Beitrags-Archiv für die Kategory 'Wirtschaft'

Keine Wal vor dem bösen Erwachen?

Dienstag, 22. Juni 2010 20:04 | Autor: Olaf Sander

Wir Menschen sind schon eine komische Spezies. Wir zerstören oftmals das, was wir lieben und brauchen. Viel zu häufig tun wir das völlig sinnfrei. Es hat nämlich keinen Sinn, die Welt nach Diamanten umzugraben, nur weil irgendwann einmal irgendwer gemeint hat, es gäbe nichts wertvolleres, als Diamanten.

Genauso wenig ist es sinnvoll Öl aus der Tiefsee zu holen, obwohl wir von der Tiefsee weniger wissen, als vom All und alle Energie die wir benötigen aus dem All kommt und wir sogar so clever sind, sie einzufangen und zu nutzen.

Am allerwenigsten aber ist es sinnvoll, Wale zu töten um sie zu essen, oder wie die Japaner es nennen, wissenschaftlich zu untersuchen. Sicherlich muss man bei Völkern eine Ausnahme machen die sich aus gutem Grund von Walen ernähren, aber auch nicht mehr jagen, als sie brauchen, wie die Innuit z. B.

Andererseits fliegen wir bis zum Mond, also nicht alle, aber ein paar von uns, weshalb es sicherlich auch noch andere Möglichkeiten gäbe, diese Völker mit den für sie nötigen Nährstoffen zu versorgen. Aber sei´s drum. Weder Island noch Norwegen und schon gar nicht Japan müssen Wale fangen. Es gibt einfach keinen Grund dafür, Traditionen hin, Traditionen her.

Dieser Tage tagt in Marokko die Internationale Walfangkommission (IWC) und es bestehen gute Chancen, dass das seit 1986 bestehende Verbot des kommerziellen Walfangs fallen könnte. Passiert das, erleben wir vor dem bösen Erwachen nochmal eine große Fettlebe, einen gierigen Tausch von Leben in Geld. Und all das nur, weil Traditionen angeführt werden, um einem “Genuss” frönen zu können. Mir sind die Wale wichtiger, als – ich bitte um Entschuldigung für die Wortwahl – beschissene Traditionen, die die Welt nicht besser, sondern nur schlechter machen.

Einer, der sich seit längerem für den Schutz der Wale einsetzt und die Welt besser macht, ist Mario Adorf. Er hat einen Spot gedreht, in dem er, der wunderbare Vorleser, die Geschichte von Jenny erzählt. Ihr solltet sie Euch anhören.

English version

Ich bin davon überzeugt, dass die Wale fangenden Länder vielstimmig hören müssen, wie sehr wir, und vor allem die Wale, auf deren dümmliche Traditionen verzichten können. Eine der Organisationen die diese Stimmen bündeln ist Avaaz.org.
Avaaz hat mir heute Mittag geschrieben, dass nur noch 72 Stunden Zeit bleiben, bis die Entscheidung fällt. Da hatten schon 800.000 unterschrieben. Das Ziel war 1 Millionen. Jetzt sind es schon über 1.040.000.

Das heißt aber nicht, dass damit alles gut ist, denn jede Stimme zählt und weit übertroffene Zielsetzungen machen glücklich. Also, macht Euch und die Wale glücklich und unterschreibt.

Vielen Dank dafür.

Thema: Allgemein, Politik, Umwelt, Wirtschaft | Kommentare (2) | Autor: Olaf Sander

Rücktritt ersetzt Verantwortung

Montag, 31. Mai 2010 18:20 | Autor: Olaf Sander

Plötzlich und völlig unerwartet ist unser geliebter Bundeshorst Köhler von uns gegangen. Das heißt, er ist zurück getreten. Weil nämlich der Respekt vor seinem Amt fehlt, sagt er.

Aha.

Wenn bald noch eine Ratte unerwartet das Schiff verlässt, sollten wir mal nachschauen, ob der Seelenverkäufer namens “Deutschland” nicht gerade dabei ist abzusaufen.

Thema: Politik, Wirtschaft | Kommentare (8) | Autor: Olaf Sander

Heute so und morgen so und übermorgen anders

Samstag, 22. Mai 2010 19:32 | Autor: Olaf Sander

Keine drei Wochen ist es her, da ist der Schäuble noch mit vollem Karacho seinem Kumpel Ackermann hinten rein gefahren.

Ohne Ackermann…
Ach, die Krise hätte uns eiskalt erwischt.

Und heute?
Heute brennt die Luft.

25% Rendite können produzierende Unternehmen nicht leisten, sagt Schäuble.

Und deshalb (be)schließt er, dass sich die Finanzwelt nur um sich selbst dreht.

Was man daraus lernen kann?

Nicht viel.

Außer vielleicht, dass der deutsche Finanzminister ein Opportunist ist.

Thema: Politik, Wirtschaft | Kommentare (0) | Autor: Olaf Sander

Georg Schramm über den Krieg Geld gegen Staaten

Samstag, 15. Mai 2010 14:20 | Autor: Olaf Sander

Ohne Zweifel, für die Kabarettisten Georg Schramm und Urban Priol aus der ZDF-Sendung „Neues aus der Anstalt“ empfinde ich große Hochachtung. Nicht nur, dass sie sich mit beinahe jeder Sendung selber toppen, was an sich ja schon außerordentlich ist, nein, sie reißen all die mühsam aufgebauten Bekundungen, Versicherungen und Versprechen der wirtschaftlichen und politischen „Elite“ 1 ein – gnadenlos, klar, eindeutig und vernichtend. Im ZDF!

Für das, was Georg Schramm als Oberstleutnant Sanftleben in dieser Sequenz aus „Neues aus der Anstalt“ zeigt und sagt, wäre vor zwei Jahren noch jeder sofort in die Ecke der Verschwörungstheoretiker gestellt worden. Und heute? Heute lohnt es sich die kurzen Einblendungen von den Zuschauern im Studio zu studieren. Man kann die Gänsehäute, den Schauder und den sich zur Wahrheit manifestierenden Erkenntnisgewinn bei so einigen Leuten im Publikum sehen.

Das die Welt mit ihrem Geld erpresst wird und dieses Geld nicht nur als Tauschmittel, sondern auch als Massenvernichtungswaffe fungieren kann, ist längst keine Verschwörungstheorie mehr. Diese Wahrheiten, so deutlich ausgesprochen, hört man aber nur von Schramm, Priol & Co. und nicht aus dem millionenteuren Studio der heute Redaktion. Das erklärt im Übrigen auch die Reaktionen der Zuschauer.

Wer also wissen will, woher das mit Sicherheit kommende Desaster in der Weltökonomie kommen wird, der meldet sich bei Oberstleutnant Sanftleben, zur Einteilung für den Dienst an der Front im ersten Weltkrieg der Finanzen.

In diesem Sinne.

Weggetreten!

Die Sendung als Podcast.

Die Sendung in der Mediathek.

  1. man beachte bitte die Anführungszeichen

Thema: Georg Schramm & Co., Politik, Wirtschaft | Kommentare (4) | Autor: Olaf Sander

Liebe Kinder gebt fein acht, so wird der Strick an eurem Hals festgemacht

Donnerstag, 13. Mai 2010 16:27 | Autor: Olaf Sander

Machen wir uns nichts vor. Die Zukunft Europas sieht düster aus. Die eine Hälfte des Kontinents steht vor dem Abgrund, die andere Hälfte ist schon ein Schritt weiter und baumelt am dünnen Strick multimilliardenschwerer „Hilfspakete“. Also muss, das ist ganz logisch, gespart werden. Die Frage ist nur wo.

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch hat sich jetzt Gedanken dazu gemacht (oder es ist ein christlich-demokratischer Testballon um zu schauen, wie weit das Volk sich dengeln lässt) und ist zu einem zu ihm passenden Ergebnis gekommen: Kindergarten und Krippenplätze sind zu teuer, Investitionen in Forschung und Entwicklung auch.

Natürlich ist das alles, würde man ihn jetzt fragen, vollkommen alternativlos. Das aber nur, weil Koch entweder nicht über den Tellerrand hinaus schauen kann, oder nicht hinaus schauen will, was daran liegen könnte, dass er anderen Herren dient als denen, die ihn gewählt haben. Würde er das tun, dann hätte er gemerkt, dass sich z. B. die Polen still und leise zum Klassenprimus Europas entwickelt haben – nämlich mit Bildung, regionaler Entwicklung und der Förderung von Innovationen.

Oder die Schweden. In den 90ern wirtschaftlich am Boden liegend, weil, wie soll es anders sein, die Banker im Land durchgedreht sind, haben die Schweden gemeinsam angepackt und nicht nur den Konsens, sondern auch nach den besten Lösungen gesucht. Sie stehen heute besser da als je zuvor und sind das Beispiel schlechthin für einen funktionierenden, gerechten und transparenten Sozialstaat. Übrigens einer, in dem Kinder und deren Bildung als Schlüssel für den Weg in die Zukunft betrachtet werden und nicht nur als Kostenfaktor.

Solcherlei sinnvolle Strategien wie in Polen oder Schweden sind bei uns aber nicht drin. Wegen Politikern wie Koch. Skrupellosen und machtgeilen Leuten, die unseren Kindern die Zukuft unter den Füßen wegziehen, weil es sie – mit Verlaub – einen Scheißdreck interessiert.

Also liebe Kinder, gebt fein acht, so wird der Koch am Balken angebracht.

Thema: Kultur, Politik, Wirtschaft, Zukunftspläne | Kommentare (1) | Autor: Olaf Sander

Für die Zeit danach…

Freitag, 7. Mai 2010 0:48 | Autor: Olaf Sander

Da hat die frisch geschmiedete “Eiserne Lady” ja wieder mal eine Losung losgelassen. Wie Arno sagt, hat die Zeit gesagt, dass unser aller Kanzlerin Angela Merkel sagt:

“Das Primat der Politik gegenüber den Finanzmärkten muss wieder hergestellt werden”

Na das ist doch mal eine Idee. Zwar nicht konkret, aber immerhin. Für Angela Merkel ist das schon erstaunlich greifbar. Zu fürchten ist allerdings nur, dass das mit ihren Untergebenen – Entschuldigung – mit den Abgeordneten, nicht zu machen ist. Denn die sind nicht in die Politik gegangen, um die Welt zu verbessern. Höchstens, um sie zu erleichtern.

Dieter Althaus, CDU. Der unaufmerksame Skifahrer ist nach seinem Abflug als Ministerpräsident Thüringens als Manager bei Magna untergekommen.

Joschka Fischer, Bündnis 90/Die Grünen. Der Ex-Außenminister berät heute so nachhaltige Unternehmen wie Siemens, BMW und unter anderem auch RWE beim Bau der Nabucco-Pipeline (Erdgas-Pipeline von der Türkei nach Österreich).

Wolfgang Clement, SPD. Aufsichtsrat von RWE Power. Berät Adecco und das Medienhaus DuMont Schauberg. Geht mittags manchmal mit Joschka Fischer essen. Selbstverständlich ökologisch.

Friedrich Merz, CDU. Ist Mitglied in mehreren Aufsichtsräten, Partner einer großen Wirtschaftskanzlei und sitzt im Verwaltungsrat der Bank HSBC Trinkaus.

Rezzo Schlauch, Bündnis 90/Die Grünen. Herr Schlauch steht scheinbar auf selbigen. Wie sonst ist es zu erklären, dass er im Beirat des Energieunternehmens EnBW sitzt, welches mehrere Atomkraftwerke betreibt?

Marianne Tritz, Bündnis 90/Die Grünen. Frau Tritz fördert seit 2008 als Geschäftsführerin des Deutschen Zigarettenverbandes die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen in der Gesundheitsindustrie.

Matthias Wissmann, CDU. War mal Verkehrsminister und ist jetzt der Präsi beim Verband der Automobilindustrie (VDA). Folgt dem Motto: Freie Fahrt für freie Politiker!

Gerhard Schröder, SPD. Seit 2006 ist der Ex-Kanzler Aufsichtsratschef des Pipeline-Konsortiums NGEP, welches die Ostseepipeline betreiben soll. An diesem veritablen Unterfangen, nämlich im hochsensiblen Ökosystem Ostsee lustige Gasblasen zu blubbern, sind Gazprom, BASF und Eon beteiligt. BP macht gerade im Golf von Mexico vor wie das funktioniert. Nur nicht mit Gas, sondern mit Öl.

Btw. Schröder hat das Geschäft mit Gazprom kurz vor der Bundestagswahl 2005 eingefädelt. Zwischen der Schröderschen Wahlniederlage, aber noch vor dem Ende seiner Amtszeit, liegt die Übernahme einer staatliche Bürgschaft für einen Kredit bei der KfW und der Deutsche Bank AG in Höhe von 1 Mrd. Euro für Gazprom.

Quelle: Handelsblatt

Thema: Politik, Satire, Umwelt, Wirtschaft | Kommentare (3) | Autor: Olaf Sander

Das Bankentribunal – Ein Feuerwerk der Argumente

Samstag, 10. April 2010 14:32 | Autor: Olaf Sander

Das ist nach meinem Geschmack. Ein Argument jagt das andere. Sachlich und doch mit Leidenschaft. Ernsthaft, aber nicht ohne Humor. Das Bankentribunal in der Berliner Volksbühne seziert die Ursachen der Finanzkrise, legt die Fehler im wirtschaftlichen und politischen System offen, nennt die Profiteure und die, die die Zeche bezahlen.

Nach meinem Empfinden liegt die Anklage in Punkten weit vor der Verteidigung. Diese aber ist eindeutig besser, was den Unterhaltungsfaktor betrifft. Verteidiger Dr. Wolfgang Kaden hat zunächst erst einmal für Emotionen gesorgt, in dem er recht provokant, und auch überzeugend, für seine Mandantenschaft argumentierte. Allerdings beschränkten sich seine Ausführungen auf die schon oft gehörten Argumente von Bankern und Politikern und folgen genau den Dogmen, die von der Anklage als ursächlich für die Krise benannt werden.

Geht die Verhandlung/ Beweisaufnahme in diesem Tempo und der wunderbaren Sachlichkeit weiter, verspricht dieses Wochenende eines der medial spannendsten des Jahres 2010 zu werden. Auch wenn man den Vormittag verpasst haben sollte, so lohnt es sich dennoch jederzeit, sich einzuklinken und der Verhandlung zu folgen.

Hier gehts zur Verhandlung

Thema: Allgemein, Geschichte, Kultur, Medien, Politik, Umwelt, Wirtschaft | Kommentare (1) | Autor: Olaf Sander

+++ Nicht verpassen! +++ Bankentribunal – Liveübertragung! +++ drei Bundesregierungen, diverse Banker, Wirtschaftsprüfer, Ratingagenturen und Meinungsmacher sitzen auf der Anklagebank +++

Freitag, 9. April 2010 15:17 | Autor: Olaf Sander

Das Bankentribunal - weil die Krise System hatVom 9. bis 11. April 2010 wird Attac Deutschland in Zusammenarbeit mit der Berliner Volksbühne ein öffentliches Tribunal durchführen, das die Ursachen des Finanzcrashs, die Beugung der Demokratie durch fragwürdige Rettungsmaßnahmen und die fahrlässige Vorbereitung neuer Krisen öffentlichkeitswirksam beleuchten soll.

Es ist kein Theaterstück, sondern ein fairer zivilgesellschaftlicher Prozess. Den Angeklagten aus Politik und Wirtschaft wurden am 27. Februar 2010 die Vorladungen zugestellt. Sie bekommen renommierte Pflichtverteidiger zur Seite gestellt, die an ihrer statt sprechen werden, falls sie nicht erscheinen. Prominente Zeuginnen und Gutachter werden mit ihren Aussagen die Praktiken von Politik und Wirtschaft erhellen. In drei Beweisaufnahmen werden individuelle Schuld und systemische Krisen aufgerollt.

Angeklagt werden drei Bundesregierungen: (Kabinett Schröder, Merkel I und Merkel II), die ihnen unterstellten Finanzaufsichten sowie Banker und Banken (besonders die Deutsche Bank), Ratingagenturen und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften.

Mehr Informationen auf attac.de.

Beginn ist heute Abend per Live-Übertragung mit einer Eröffnungsrede von Albrecht Müller, einer Lesung der Volksbühne zum Thema Banken und Beiträgen der Kabarettisten Urban Priol und Georg Schramm.

Drei Beweisaufnahmen werden im Zentrum des Tribunals stehen. Jeder Beweisaufnahme wird ein Anklägerteam zugeordnet.

1. Vorbereitung der Krise und Aushöhlung der Demokratie

  • Förderung eines krisenverursachenden Systems durch eine Politik der Deregulierung, der Umverteilung von unten nach oben und der Privatisierung
  • Erpressung des Staates und der Gesellschaft („too-big-to-fail“-System)
  • Entmachtung des Bundestages (SoFFin-Gesetz) und organisierte Geheimhaltung und Täuschung von Bundestag und Öffentlichkeit
  • Bankenrettungen auf Kosten der Steuerzahler unter Schonung der Banken/Gläubiger

2. Zerstörung der ökonomischen Lebensgrundlagen in Nord und Süd

Anhörungen zu den Schattenseiten des gegenwärtigen Weltfinanzsystems und den Folgen der Krise

  • Verschuldung und Privatisierungsdruck
  • Gesundheit und Rente
  • Arbeit
  • Globaler Süden
  • Ökologie
  • Demokratie

3. Verschärfung der Krise

  • Kein Verbot risikoreicher Finanzpraktiken und Finanzinstitutionen
  • Banken und Großkonzerne gegen Regulierungen
  • Verschärfung der strukturellen Ursachen der Krise

Die Richter/innen:

  • Dr. Jürgen Borchert, Sozialrichter
  • Prof. Friedhelm Hengsbach, Wirtschaftsethiker
  • Danuta Sacher, Geschäftsführerin Terres des Hommes
  • Prof. Karl Georg Zinn, Wirtschaftswissenschaftler

Die Ankläger/innen:

  • Prof. Elmar Altvater, Politikwissenschaftler
  • Prof. Peter Grottian, Politikwissenschaftler
  • Dr. Detlef Hensche, Rechtsanwalt
  • Astrid Kraus, Unternehmensberaterin
  • Conrad Schuhler, Leiter des Instituts für Sozial-Ökologische Wirtschaftsforschung

Die Verteidiger/innen:

  • Dr. Wolfgang Kaden, Journalist (ehem. Chefredakteur Der Spiegel und Manager Magazin)
  • Peter Wahl, WEED
  • Prof. Henner Wolter, Rechtsanwalt

Zeugen und Sachverständige:

  • Sven Giegold, MdEP
  • Barbara Happe, urgewald
  • Sony Kapoor, Re-Define, Ex-Investmentbanker (angefragt)
  • Heidi Klein, Lobby Control
  • Sabine Leidig, MdB
  • Claus Matecki, DGB Vorstandsmitglied
  • Wangui Mbatia, Menschenrechtsaktivistin aus Kenia
  • Dr. Pedro Morazán, Südwind Institut
  • Dr. Gerhard Schick, MdB
  • Harald Schumann, Buchautor und Journalist
  • Dr. Axel Troost, MdB
  • Lucas Zeise, Buchautor und Journalist
  • u. a.

Nachtrag: Das Bild und ein großer Teil des Textes stammt direkt von Attac, ein kleinerer Teil von Mediafootprint von YouTube, dem ich sehr dankbar für diesen Hinweis bin.

Ich würde mich trotzdem freuen wenn ihr davon weitererzählt und euch Teile der Übertragung anschaut. Ich mache das auf jeden Fall.

Thema: Allgemein, Georg Schramm & Co., Kultur, Medien, Politik, Umwelt, Wirtschaft | Kommentare (1) | Autor: Olaf Sander

Mensch, sei doch radikal!

Dienstag, 30. März 2010 15:44 | Autor: Olaf Sander

Radikal ist ein böses Wort. Es passt nicht in unsere Zeit. Auch nicht in unsere Gesellschaft. Was radikal ist, wollen wir nicht. Wer radikal ist, macht sich unbeliebt. Radikalität macht uns Angst.

Aber warum?

Weil Radikal zwei Seiten hat. Eine gute und eine schlechte.

Radikal kommt vom lateinischen „Radix“ und bezeichnet den Ursprung, die Wurzel. Wenn jemand radikal ist, ist er entweder rücksichtslos, extremistisch, dogmatisch, gewalttätig und zerstörerisch, oder er ist grundlegend, kompromiss- und schonungslos, aufsässig und tiefgreifend.

Daraus ergeben sich drei mögliche Typen von Menschen:

1. schlechte Radikale
2. gute Radikale
3. Nichtradikale

Schlechte Radikale sind zum Beispiel Nazis, die Regierung Bush oder Putin.

Bei den guten Radikalen wird es schon schwieriger Beispiele zu finden. Martin Luther war auf jeden Fall ein guter Radikaler. Karl Marx auch. (Keiner wurde mehr missverstanden und fehlinterpretiert wie Karl Marx. Aber das ist ein anderes Thema.) Und in der heutigen Zeit dürften bei uns Wolf Lotter und Götz W. Werner zu denen zählen, die für eine gute Radikalität stehen.

Die schlechten Radikalen verraten sich dadurch, dass sie verklären, Angst machen und spalten, aber immer wissen was zu tun ist. Sie sind laut und ihre Handlungen leiten sich meistens von ihren Dogmen ab. Ihr Blick ist immer rückwärts gewandt und neue Probleme werden mit alten Methoden zu lösen versucht. Deshalb versprechen sie auch immer die „guten alten Zeiten“ zurück zu holen.
Schlechte Radikale zwingen die Meinungen der Anderen auf ihre Linie und diejenigen, die ihnen folgen, brauchen, sollen oder dürfen selbst nicht mehr denken. Sie geben ihre Verantwortung ab und werden zu Anhängern. Anhänger sind, das sagt schon das Wort, Leute die irgendwo dranhängen. Sie haben keinerlei Einfluss auf Richtung und Geschwindigkeit. Nicht einmal dann, wenn die Fahrt rasant an einer Wand zu enden droht.

Die guten Radikalen sind leise. Leider. Sie zeigen sich durch Aufklärung und weisen auf eventuelle Lösungen die Hoffnung machen, aber deren Ausgang ungewiss ist, weil es noch nie jemand probiert hat (siehe Bedingungsloses Grundeinkommen). Gute Radikale haben selten Patentrezepte. Aber sie begegnen der Zukunft ohne Denkschranken und Dogmen, gehen neue Wege und stellen das Alte in Frage.
Gute Radikale fordern immer die eigene Verantwortung und das selbständige Denken. Denken aber macht Arbeit und für sich selbst Verantwortung übernehmen auch. Vermutlich ist das der Grund, warum es die guten Radikalen so schwer haben, sich Gehör zu verschaffen.

Bleibt nur noch die dritte Gruppe derer, die nicht radikal sind. Diese Gruppe ist eine Masse aus furchtbar trägen und zähen Menschen, die sich in den Umständen eingerichtet haben, in denen sie leben. „Da kann man doch sowieso nichts machen“ und „Was geht’s mich an“ sind Sätze, mit denen diese Leute ihr Nicht-wissen-wollen entschuldigen.
Genau so wie der Bauer nicht isst was er nicht kennt, lehnt diese zahlenmäßig größte Gruppe Veränderungen ab, die ihren Alltag durcheinander bringen könnten. Das alte Bekannte, so schlecht und destruktiv es auch sein mag, ist ihnen lieber als das neue Unbekannte, selbst dann, wenn das neue Unbekannte offensichtliche Vorteile mit sich bringt. Sie bevorzugen die schlechten Verhältnisse, weil sie an sie gewöhnt sind. Dort kennen sie sich aus.

Und das ist gefährlich. Denn genau an dieser Stelle macht es die Masse den schlechten Radikalen einfach. Weil Nicht-wissen-wollen nicht unbedingt verhindert, dass Unzufriedenheit über die eigene Situation entsteht, schafft die Masse der Nichtradikalen Ansatzpunkte für die schlechten Radikalen. Die verstehen es, dort einzuhaken und die Masse an ihre Ziele anzuhängen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis so einer zum Führer von Anhängern wird, wie die Geschichte zeigt und der Erfolg des holländischen Rechtspopulisten Geert Wilders deutlich macht.

Das kann verhindert werden. Mit Aufklärung. Und zwar radikal.

Thema: Allgemein, Geschichte, Kultur, Politik, Umwelt, Wirtschaft | Kommentare (4) | Autor: Olaf Sander

Verkauf den Idioten doch einfach ein U

Donnerstag, 18. März 2010 14:33 | Autor: Olaf Sander

Nun ist raus, was eigentlich immer klar war. Das Verteidigungsministerium hat in der Kunduz-Affäre versucht alle an der Nase herumzuführen und die Wahrheit gezielt unter den Teppich zu kehren. “Alle” meint nicht nur uns, das Volk, denn das wäre ja nichts ungewöhnliches, sondern auch Nato-Ermittler und Justiz. Dafür gab es eigens eine “Gruppe 85″, die sich um die “kommunikative Strategie” gekümmert hat und alles in allem wirkt das Ganze auf mich wie die Story aus einem schlechten Ami-Film.

Btw. erst dieser Tage wurde gefeiert, dass Deutschland seine Rüstungsexporte seit 2005 verdoppelt hat.

Vielleicht sollten wir die kriegerischen Erfolgsmaßstäbe nicht mehr an so emotionalen Dingen wie Zivilisten- und Soldatenleben fest machen, sondern an der Anzahl der verschossenen Munition, den exportierten Panzern, Flugzeugen und anderen technischen Meisterleistungen aus dem Innovationsbereich der Verteidigungsindustrie.

Verteidigungsindustrie… Auch ein schönes Wort, finde ich.

Thema: Politik, Wirtschaft | Kommentare (0) | Autor: Olaf Sander

Die Leute wollen eine klare Sprache hören!

Mittwoch, 17. März 2010 18:53 | Autor: Olaf Sander

Es waren die letzten drei Minuten der gestrigen Kabarett-Sendung „Neues aus der Anstalt“ im ZDF, die aus einer großartigen Folge, dieser Superlativ muss jetzt sein, eine der großartigsten Folgen überhaupt machte.
Georg Schramm verschießt in diesen letzten drei Minuten ein wahres Feuerwerk an verbalen Raketen. „Die Leute wollen eine klare Sprache hören!“ erwidert er Urban Priol, der auf köstliche Art und Weise nicht versucht, ihn von seiner lautstarken Attacke abzuhalten.

Was Georg Schramm dort sagt, hat jeder einigermaßen informierte und klar denkende Mensch selbst schon einmal gedacht. Nur traut sich keiner so etwas zu sagen, weil es politisch nicht korrekt ist. Glücklicherweise ist das Georg Schramm aber egal.

Drei Minuten reichen ihm, um das Licht, in dem die Dinge und Figuren stehen, komplett zu ändern und die „Schönen“, „Reichen“ und „Erfolgreichen“ zu entlarven.

Seine politische Unkorrektheit sei hiermit wärmstens empfohlen.

Folge 33 in der ZDF-Mediathek

Podcast zum Download und zum immer wieder und wieder und wieder anschauen

Thema: Georg Schramm & Co., Kultur, Politik, Satire, Wirtschaft | Kommentare (4) | Autor: Olaf Sander

Vom Kellner zum Hoteldirektor – über ein Märchen, das gar keines ist

Freitag, 12. März 2010 11:48 | Autor: Olaf Sander

Der dänische Dichter und Schriftsteller Hans Christian Andersen ist für die Dänen das, was für uns Deutsche die Gebrüder Grimm sind. Seine bei uns bekanntesten Märchen sind z. B. „Die kleine Meerjungfrau“ („Den lille Havfrue“), „Das hässliche Entlein“ („Den grimme Ælling“) und „Die wilden Schwäne“ („De vilde Svaner“). Weniger bekannt aber dürfte das Märchen vom „Tölpel-Hans“ („Klods-Hans“) sein.

Der Tölpel-Hans ist einer von drei Brüdern, die allesamt auszogen um die Königstochter zu freien, die in einem Wettbewerb den Besten der Besten ermitteln will. Eine Prinzessin, das weiß jeder der Märchen mag, nimmt nunmal nicht irgendwen zum Manne.
Man erkennt sofort am Namen, dass der Underdog in dieser Geschichte der Tölpel-Hans ist. Ihm geht öfter mal so einiges schief und er ist alles andere als ein Gelehrter. Seine Brüder sind ihm gegenüber augenscheinlich im Vorteil, weil sie mit allerlei tollen und angelernten Fähigkeiten ausgestattet sind, um die Königstochter zu beeindrucken. Dem Tölpel-Hans fehlen natürlich solcherlei Qualifikationen, was ihn aber nicht daran hindert, dennoch sein Glück zu versuchen.

Der Rest ist kurz erzählt. Der Tölpel-Hans gewinnt den Wettbewerb, heiratet die Prinzessin und wird König. All die Fähigkeiten und Werkzeuge der Brüder haben nichts genützt, denn die beiden haben im entscheidenden Augenblick versagt und wussten nichts mit ihrem Wissen anzufangen. Was ihnen fehlte war diese Mischung aus Mut, Wille, Kreativität und Optimismus, also Eigenschaften, die, richtig eingesetzt, bei allen erwarteten und unerwarteten Ereignissen des Lebens weiterhelfen. Das war es, was dem Tölpel-Hans letztlich zum Erfolg verhalf. Seine „Strategie“ lässt sich vielleicht ganz gut mit dem Wort Lebensweisheit umschreiben.

Ich muss zugeben, dass ich dieses Märchen zunächst nicht begriffen habe, als es im Dänischunterricht behandelt wurde und wir einen Aufsatz darüber schreiben sollten. Ich habe den Erfolg vom Tölpel-Hans als reines Glück interpretiert – und somit nicht verstanden, wie mir die beste Ehefrau von allen, nämlich meine, dann auch gleich eindrucksvoll erklärte. “Wenn man nicht versteht”, sagt sie, “dann muss man seine Nase so lange in das Thema stecken, bis man es verstanden hat.” Recht hat sie.
Das mir dann aber ausgerechnet ein Unternehmen beim Verstehen der Weisheit aus dem Märchen vom Tölpel-Hans half, ist die eigentliche Geschichte, die ich euch erzählen will.

Googles Wege sind unergründlich

Alles begann mit einer Suchanfrage bei Google um herauszufinden, was andere über das Märchen denken und zu welchen Konklusionen sie kamen. Dabei spuckte die Suchmaschine einen Satz aus, der nach einer Stellenanzeige aussah, mir dennoch etwas seltsam erschien.

„Vi ansætter med andre ord gerne folk med en lidt ”skæv” baggrund. Du må gerne være en moderne Klods Hans, der vil have ”prinsessen, …”

(„Mit anderen Worten stellen wir gerne Leute mit einem „schiefen“ Lebenslauf ein. Du kannst gerne ein moderner Tölpel-Hans sein, der die Prinzessin haben will, …“)

Starker Tobak für mich als Deutscher. Völlig klar, dass ich auf diesen Link geklickt habe, denn wenn einer einen schiefen Lebenslauf hat, dann ich.

Dort auf der Seite verkündet Preben Nesager, Konzernchef der dänischen Hotelkette Comwell, stolz (in dänischer Sprache), dass bei ihnen im Konzern alle entweder König oder gar nichts sind. Für eine Hotelkette ist das zunächst sicher keine ungewöhnliche Einstellung, aber wenn man weiter liest wird schnell deutlich, dass damit nicht nur die Gäste der Hotels gemeint sind, sondern – und zwar ausdrücklich – auch die Mitarbeiter.

Märchenhafte Verhältnisse

Was der Konzernchef da schreibt klingt wirklich wie ein Märchen. Denn für ihn „ist Comwell ein Gewächshaus, wo Samen gesät, gewässert und gepflegt werden, damit sie sich zu individuellen Kronjuwelen einer kollektiven Sammlung entwickeln können.“

Er erzählt wie ein Koch der die Schauspielerei liebte, aber des Kochens überdrüssig war, zeigen durfte, was er außer dem Kochen künstlerisch noch so alles kann. Seine Kunstfertigkeit hat den Konzerndirektor überzeugt. Der Koch wurde, es passte wohl auch vom Timing ganz gut, Chef eines Theaters, welches Comwell gerade in Eigenregie aufbaute. Das Resultat ist, dass der Künstler heute wieder kreativ kocht – landesweit im Fernsehen.

Eine Mitarbeiterin beschreibt ihren Werdegang von der Kellnerin hin zur Konferenzchefin eines der angesehensten Konferenzhotels Dänemarks. Sie erzählt von ihrem Arbeitsalltag, von der Verantwortung, die sie hat und von den tausend kleinen Dingen, die so ein Vollblutorganisator immer im Hinterkopf haben muss, damit die Gäste bekommen was sie wollen und sich obendrein auch noch wohl fühlen.
Eine andere Angestellte, sie ist Marketingkoordinatorin im Konzern, hat ihre Karriere als Bürobotin begonnen und berichtet jetzt stolz von ihrem Werdegang innerhalb der Hotelkette.
Generell scheint es bei Comwell Usus zu sein, dass an vielen wichtigen Stellen im Unternehmen Leute sitzen, die ihr Handwerk von der Pike auf gelernt haben.

Wer will der kann

Der Mitarbeiter wächst mit seinen Aufgaben, nach seinen Fähigkeiten und – ganz wichtig – nach seinen Wünschen. Damit er diese auch äußern kann, gibt es nicht nur laufend Gespräche von den Mitarbeitern mit ihren unmittelbaren Vorgesetzten, sondern mindestens einmal im Jahr ein Gespräch um genau herauszufinden, ob irgendwo der Schuh drückt, Unzufriedenheit herrscht oder einfach eine Qualifikation fehlt, die das persönliche Portfolio erweitern könnte.
Möglich macht das das Comwell College, welches Kurse für alle möglichen und im Hotelgewerbe wichtigen Qualifikationen für die eigenen Mitarbeiter bereit hält. Was der Konzernchef Preben Nesager über Gewächshäuser und Kronjuwelen erzählt ist keine bloße Phrase und Makulatur fürs Unternehmens-Image. Es ist ihm, so mein Eindruck, eine Herzensangelegenheit.

Damit kein falscher Eindruck entsteht, Comwell ist kein Tollhaus. Das ist ein hochprofessioneller Laden. Die beiden besten Konferenzköche Dänemarks, gerade erst im Februar dieses Jahres mit Gold und Silber prämiert, arbeiten für die Hotelkette. Die Sterne der Häuser reichen von drei bis fünf und die Hotelkette ist führend im Bereich der Konferenzhotels und bei den Gesundheits- und Wellnessangeboten (Spa).
Mag sein, dass die Melodie bei Comwell deshalb eine andere ist, weil sich hier skandinavische Lebensart mit gelebter Professionalität vermischt. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass das Wort, wie die Firma auf ihrer Homepage schreibt, gut ist, die Handlung aber besser.

Der Mensch im Zentrum ist eine skandinavische Tugend

Kommunikation basiert, typisch für Skandinavien, auf Augenhöhe. Als Kunde kann es einem gut passieren, dass man in einer Firma mit dem Chef spricht, ohne es überhaupt zu merken, weil er weder vom Verhalten, noch vom Äußeren her von seinen normalen Angestellten zu unterscheiden ist. Comwell treibt diese überaus vernünftige und angenehme Arbeits- und Lebensart auf die Spitze. Und das hat Konsequenzen.
Die Vorgesetzten im Unternehmen vermitteln nicht den Eindruck, ihren Angestellten vor-zu-sitzen. Vielmehr scheinen sie sich selbst als Dienstleister ihrer Mitarbeiter zu betrachten, damit die Mitarbeiter Dienstleister für die Gäste sein können.
Die Logik dahinter ist denkbar einfach: geht es den Angestellten gut, fühlen die sich wohl und am für sie richtigen Platz, dann hat das unmittelbare Auswirkungen auf ihre Arbeit und sichert langfristig den Erfolg des Unternehmens.

Womit wir bei den Gästen wären und sich der Kreis für den Organismus Hotel schließt. Die Gäste sollen sich nicht nur wohl fühlen und wiederkommen, sie sollen auch ganz offen ihre Meinung sagen – und zwar im Internet.
Das Unternehmen macht sich, auch ganz offen, Gedanken darüber, wie die Unternehmenskommunikation verbessert werden kann. Web 2.0 ist kein Angst- und Crowdsourcing kein Fremdwort. Im firmeneigenen Blog fordert Comwell seine Gäste auf, sich gerne in die Debatten einzuklinken und mitzureden, ohne sich auf den staatlichen, für jeden zugänglichen und leicht verständlichen, Kontrollrapporten auszuruhen. So etwas macht ein Unternehmen nur dann, wenn es weiß, dass es kaum Kritik zu befürchten hat, weil es selbst Maßstäbe setzt. Das Fazit, welches Comwell zieht, ist, dass diese Art zu Arbeiten am Ende die beste Dividente abwirft. Und das sehen auch die Gäste so:

„Stemningen og atmosfæren er bedre end andre steder.
Ét er, at der er styr på tingene, men man mærker fra det øjeblik man træder ind ad døren, at her er nogle medarbejdere, som er stolte af deres arbejdsplads, og som nyder at drage omsorg for ens ve og vel.
Man bliver mødt med åbent blik og varme smil fra alle – også fra de damer, der står for rengøringen, som ellers ofte andre steder forsøger at gøre sig usynlige.
Man bemærker, at det samme personale er her i årevis.“

(„Die Stimmung und die Atmosphäre ist besser als anderswo.
Eines ist, dass die Dinge unter Kontrolle sind, aber man merkt in dem Augenblick, in dem man zur Tür hereintritt, dass die Mitarbeiter stolz auf ihren Arbeitsplatz sind und sich gerne um unser Wohl kümmern.
Man bekommt von allen einen offenen Blick und ein warmes Lächeln – auch von den Damen, die das Hotel reinigen, die an anderen Stellen aber immer versuchen unsichtbar zu sein.
Man merkt, dass das gesamte Personal jahrelang im Hotel arbeitet.“)

Mal ganz ehrlich, so unter uns Deutschen…

Möchte man da nicht auch gerne ein Tölpel-Hans sein und in so einem Unternehmen arbeiten?

Thema: Allgemein, Kultur, Wirtschaft | Kommentare (0) | Autor: Olaf Sander

Arm dran mit der Mogelpackung à la Rüttgers

Dienstag, 23. Februar 2010 16:14 | Autor: Olaf Sander

Arno Schwatzer stellt in seinem Blog fest, dass er einen Discount-Politiker wie den Rüttgers nicht wählen würde. Ich gebe Arno in diesem Punkt Recht. Allerdings ist eine Wahl nur ein Mittel zur Möglichkeit und ich habe mir deshalb die Frage gestellt, ob ich den Rüttgers gefreit, ähm, bezahlt hätte, hätte ich ein Unternehmen und wäre mir ein solches Angebot gemacht worden. Vermutlich hätte ich es abgelehnt. Und zwar dankend.

Wenn ich ein Unternehmer wäre, dann hätte ich einen hohen Anspruch an die Qualität meiner Produkte und Dienstleistungen – oder was auch immer ich für Geld anbieten würde. Ich würde versuchen, so weit es möglich wäre, transparent für meine Kunden, Geschäftspartner und Geldgeber zu sein. Service wäre für mich genauso wenig ein Kostenfaktor wie eventuelles Personal, sondern wesentliche Bestandteile der Unternehmung.
Vermutlich würde ich meinen Kunden und Mitarbeitern die Möglichkeit geben, sich an meinem Unternehmen zu beteiligen. Fairness, Offenheit und die Einsicht, dass die Dinge ihren Preis haben und dieser bezahlt werden muss, aber auch, dass Preise einem Wert entsprechen müssen, der die Qualität des Produktes spiegelt und der nicht auf dem Mond angesiedelt ist, nur weil es genügend Dumme gibt die dafür bezahlen, gehörten zur Philosophie dieses Unternehmens. Geld verdienen ja, aber nicht um jeden Preis.

Auch würde ich aufpassen, dass der Strom, den dieses Unternehmen brauchte, grün ist, dass der Müll getrennt würde und wenn es etwas zu recyclen gäbe, es auch recycelt würde. Ich würde grundsätzlich jedes Geschäft ablehnen, was die Umwelt schädigt, Menschen ausbeutet oder gar töten würde. Ich würde aufpassen, dass es immer ein Gleichgewicht der Geschlechter gäbe und keine finanziellen, rassistischen, religiöse oder einem Standesdünkel geschuldete Unterschiede.

Kurz gesagt wäre für mein Unternehmen einer wie Rüttgers sogar geschenkt noch viel zu teuer. Eher produzierte ich für 20.000 Euro Flyer, auf denen über das Bedingungslose Grundeinkommen aufgeklärt würde. Oder ich gäbe es aus, um Kindern aus dem Ort Nachhilfe zu finanzieren, damit sie in diesem katastrophalen Schulsystem wenigstens etwas Unterstützung erführen.
Und selbst wenn ich gar nicht wüsste wohin damit, aber bevor ich das Geld diesem Kerl und seiner christlichen Partei in den Rachen steckte, würde ich mir mit den Scheinen eine Zigarre anstecken oder sie im Sinn des Wortes aus dem Fenster werfen. So könnte ich wenigstens noch einen auf dicke Hose machen oder meinen Nachbarn eine Freude.

Unternehmen die so handeln, wie ich es für mein Wunschunternehmen formuliert habe, sind keine Utopie. Die meisten davon findet man im Mittelstand, aber es gibt auch große, weltweit operierende Unternehmen, wie bspw. die Robert Bosch GmbH oder das amerikanische Unternehmen PSI, welche ähnlichen Werten folgen.
Für mich ist es kaum vorstellbar, dass Unternehmen die in diese Richtung denken und handeln, Geld für dieses moralisch mehr als fragwürdige Angebot zur politischen Prostitution ausgeben würden.

Allerdings scheint es ja einen Markt für so etwas zu geben, was man an den Summen erkennen kann, die für diese „Dienstleistung“ genommen wurden, genommen werden oder auch genommen werden würden (Stichwort „Mondpreis“). Umgekehrt muss die Frage gestellt werden, was das für Unternehmen sind, die bereit sind fünfstellige Summen auf den Tisch zu blättern, um mit so einem wie Rüttgers angeben zu können?

Vielleicht ist es doch so, dass jeden Tag ein Dummer aufsteht und man ihn nur finden muss. Rüttgers Angebot bedient genau die Leute, die meinen etwas von dem Sternenstaub der hohen Politik für sich verwenden und verwerten zu können. So ein Foto mit dem Ministerpräsidenten macht schon was her, schafft Vertrauen und wirkt so, als gehöre man einem besonderen Kreis an.
Klar ist, dass es für ein Unternehmen unter Umständen wichtig und von Vorteil ist, wenn Kontakte zur Politik bestehen. Aber die sind dann landläufig anderer Natur, als ein oder zwei gekaufte Stunden und nur, um den Akt in der Öffentlichkeit zu vollziehen. Die richtigen Kontakte spielen mit dem Ministerpräsidenten Squash oder sagen ihm, welche Politik für sie die beste ist. Diejenigen, die in Wirklichkeit dem Rüttgers ins Ohr flüstern, haben es nicht nötig, ihn für sich zu kaufen, denn sie schreiben die Gesetze (mit). Ihr Einfluss hat schon längst Gewicht, das brauchen sie sich nicht mehr zu erkaufen. Alle anderen haben kaum eine Chance, es sei denn, sie lassen etwas mehr als lumpige 20.000 springen.

Es ist dieser modern gewordene gesellschaftliche Wahn jedem zu folgen, der in irgendeiner Form nach Star aussieht. Das ist Götzenverehrung mit ökonomischem Vorteil für die Götzen.

Man muss schon arm dran sein, wenn man dafür so viel Geld bezahlt.

Thema: Kultur, Medien, Politik, Wirtschaft | Kommentare (0) | Autor: Olaf Sander

Die Welt (der Flüchtlinge) in Zahlen

Mittwoch, 10. Februar 2010 21:55 | Autor: Olaf Sander

Bitte beachtet die Hinweise am Ende der “Welt in Zahlen”1.


  • Zahl der Boat-People, die im Jahr 2007 nach Schätzungen der UNHCR an den Küsten Europas anlandeten [3]: 43.000
  • Zahl der Boat-People, die im Jahr 2008 nach Schätzungen der UNHCR an den Küsten Europas anlandeten [3]: 67.000
  • Zahl der Boat-People, die im Jahr 2008 allein in Italien und auf Malta anlandeten [3]: 38.000
  • Zahl der Boat-People, die im Jahr 2008 im bitterarmen Jemen anlandeten [3]: 51.091
  • Zahl der Boat-People, die in den ersten drei Monaten des Jahres 2009 im bitterarmen Jemen anlandeten (ca.) [3]: 20.000
  • Zahl der Boat-People, die sich im Jahr 2008 nach Statistiken der EU per Seeweg von Afrika nach Europa aufmachten [2]: 80.000


  • Zahl der Migranten, die die europäische Grenzschutzagentur Frontex im Jahr 2008 nach eigenen Angaben bei ihren „Hera-Operationen“ nicht zu den Kanarischen Inseln durchgelassen und zurückgeschickt haben [4]: 5.969
  • Zahl der Grenzübertritte nach dem „Frontex General Report 2008“ (nicht endgültig verifiziert, aber im Report genannt) [4]: 175.000
  • Zahl der Grenzübertritte an der griechisch-albanischen Grenzen nach dem „Frontex General Report 2008“ (nicht endgültig verifiziert, aber im Report genannt) (ca.) [4]: 40.000


  • Mindestzahl der Flüchtlinge, die lt. verschiedener Pressemitteilungen seit 1988 entlang der europäischen Grenzen starben [1]: 14.714
  • Vermutliche Zahl von somalischen Flüchtlingen, die bisher im Golf von Aden umgekommen sind (ca.) [4]: 2.000


  • Zahl der Menschen, die im subsaharischen Afrika als Migranten gelten in Mio. [4]: 17
  • Zahl der „Illegalen“ in Südafrika nach Schätzungen des südafrikanischen Innenministerium in Mio. [4]: 7
  • Davon allein Flüchtlinge aus Simbabwe nach Schätzungen des südafrikanischen Innenministerium in Mio. [4]: 3
  • Zahl der Menschen allein in Westafrika, die nicht in Ländern leben, in denen sie geboren sind in Mio. [4]: 7,5
  • Zahl der Asylsuchenden, die zumindest den UN-Flüchtlingsstatus erhalten (auch wenn ihnen das kaum nützt, weil die Mehrheit wieder zurück (irgendwohin) geschickt werden) in Prozent [4]: 60
  • Zahl der Menschen, die im Jahr 2009 in den EU-Ländern Asyl beantragten [5]: 250.000
  • Zahl der Asylsuchenden in den EU-Ländern, denen auch Asyl gewährt worden ist: Unbekannt


  • Dauer des Gefängnisaufenthaltes aller ankommenden Flüchtlinge auf Malta, ohne Rücksicht auf Person, Herkunft oder Traumata in Monaten [4]: 18
  • Strafe für zwei tunesische Kapitäne, die am 08. August 2007 im Mittelmeer 44 Flüchtlinge aus Seenot retteten in Monaten [7]: 30


  • Höhe des UN-Millenniumsziels in Euro zur Halbierung der Armut in den Entwicklungsländern in Mrd. [9]: 32
  • Höhe der Entwicklungshilfe im letzten Jahr in Euro der großen Industriestaaten in Mrd.[9]: 72
  • Afrikas Schulden in Euro in Mrd. [9]: 98
  • Höhe der weltweiten Überweisungen in Dollar von Migranten in ihre Heimatländer in Mrd. [4]: 337


  • Höhe der (europäischen?) Zuwendungen in Dollar für die Verbesserungen des Grenzschutzes „in den nächsten Jahren“ an Libyen in Mrd. [8]: 25
  • Kosten in Euro für den Ausbau des Grenzschutzes in Europa, welche von den Staats- und Regierungschefs auf dem EU-Gipfel in Thessaloniki im Juni 2003 beschlossen wurden in Mio. [6]: 400
  • Kosten in Euro für das mit EU-Geldern finanzierte System „Sive“ (Integrated External Vigilance System), welches hochauflösende Infrarotkameras, Radarsysteme, Patrouillenboote und Helikopter beinhaltet, um Flüchtlinge in der Meerenge von Gibraltar aufzuspüren in Mio. [6]: 140
  • Entfernung von Europa und Afrika an der Meerenge von Gibraltar in Km. [6]: 14


Achtung!

Die hier dargestellten Zahlen sind nicht verifiziert und sollten auf keinen Fall als gesichert betrachtet werden. Es handelt sich lediglich um Zahlen, die von verschiedene Organisationen, Institutionen und Journalisten verwendet wurden. Sie sollen in der Hauptsache dazu dienen, ein Gefühl für die Größe des Problems zu bekommen. Es gibt keine offizielle Statistik über die realistischen Zahlen. Geht bitte davon aus, dass die Dunkelziffern sehr viel höher sind.


[1] Blog fortresseurope: “Festung Europa”
[2] Zeit Online: “Die Menschenfänger”
[3] PDF: Statistik: “Tote an EU-Grenzen 2009″
[4] TAZ: “Mythen der Migration” (Aus Le Monde diplomatique)
[5] BR-Online: “Wie wir versuchen, Immigranten fernzuhalten”
[6] Deutsche Welle Nord: “Unsichtbare Mauern der Festung Europa”
[7] Flüchtlingsrat BW: Punkt 7: “Italienisches Gericht auf Sizilien verhängt 2,5 Jahre Haft für Menschenretter”, Artikel von Judith Gleitze, borderline-europe
[8] Südwest Presse: “Weniger Flüchtlinge ertrinken, dafür verdursten mehr in der Wüste”
[9] Zeit Online: Grafik: “Seid verschlungen, Milliarden!”

  1. “Die Welt in Zahlen” ist eine Idee der brand eins, welcher ich mich frecherweise bediene, weil sie so gut ist und ich die brand eins, als erste und einzige Zeitschrift überhaupt, abonniert habe.

Thema: Kultur, Politik, Wirtschaft | Kommentare (0) | Autor: Olaf Sander

Hütet euch vor Daniel Pipes! (es sein denn, ihr wollt den totalen Krieg)

Freitag, 5. Februar 2010 23:30 | Autor: Olaf Sander

Daniel wer? Muss man den kennen?

Eigentlich nicht, aber besser wäre es schon. Denn er gehört nach eigenen Angaben zu den “Who’s Who in the World”, hat das Middle East Forum gegründet, in Harvard Geisteswissenschaften studiert, am US Naval War College gelehrt, hat im US Außen- und Verteidigungsministerium gearbeitet, ist dort Mitglied der “Special Task Force on Terrorism and Technology”, einer besonderen Arbeitsgruppe zu Terrorismus und Technologie und er schreibt in Springers “Welt”.

In einem Artikel auf “Welt-Online” legt er seine Sicht auf die Welt dar. Und die ist schlicht gesagt eine Mischung aus konservativem Neoliberalismus und Goebbelscher Propaganda.
Ganz offen fordert Pipes Präsident Obama auf, doch endlich mal den Iran zu bombardieren, weil, wir wissen bereits am Stichwort um was geht, die Atompolitik der iranischen Regierung alles andere als duchsichtig ist. Aber nicht nur die Atombombe als solche schwebt als Damoklesschwert über dem Weltfrieden, sondern auch – und das höre bzw. lese ich heute zum ersten Mal – elektromagnetische Impulse, mit denen die wild gewordenen Iraner die USA bombardieren (?) und zerstören könnten.

Gerade jetzt, ich wollte auf der Homepage der Welt den Artikel noch einmal nachlesen damit ich keinen Unsinn schreibe, ist der Artikel nicht mehr auffindbar.

Natürlich ist einer wie Pipes, der so eine wichtige Botschaft für die Deutschen hat, nicht darauf angewiesen, dass ein Verlag seine Artikel online hält, nicht mal dann, wenn der Verlag “Springer” heißt und möglicherweise selbst denen so viel geballte Demagogie nicht geheuer ist oder unpassend erscheint.
Deshalb schreibt Pipes es auch noch einmal in seinem Blog, was uns die Möglichkeit gibt, seinen in Schleifchen verpackten Hass auf die Muslime dieser Welt zu bewundern. Oder uns angewidert abzuwenden.

Seine These ist kurz erzählt. Die Iraner wollen die Weltherrschaft und Obama kann nur dann ein angesehender und erfolgreicher amerikanischer Präsident werden, wenn er die Atomanlagen im Iran bombardiert.

Mal abgesehen davon, dass die Amerikaner ohnehin schon fast an ihren vielen außenpolitischen Verpflichtungen zu ersticken drohen, es innenpolitisch auch nicht viel besser aussieht und ein Krieg gegen den Iran schon allein deshalb Wahnsinn wäre – aber warum diese Propaganda? Und warum gerade jetzt?

Der Iran hat signalisiert im Atomstreit einzulenken und die Forderungen des Westens zu erfüllen. Das könnte, wie so oft, Taktik der iranischen Machthaber um Mahmud Ahmadinedschad sein. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass der Iran wirklich einlenkt, einfach deshalb, weil es eben gar nicht so einfach ist eine Atombombe zu bauen und eine Rakete, die dieses massenmordende Paket zum Ziel transportiert.
Die überraschende Teilnahme des iranischen Außenministers Manutschehr Mottaki an der Münchner Sicherheitskonferenz, lässt laut tagesschau.de jedenfalls hoffen, dass es so ist.

Wenn Pipes betont, dass es in seinem “Strategievorschlag” an Obama nicht darum ginge eine Regimewechsel durchzuführen, sondern “nur” die Atomanlagen zu bombardieren, dann gibt es zwei Möglichkeiten: entweder er will Krieg und ruft die Geister herbei oder er ist unendlich naiv, dumm und deshalb seinen Harvardabschluss nicht wert.
Denn Fakt ist, dass es sich der Iran sicher nicht gefallen lassen wird, wenn die USA – und mit ihr vermutlich auch die NATO – deren Atomanlagen bombardieren. Da spielt es den Amerikanern auch nicht in die Hände, dass das iranische Volk die eigenen Teufel Mahmud Ahmadinedschad und Ali Chamene’i (Chamene’i ist der der politische und religiöse Führer, Ahmadinedschad der Präsident) aus den Tempeln jagen wollen und deshalb schon seit längerem Aufstände proben. Greift die USA den Iran an werden die Iraner den Iran verteidigen, egal, was für ein Vollidiot das Land gerade regiert. Man muss nicht Islamwissenschaften oder den Nahen Osten studiert haben, um das zu verstehen.

Daniel Pipes ist ein Hetzer, ein Spalter, ein Demagoge par excellence. Man darf ihm nicht zuhören. Was aber wirklich nachdenklich stimmen sollte ist, dass er auch in Deutschland hetzt. Wir sind nämlich in der NATO.

Update: Der Bildblog nimmt sich auch des Themas an. Erst über Pipes selbst und dann noch über die BILD und ihre “saubere Recherche:

Artikel über Pipes: Ein schlechter Clausewitz
Artikel über Bild: Die Irreführung von Teheran

Thema: Allgemein, Medien, Politik, Wirtschaft | Kommentare (1) | Autor: Olaf Sander