obama nicht darum ginge eine Regimewechsel durchzuführen, sondern “nur” die Atomanlagen zu bombardieren, dann gibt es zwei Möglichkeiten: entweder er will Krieg und ruft die Geister herbei oder er ist unendlich naiv, dumm und deshalb seinen Harvardabschluss nicht wert.
Denn Fakt ist, dass es sich der Iran sicher nicht gefallen lassen wird, wenn die USA – und mit ihr vermutlich auch die NATO – deren Atomanlagen bombardieren. Da spielt es den Amerikanern auch nicht in die Hände, dass das iranische Volk die eigenen Teufel Mahmud Ahmadinedschad und Ali Chamene’i (Chamene’i ist der der politische und religiöse Führer, Ahmadinedschad der Präsident) aus den Tempeln jagen wollen und deshalb schon seit längerem Aufstände proben. Greift die USA den Iran an werden die Iraner den Iran verteidigen, egal, was für ein Vollidiot das Land gerade regiert. Man muss nicht Islamwissenschaften oder den Nahen Osten studiert haben, um das zu verstehen.

Daniel Pipes ist ein Hetzer, ein Spalter, ein Demagoge par excellence. Man darf ihm nicht zuhören. Was aber wirklich nachdenklich stimmen sollte ist, dass er auch in Deutschland hetzt. Wir sind nämlich in der NATO.

Update: Der Bildblog nimmt sich auch des Themas an. Erst über Pipes selbst und dann noch über die BILD und ihre “saubere Recherche:

Artikel über Pipes: Ein schlechter Clausewitz
Artikel über Bild: Die Irreführung von Teheran

Thema: Allgemein, Medien, Politik, Wirtschaft | Kommentare (1)

Wie viele Nullen hat eine Milliarde gleich noch mal?

Freitag, 5. Februar 2010 13:07 | Autor: Olaf Sander

Na ja, eigentlich ist das egal, weil es zumindest in der Politik Nullen sind, die mit den Nullen hantieren. Aber da erzähl ich nichts neues.

Die Zeit hat gestern eine wundervolle Infografik (pdf) veröffentlicht, die sehr anschaulich und beeindruckend die Verhältnissmäßigkeit des weltweiten finanzpolitischen Wahnsinns darstellt.

Bitte anschauen und mit dem Kopf schütteln.

Danke.

(via Fefe)

Thema: Allgemein, Politik, Wirtschaft | Kommentare (0)

75facher Mord, untermalt von der Ode “An die Freude”

Dienstag, 2. Februar 2010 20:29 | Autor: Olaf Sander

Kennt ihr das auch? Manchmal begegnen einem Menschen zum wiederholten Male, gleichwohl man sie nicht kennt, nie ein Wort mit ihnen gesprochen hat und das einzig Verbindende vielleicht nur die Buslinie ist, mit der jeder für sich an die Arbeit fährt. Es sind uns unbekannte Menschen die uns dennoch immer wieder ins Auge fallen, weil sie etwas an sich haben was die eigene Aufmerksamkeit erregt, aber worum man sich nicht weiter schert, weil der Kopf voll ist mit dem eigenen Alltag, mit Sorgen und Nöten, Wünschen, Hoffnungen und Plänen. Soweit so normal.

Seit dem August 2009 begegnen mir Menschen, die keinen Alltag mehr haben, keine Sorgen und Nöte, keine Wünsche und Hoffnungen und auch keine Pläne.

Sie sind nämlich tot*.

Begegnet sind mir diese Menschen das erste Mal in der Form einer Nachricht1. Dann in Gesprächen mit meiner Frau, mit Freunden und mit Verwandten. Und zu letzt traf ich auf sie, weil ein Verwandter von einem der Toten einen Kommentar auf meinen Artikel “Über Berlusconi, Schadenfreude und den ganzen Rest” hinterlassen hat. Er heißt Andy und das hat er geschrieben:

„Lieber Olaf,
ich habe heute zufällig deinen Beitrag über Borlusconi, Atommüll, Attentat, Demkratie, Europa, Fernsehen, Flüchtlinge, Lafontaine, Medien, Papst, Politik, Schadenfreude, Schäuble etc. gelesen und ich bin sehr froh auf diese Seite “gelandet” zu sein.
Ich bin einer von denen, welche einen Verwandten mit den 75 bootsflüchtlingen, die im August am Mittelmeer qualvoll sterben mussten, weil keiner ihnen helfen wollte, verloren hat.
Wir haben eine Interessengemeinschaft (boatp.team) bezüglich diese Geschichte gegründet und es baut uns auf, wenn wir Leute treffen, die diese Tat verurteilen und es würde uns freuen, wenn wir öffter solche Schreiben lesen würden. Dein Schreiben bezüglich Berlusconi: Du hast uns aus der Seele gesprochen. Wenn Berlusconi es so weit schaft, sein “christliches” Volk dazu zu bringen, Menschen in Not nicht mehr zu reten, fragen wir uns; und was macht Europa…..?????
Über die übrigen Thema, werde ich ein anderes Mal noch mehr schreiben. Wir, als boatp.team, family of the victims8/09, sind Dir aber für dein Beitrag dankbar.
viele Grüße
Andy“

Plötzlich sind mir diese unbekannten Toten nicht mehr unbekannt. War es bisher dem Empfinden nach „nur“ eine skandalöse Meldung und ungläubige Verwunderung darüber, dass das Geschehen nicht als Skandal wahrgenommen wurde, so ist es jetzt viel näher an mir dran, als mir lieb ist.

Ihr sollt mich bitte nicht falsch verstehen, denn ich bin Andy überaus dankbar für seinen Kommentar. Nur zwingt er mich damit auch, mich mit diesen Toten zu beschäftigen und mir bewusst zu machen, dass sie – todsicher – Opfer eines Verbrechens* wurden. Nun muss ich eine klare Position beziehen und diese auch laut machen. Verdrängen und den Alltag als Ausrede benutzen ist mir nicht mehr möglich.

Denn dies ist jetzt eine persönliche Sache.

Und jeder von Euch, der bis hier her gelesen hat, sollte den drei Wochen lang anhaltenden (!!!) langsamen 75fachen Mord an den Flüchtlingen persönlich nehmen – und zwar aus guten Gründen.

Es könnte nämlich sein, dass wir alle morgen schon in einer ähnlichen Situation sind wie diese Menschen und von dort flüchten müssen, wo wir leben. Die letzte große Flüchtlingsbewegung von uns Deutschen war vor ca. 20 Jahren, die vorletzte vor ca. 65 Jahren. Das ist beides also noch gar nicht so lange her und liegt beides innerhalb eines Menschenlebens. Es gibt überhaupt keinen Grund für uns anzunehmen, dass das, wegen welchen Ereignissen auch immer, nicht jederzeit wieder passieren könnte.

Wir Deutschen tragen aus mehreren Gründen die Verantwortung am Tod dieser Menschen mit. Als eine Nation, die stolz ist auf ihre Seefahrertradition, wäre es unsere Pflicht gewesen in dem Moment gegen dieses Verbrechen zu intervenieren, als es bei uns bekannt wurde. Alle die zu Werten gegossenen Leitsätze wie der, dass vor Gott und auf dem Meer alle Menschen gleich sind, wurden durch das Schweigen der deutschen Politik und der Unternehmer, die vom und mit dem Meer leben, obsolet. Übrig geblieben sind nur noch Phrasen.

Auch dürfte, nein muss, uns das befohlene Ignorieren von massenhaften Mord nicht fremd sein. Wir haben doch Erfahrungen. Nur sind es nicht wir, die jetzt gemordet haben, sondern die Malteser und die Italiener.
Wie bei den Nazis stillschweigend wegschaut wurde, als die Juden erst deportiert und dann vergast wurden, so schauen wir heute stillschweigend weg, wenn 75 afrikanische Flüchtlinge drei Wochen lang jämmerlich im Meer verrecken, weil Mitgliedsstaaten der EU einfach mal ein Exempel statuieren.

Das verstößt gegen alle unsere menschlichen, demokratischen und christlichen Werte und Wertvorstellungen und macht uns genau so schuldig, wie sich die Generation unserer Eltern und Großeltern schuldig gemacht hat. Wir haben nichts gelernt und die Konsequenzen tragen schon wieder die anderen.

Genau deshalb, liebe Freunde, ist die Sache so persönlich.

P.S.

* Bitte lesen und Hintergründe erfahren.

  1. ZDF Videotext, Fr 21.08.09, Tafel 127

    “Kapitäne ignorieren Schiffbrüchige: 75 Flüchtlinge tot,

    Zahlreiche afrikanische Flüchtlinge haben ihren Traum von einem besseren Dasein in Europa mit dem Leben bezahlt. Eine Gruppe von etwa 75 vornehmlich aus Eritrea stammenden Migranten kam nach Angaben der UN auf der Überfahrt von Libyen nach Italien zu Tode, nachdem ihrem Boot der Treibstoff ausgegangen war.”

    Zahlreiche Schiffe hätten das im Mittelmeer dümpelnde Boot passiert, ohne ihm zu Hilfe zu eilen, berichtete das Hochkommissariat für Flüchtlingsfragen (UNHCR). Die Organisation berief sich auf Aussagen der fünf Überlebenden.

Thema: Politik | Kommentare (13)

What the fuck is Oettinger talking about?

Dienstag, 26. Januar 2010 19:30 | Autor: Olaf Sander

Forget Westerwelle. Take Oettinger.

Thema: Allgemein, Medien, Politik, Wirtschaft | Kommentare (3)

Kristina Köhlers Doktortitel, ihre Lektion mit der Bild und offene Fragen aus einem offenen Brief

Donnerstag, 21. Januar 2010 14:20 | Autor: Olaf Sander

Sicherlich könnt ihr euch an den offenen Brief an Bundesfamilienministerin Kristina Köhler erinnern, den ich Anfang Dezember an sie geschrieben habe und in dem ich sie bat, uns ihre Sicht auf ihren Doktortitel zu erklären. Wie es nicht anders zu erwarten war, habe ich keine Antwort bekommen. Warum auch, ich bin ja nicht die Bild.

Die hat, wie das Medienmagazin „Zapp“ vom NDR gestern Abend berichtete, im Kern die gleichen Fragen gestellt wie ich. Allerdings reagierte Frau Köhler nicht gar nicht auf die Bild, sondern sauer, weshalb sie eine Anwaltskanzlei aus Hamburg bat, die Bild mit einem sechsstelligen Schmerzensgeldbetrag zu bedrohen.
So gesehen kann ich von Glück reden, dass mein Brief in der Fülle der Fanpost an Frau Köhler wohl unter den Tisch gefallen und von der Putzfrau entsorgt worden ist, denn sechsstellige Beträge kenne ich nur aus dem Fernsehen.

Nun lässt sich die Bild nicht mit Rechtsanwälten oder Schmerzensgelddrohungen Angst machen, denn die angedrohte Summe, die zwar nicht genannt wird dafür aber sechsstellig ist, dürfte für sie nur Peanuts sein. Immerhin verkauft der Axel Springer Verlag im Jahr so um die 990 Mio. Einzelexemplare der Bild (Auflage ca. 3,3 Mio. täglich) und hat selbst in den letzten zwei Jahren mit dem Verkauf von Anteilen aus der Pro7-Sat1-Gruppe und mit dem Verkauf von Regionalzeitungen ca. 720 Mio. Euro verdient1.

Sicher, das ist nicht alles nur Profit und für die Tasche, da geht noch genug an Kosten weg – im Gegensatz zu anderen Verlagshäusern aber geht es Springer außerordentlich gut und der Gewinn ist immer noch in dreistelliger Millionenhöhe.

Vielleicht ist das der Grund, warum Bild-Chefredakteur Kai Diekmann den Brief von Frau Ministerins Anwälten in seinem Blog mit Häme, statt mit Demut begegnete und das Anwaltsschreiben dort veröffentlichte. Das hat, man kann es nicht anders sagen, gezogen.
Frau Köhler reagierte und gab der Bild – ganz klar – ein Exklusivinterview und beantwortete auch noch alle Fragen im Blog von Kai Diekmann.

Na also, geht doch, möchte man meinen, aber das gilt wie so oft nur für den ersten Blick. Denn liest man sich das Interview durch merkt man schnell, dass Frau Ministerin zwar viel redet, aber eigentlich überhaupt nichts sagt. Die eigentliche Essenz des Interviews lautet: Wenn ich (K. Köhler) sage, das ist nicht so, dann ist das nicht so. Punkt.
Nach wie vor windet sich die Ministerin um eine klare Antwort, weil sonst nämlich klar wäre, dass sie sich den Doktortitel, nun ja, nicht selbst erarbeitet hat. Und das ist es ja, um was es hier geht.

Was aber klar ist, ist die Lektion, die Kristina Köhler von der Bild gelernt hat. Sie weiß jetzt, dass sie die Bild nicht „verärgern“ darf, weil die ihr sonst gehörig die Politik verhageln kann. Derart von der Bild vorgeführt, wird aus der kühlen Blonden schnell eine warme und wachsweiche Gesprächspartnerin und Kai Diekmann hat einen Strich mehr auf seiner Opferliste.

Es ist völlig klar, dass der Doktortitel die Kompetenzen der Frau Köhler schönen soll und dass sie selbst am wenigsten dafür getan hat. Da braucht in Zukunft keiner mehr nachzufragen. Nachdem die Bild das Thema noch mal so richtig als Sau durchs mediale Dorf getrieben hat, ist das auch nicht mehr nötig. Ab jetzt wird es nämlich langweilig fürs Volk.

Die Bild aber hat eine neue ministerielle Marionette, die Ministerin selbst noch immer ihr Gesicht und das Volk die Regierung, die es verdient.

Auch das ist Politik.

2

  1. Quelle: brand eins, Heft 01, Januar 2010, „Wo kommt das Geld her?“, Seite 28, Text: Ingo Malcher, www.brandeins.de
  2. Sicherlich wundert ihr euch, warum ich nicht auf den Blog von Kai Diekmann und die Bild verlinke. Das tue ich grundsätzlich nicht, jedenfalls nicht bei Diekmann und der Bild. Ich mag nämlich beide nicht, auch wenn ich zugeben muss, dass mich die Watschn von Kai Diekmann an Kristina Köhler amüsiert. Das ist aber kein Grund, meinen Prinzipien untreu zu werden. Die genannten Artikel und Interviews in Diekmanns Blog und der Bild sind recht einfach zu finden.

Thema: Allgemein, Kultur, Medien, Politik | Kommentare (3)

“Klimaheld” Röttgens neuester Coup

Mittwoch, 20. Januar 2010 17:46 | Autor: Olaf Sander

Was haben wir nicht für einen tollen und fähigen Bundes”umwelt”minister. Nicht nur, dass er  Aufklärung in Sachen Biblis verhindert hat und ein Ex-Atomlobbyist ist, jetzt stellt er auch noch dem Fortschritt für grüne Umwelttechnik ein Bein. Aber sowas von…

Wie die Tagesschau berichtet, will die Bundesregierung die Vergütung für Solarstromanlagen noch in diesem Jahr generell um 15 Prozent kürzen, für Solaranlagen auf Ackerflächen sogar um 25 Prozent. Das gilt für Dachanlagen ab 1. April und für Anlagen auf Freiflächen ab 1. Juli, wie Bundes”umwelt”minister Norbert Röttgen ankündigte. Es würden damit, so der Minister, “Nutzungs- und Landschaftskonflikte” beseitigt werden. Dumm dabei ist nur, dass die meisten Anlagen in Deutschland auf Hausdächern installiert werden.

Röttgen räumte ein, die Kürzungen könnten einige Firmen der Branche hart treffen. Für ihn gelte aber, dass sich niemand “auf dem Subventionsbett” ausruhen dürfe. “Wir wollen keine Traumrenditen garantieren.” Das höhle die Akzeptanz für die Solarindustrie aus. “Der Abbau der Subventionierung ist Ausdruck des Erfolgs der Photovoltaik”, sagte Röttgen. Die Förderung diene der Markteinführung. Mit zunehmendem Erfolg müsse sich der Staat zurückziehen. Den Plänen Röttgens müssen noch das Kabinett und der Bundestag zustimmen.

So gesehen hätte ich da mal einen Vorschlag, Herr Röttgen:

Alle Betreiber von AKW bezahlen ab sofort die Entsorgung und Endlagerung ihres Atommülls selbst, denn:

Es soll sich keiner auf dem Subventionsbett ausruhen dürfen und der Abbau von Subventionierung ist Ausdruck des Misserfolgs der Atomkraft, deren Ende einige der drängendsten Nutzungs- und Landschaftskonflikte beseitigt.

Thema: Politik, Umwelt, Wirtschaft | Kommentare (5)

Hollywood macht China putt

Dienstag, 19. Januar 2010 15:54 | Autor: Olaf Sander

Vorweg; ich habe ihn nicht gesehen. Ich werde ihn mir wohl auch nicht anschauen, selbst dann nicht, wenn ich eine Einladung zum anschauen bekäme. Denn er kommt aus Hollywood, Los Angeles, und nur selten kommt einer der was taugt von dort.

“Avatar – Aufbruch nach Pandora” ist der neueste noch nie dagewesene Schinken, der derzeit durch die Kinos gepeitscht wird. Neu daran ist, dass er in 3D daher kommt.
Als Kind habe ich auch schonmal einen 3D-Film gesehen. In der DDR. Wir bekamen damals so lustige Pappbrillen, mit unterschiedlich farbigen Gläsern. Also genauso wie heute, nur noch uncooler.

Die Infos über den Film bei Tante Wiki reichen mir, um zu wissen, dass ich nicht wirklich etwas verpasse. Das aber die Handlung von “Avatar” in China die Politik verwirrt, ist geradezu lustig. Die Chinesen nämlich, sehen in dem Vertreibungszenario vor allem sich selbst, denn sehr viele von ihnen wurden und werden im Namen des Fortschritts auch vertrieben – ohne wenn und aber und ohne Entschädigung, genau so, wie in diesem Film.

Weil der Film die Befindlichkeiten der Volks-Chinesen spiegelt und nicht die Vorstellung der Regierung, rennt das Publikum den großen Kinos die Türen ein. Das ausgerechnet ein Streifen aus Hollywood die Stimmung im Land verhageln könnte, scheinen die Strategen und Zensoren im Ex-Reich der Mitte nicht gedacht zu haben – weshalb sie jetzt “Avatar” schnell mit einem politisch korrekten Schinken aus eigener Produktion, nämlich einer Filmbiografie über Konfuzius, ersetzen.

Wenn man Konfuzius zur Causa noch befragen könnte, dann bin ich mir sicher, würde er bestimmt antworten:

Der Wunsch nach Freiheit ist wie das Wasser. Er findet immer einen Weg. Und wenn es sein muss, auch durch Hollywood.

Thema: Allgemein, Kultur, Politik | Kommentare (0)