Beitrags-Archiv für die Kategory 'Allgemein'

Schade …

Mittwoch, 30. Juni 2010 21:26 | Autor: Olaf Sander

… da ist ein wirklich guter Bundespräsident an den Deutschen vorbei gegangen. Christian Wulff ist nach dem dritten Wahlgang neuer Bundespräsident, Joachim Gauck hat allen Respekt verdient.

Die Linken könnte ich einfach nur noch ohrfeigen. Die sind auch mehr als zwanzig Jahre nach dem Mauerfall noch immer nicht in der Realität und im geeinten Deutschland angekommen.

Und das ist wirklich schade.

Thema: Allgemein | Kommentare (1) | Autor: Olaf Sander

Keine Wal vor dem bösen Erwachen?

Dienstag, 22. Juni 2010 20:04 | Autor: Olaf Sander

Wir Menschen sind schon eine komische Spezies. Wir zerstören oftmals das, was wir lieben und brauchen. Viel zu häufig tun wir das völlig sinnfrei. Es hat nämlich keinen Sinn, die Welt nach Diamanten umzugraben, nur weil irgendwann einmal irgendwer gemeint hat, es gäbe nichts wertvolleres, als Diamanten.

Genauso wenig ist es sinnvoll Öl aus der Tiefsee zu holen, obwohl wir von der Tiefsee weniger wissen, als vom All und alle Energie die wir benötigen aus dem All kommt und wir sogar so clever sind, sie einzufangen und zu nutzen.

Am allerwenigsten aber ist es sinnvoll, Wale zu töten um sie zu essen, oder wie die Japaner es nennen, wissenschaftlich zu untersuchen. Sicherlich muss man bei Völkern eine Ausnahme machen die sich aus gutem Grund von Walen ernähren, aber auch nicht mehr jagen, als sie brauchen, wie die Innuit z. B.

Andererseits fliegen wir bis zum Mond, also nicht alle, aber ein paar von uns, weshalb es sicherlich auch noch andere Möglichkeiten gäbe, diese Völker mit den für sie nötigen Nährstoffen zu versorgen. Aber sei´s drum. Weder Island noch Norwegen und schon gar nicht Japan müssen Wale fangen. Es gibt einfach keinen Grund dafür, Traditionen hin, Traditionen her.

Dieser Tage tagt in Marokko die Internationale Walfangkommission (IWC) und es bestehen gute Chancen, dass das seit 1986 bestehende Verbot des kommerziellen Walfangs fallen könnte. Passiert das, erleben wir vor dem bösen Erwachen nochmal eine große Fettlebe, einen gierigen Tausch von Leben in Geld. Und all das nur, weil Traditionen angeführt werden, um einem “Genuss” frönen zu können. Mir sind die Wale wichtiger, als – ich bitte um Entschuldigung für die Wortwahl – beschissene Traditionen, die die Welt nicht besser, sondern nur schlechter machen.

Einer, der sich seit längerem für den Schutz der Wale einsetzt und die Welt besser macht, ist Mario Adorf. Er hat einen Spot gedreht, in dem er, der wunderbare Vorleser, die Geschichte von Jenny erzählt. Ihr solltet sie Euch anhören.

English version

Ich bin davon überzeugt, dass die Wale fangenden Länder vielstimmig hören müssen, wie sehr wir, und vor allem die Wale, auf deren dümmliche Traditionen verzichten können. Eine der Organisationen die diese Stimmen bündeln ist Avaaz.org.
Avaaz hat mir heute Mittag geschrieben, dass nur noch 72 Stunden Zeit bleiben, bis die Entscheidung fällt. Da hatten schon 800.000 unterschrieben. Das Ziel war 1 Millionen. Jetzt sind es schon über 1.040.000.

Das heißt aber nicht, dass damit alles gut ist, denn jede Stimme zählt und weit übertroffene Zielsetzungen machen glücklich. Also, macht Euch und die Wale glücklich und unterschreibt.

Vielen Dank dafür.

Thema: Allgemein, Politik, Umwelt, Wirtschaft | Kommentare (2) | Autor: Olaf Sander

Für den kleinen Rassismus zwischendurch

Freitag, 18. Juni 2010 0:23 | Autor: Olaf Sander

Neulich begegnete mir eine deutsche Familie die Urlaub in Dänemark machte. Sie hatten einen Hund dabei und weil ich mit ziemlicher Sicherheit in einem meiner früheren Leben ein Hund gewesen sein muss, hatten wir gleich einen guten Draht zueinander. Also der Hund und ich.

Dieser Hund war ein besonders schmuckes Tier. Er war muskulös, vielleicht 60 bis 70 cm groß, mit wachem, neugierigen Blick und sein Gesicht war freundlich, während die Rute wedelte. Das rotbraune kurze Fell glänzte in der Sonne und wir zwei konnten gar nicht anders, als uns als Brüder im Herzen zu begrüßen.

Allerdings hatte sein Fell eine Besonderheit die ich so noch nicht kannte. Ein etwa zwei bis drei Finger breiter Streifen des Fells auf dem Rücken des Hundes wuchs gegen den Strich. Diese Hunderasse hatte ich noch nie gesehen. Klar, dass ich den Besitzer fragte, was das für ein Hund ist.

Leicht zu mir herunter gebeugt, ich war ja auf Augenhöhe mit dem Hund und nicht mit ihm, hielt er sich seine Hand vor den Mund und sagte mit gedämpfter Stimme, so das nur der Hund und ich es verstehen konnten;

„Das ist unser Neger…“

Dabei grinste er mich an, als sähe er in mir einen Verbündeten im Kampf für die Aufrechterhaltung der Sklaverei. In Wirklichkeit habe ich überhaupt nicht begriffen, was dieser Hund mit menschlicher Hautfarbe zu tun haben soll. Das einzige was mich einen kurzen Augenblick lang verstörte war die Tatsache, das dieser eigentlich sehr gepflegt aussehende Mann, mir als wildfremder Person, diesen diskriminierenden Stereotyp auftischte.

Dieser kleine Augenblick der Verwirrung muss sich in meiner Mimik wiedergefunden haben, was, so viel emotionale Intelligenz scheint dann wohl doch beim Besitzer des Hundes vorhanden gewesen zu sein, das Herrchen ganz richtig als die mit Gesichtszügen ausgedrückte Frage „Wie jetzt… …Neger?“ interpretierte.

„Das ist ein Rhodesian Ridgeback. Der kommt aus Afrika.“

Was sollte ich, nachdem mir dieser Mann mit nur einem Satz seine Weltanschauung offenlegte, denn da noch antworten? Eigentlich tat mir nur noch der Hund leid. Und die Kinder des Hundebesitzers. Und vielleicht auch seine Frau.

Mit so einem Rassisten reden wollte ich jedenfalls nicht, auch wenn ich wirklich gerne mehr über den Hund und seine Rasse erfahren hätte. Vermutlich hätte der Mann aber gar nicht so viel zu erzählen gewusst, außer „Der kommt aus Afrika.“.

In diesen Gedankengang hinein schleckte mir der Hund mit seiner Zunge einmal komplett über die rechte Seite meines Gesichts. Ich fühlte Ekel.
Aber nicht wegen des leckenden Hundes oder der Nässe, die sein Speichel unweigerlich hinterließ. Das war nur Ausdruck seiner Zuneigung und außerdem kann ich mich dagegen wehren und mich waschen.

Den eigentlichen Ekel fühlte ich gegenüber diesem Menschen, der einer von den Vielen ist die tagtäglich mit ihrer kleinen Portion Rassismus dafür sorgen, dass die Welt ist, wie sie ist.

Ich habe dann dem Hund einen schönen Tag gewünscht und bin gegangen.

Thema: Allgemein, Kultur | Kommentare (5) | Autor: Olaf Sander

Husch husch, in die Blogroll

Samstag, 29. Mai 2010 20:19 | Autor: Olaf Sander

Damit anderer Leute Blogs in meine Blogroll kommen, müssen sie sich bei mir erstmal einen Ruf verdienen. Und zwar einen guten. Das heißt, sie müssen mich immer wieder auf ihre Seite ziehen, was aber gar nicht so einfach ist, denn ich habe Ansprüche.

Gelungen ist das in letzter Zeit:

Arnos Schwatzer Blog. Allein schon wegen des aktuellen Artikels “Köhler ist unschuldig”.

Dem (wer-hat-Angst-vor-der-Zukunft) doktorsblog. Utopie oder Dystopie? Chris, so heißt der Blogger, würde wahrscheinlich sagen eine Mischung aus beidem. Für mich hat er mit seiner Seite ein kleines Schaufenster in die Zukunft geschaffen. Und in die (moderne?) Kunst.

Na und Veit. und so weiter wort heißt sein Blog. Genau das erhebt er, siehe ein Beitrag weiter unten. Wer Veit kennt, weiß was ich meine. Wer nicht, bitte klicken.

Thema: Allgemein, Computer & Internet | Kommentare (5) | Autor: Olaf Sander

Unterschiede

Mittwoch, 26. Mai 2010 17:37 | Autor: Olaf Sander

Vor dem Haus, in dem ich wohne, ist eine begrünte Freifläche mit Bank, Tisch und Grillplatz. Dieser wird, wenn es das dänische Wetter hergibt, fast das ganze Jahr über genutzt. Dabei geht es eigentlich immer erstmal laut zu. Vor dem Grillen kommt lautes Reden, lautes Lachen und laute Musik. Bevor der appetitanregende Geruch von Grillfleisch und Würstchen in mein Wohnzimmer dringt, habe ich die Fenster meist schon geschlossen. Aber nur wegen des Lärms und nicht weil es riecht.

Heute ist das nicht so. Heute gibt es keinen Lärm und trotzdem Düfte, die mir Hunger machen. Obwohl es viel mehr Menschen als gewöhnlich sind, die den Grillplatz gerade bevölkern, kommt kaum Geschnatter oder Gekicher bei mir in der zweiten Etage an. Nur der Grill qualmt und füllt die Luft mit seinem herrlichen Odeur.

Die Grillmeister sind andere als sonst. Es sind Chinesen und in meiner Nachbarschaft wimmelt es nur so von ihnen. Das glaube ich jedenfalls. Vielleicht sind es auch nur drei oder vier. Aber für mich sehen Chinesen ja eh alle gleich aus, es sei denn, es ist mal ein Dicker mit dabei. Der hebt sich natürlich ab und bleibt in meiner Erinnerung. Aber sonst bekomme ich von denen nicht so viel mit.

Ihre stille und unaufdringliche Art gefällt mir. Genauso wie der Geruch ihres Grills, der mich an so einige wilde Bacchanale am Busen der Natur erinnern lässt, bei denen immer auch ein Grill mit dabei war. Das ist Kopfkino vom Feinsten, aber darum geht es hier ja gerade nicht.

Erstaunlich finde ich, dass zehn Chinesen weniger Lärm machen, als drei Dänen. Beim Duft geben sie mir Anlass riechend in der Vergangenheit zu schwelgen und sie nerven mich nicht mit ihrer Lautstärke.

Aber ganz besonders sympathisch an diesen Chinesen finde ich, dass sie am Ende ihren Müll wieder mitnehmen. Auch da unterscheiden sie sich sehr von den Dänen 1.

  1. Damit keine Missverständnisse entstehen: die Dänen sind sehr auf Sauberkeit bedacht und überall stehen Papierkörbe und immer kommt auch ein Angestellter der Kommune, der aufräumt. Aber das kann 1. dauern und ist 2. keine Entschuldigung dafür, seinen Mist überall liegen zu lassen.

Thema: Allgemein, Kultur | Kommentare (2) | Autor: Olaf Sander

Der Applaus des Autors

Dienstag, 25. Mai 2010 13:49 | Autor: Olaf Sander

Ich bin stolz.

Mein Artikel 75facher Mord, untermalt von der Ode “An die Freude” hat, von mir völlig unbemerkt, eine kleine Reise in die Welt angetreten.

Er wurde in das Amharische, in die tigrinische, arabische und englische Sprache übersetzt.

Was mehr kann ein Autor erwarten?

Ich bin dankbar und verneige mich vor diesem – meinem! – Publikum.

(Danke Nazareth)

Thema: Allgemein | Kommentare (0) | Autor: Olaf Sander

Koch wirft Handtuch am Handtuchtag

Dienstag, 25. Mai 2010 13:08 | Autor: Olaf Sander

Na das ist doch mal ne Überraschung. Merkel hat Koch schon ewig nicht mehr mitspielen lassen und er hat sie immer gepiesackt. Nun aber hat die Kanzlerin gewonnen und Koch wirft das Handtuch.

Das hat Stil. Vor allem weil heute internationaler Towel-Day ist.

Koch ist trotzdem ein [***bitte hier Wunschname einsetzen***].

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Thema: Allgemein | Kommentare (0) | Autor: Olaf Sander

Machen wir es doch wie der Wunder-Yogi

Montag, 10. Mai 2010 19:59 | Autor: Olaf Sander

In Indien bereitet gerade ein Wunder-Yogi namens Prahlad Jani einigen Medizinern arges Kopfzerbrechen. Zwei Wochen lang haben sie den 83-Jährigen, der von sich selbst behauptet seit mehr als 70 Jahren nichts gegessen und getrunken zu haben, rund um die Uhr überwacht. Er hat nichts gegessen und getrunken und weil das so ist, hatte er auch keinen Stuhlgang und keinen Urin. Die Ärzte können sich überhaupt nicht erklären, wie der Yogi überlebt. 1

Das bestätigt die Theorie, dass da, wo man nichts rein tut auch nichts raus kommt. Könnten wir das nicht mit Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien genauso machen?

Dann hätten sie vielleicht eine reelle Chance.

  1. Quelle: ARD-Text, Tafel 162, 10.05.2010, 19:50 Uhr

Thema: Allgemein, Satire | Kommentare (0) | Autor: Olaf Sander

Die Zocker haben alles richtig gemacht

Sonntag, 9. Mai 2010 17:29 | Autor: Olaf Sander

Wer mich kennt der weiß, dass ich es nicht so mit der Partei „DIE LINKE“ habe. Und mit Kommunisten hab ich´s schon gar nicht, gleichwohl es einige unter ihnen gibt, die ich für aufrichtig und glaubwürdig halte. Sahra Wagenknecht zum Beispiel. DaMax hat eine Rede von ihr im Bundestag als Video in sein Blog gestellt (6:35 Min.), in dem sie recht klar sagt:

“Die Währungsunion wird uns um die Ohren fliegen, wenn Sie Zockerbanken und Hedgefonds weiter spekulieren lassen, wenn Sie weiter zulassen, dass ganze Staaten in die Pleite spekuliert werden und wenn Sie die aberwitzigen Finanzinstrumente, die das alles ermöglichen, nicht endlich verbieten.”

Wo sie Recht hat, hat sie Recht. Aber ihre Forderung ist letztlich nichts weiter als die Forderung von notwendigen und im Kern unstrittigen Maßnahmen, damit vielleicht noch ein paar Grundmauern vom europäischen Haus stehen bleiben. Das Ganze sollte aber schnell passieren, weil es an vielen Ecken brennt – nicht nur auf unserem Kontinent. Ich bin also an dieser Stelle mit Sahra Wagenknecht einig. Sollte es aber irgendwann einmal um längerfristige Strategien gehen, möchte ich sie dann doch gerne wieder neu beurteilen wollen.

Während für die meisten Menschen im Land klar ist, was kurzfristig getan werden müsste, aber kaum einer der führenden Köpfe in Politik und Wirtschaft auch nur leiseste Anstalten macht über die nächste Wahl oder den nächsten Quartalsbericht hinaus nachzudenken, sieht die langfristige Zukunft trübe aus.
Warum tun diese Leute das? Sind diejenigen, die gerade unsere Zukunft verspielen alles Zocker und Hasardeure? Folgt das kurzfristige Denken und Handeln in Wirtschaft und Politik allein nur der Gewinnmaximierung, also der Gier? Was denken diese Menschen über sich selbst? Wer oder was ist noch dafür verantwortlich, dass sie tun was sie tun – oder eben nicht tun?

In der aktuellen Ausgabe der brand eins schreibt Wolf Lotter im Leitartikel „Warten auf den Eiermann“ was passiert, wenn die Realität an die Tür klopft. Da machen die meisten Menschen, so sein Fazit, gar nicht erst die Tür auf. Sie lassen sie zu und basteln sich eine Welt, wie sie ihnen gefällt.
Lotter schreibt viel, gut und durchdacht. Und er reisst unsere Vorurteile ein, dass es nur so scheppert.

„Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein beschäftigten sich führende Ökonomen eben immer wieder auch mit dem “menschlichen Faktor”, der abseits kalter Modelle wie dem Homo oeconomicus stand. Rationalität ist keine theoretische Sache. Doch die Zahlenfetischisten gewannen die Oberhand. Ihre technokratischen Epigonen haben uns die Finanzkrise eingebrockt. Nicht etwa deshalb, weil sie sich irrational verhalten oder “gezockt” hätten. Das ist gern wiederholter Unsinn. Sie haben im Gegenteil alles streng nach Lehrbuch gemacht. So, wie man sich verhalten soll. Das ist allerdings nicht vernünftig.“

Die haben nicht gezockt. Die haben alles richtig gemacht. Nie haben sie etwas anderes gelernt. So wurde ihnen das System beigebracht, so haben sie es übernommen und so arbeiten sie, ganz Business as usual, heute noch. Ihr Tun entspringt ihrer Herkunft, ihren Werten und ihrem Selbstverständnis und ist in ihrer Welt gut, richtig und normal.

So gesehen erklärt das nicht nur die unglaubliche Chuzpe einiger Banker und Manager trotz Pleite Millionengehälter einzuklagen, sondern auch, warum deren Wahrnehmung über die Auswirkungen des eigenen Handelns in der wirklichen Welt, für uns, die darin Leben und in ihr klar kommen müssen, so verzerrt erscheinen. Für uns, die nichts mit Spekulationen und Politik zu tun haben ist das, Wolf Lotter sagte es bereits, alles andere als vernünftig. Aber um Vernunft geht es bei den selbst gebastelten Welten nicht. Dort verhält man sich genau so, wie man sich verhalten soll oder verhalten will.

Die meisten Banker, Manager und Politiker haben nicht das Gefühl anderen etwas wegzunehmen, gleichwohl immer wieder die geflügelten Worte Gordon Gekkos aus dem Film “Wall Street” vom verlorenen Geld ironisch zitiert werden, welches nicht weg ist, sondern was nur ein anderer hat. Diesen Menschen, so scheint es, fehlen die sozialen und intellektuellen Fähigkeiten, um über den eigenen Tellerrand zu schauen, was sie aber nicht daran hindert davon auszugehen, dass die Welt ausserhalb des Tellerrands ihr Eigentum ist, mit dem sie tun und lassen können, was sie wollen.

Diese ihre Sichtweise zu ändern dürfte gar nicht so einfach werden. Denn sie leben in einem System der selbstgebastelten Welten – und davon gibt es viele, verstreut über den gesamten Globus. Potenziert wird das Dilemma dadurch, dass diese Welten ineinander verschachtelt sind und dass es immer nützliche Idioten gibt, die den Erbauern dieser Welten die Steigbügel halten und sie hofieren, weil sie sich einen Vorteil, ein paar Krümel vom großen Kuchen, versprechen.
Die nützlichen Idioten auf allen Ebenen des Systems haben meist selbst gebastelte Welten, deren Motivationen, Werte und Ziele aber von den selbstgebastelten Welten der Herren, denen sie dienen, indoktriniert sind.

Zum Beispiel von der globalen Finanzindustrie. Diese bemerkenswerteste aller selbstgebastelten Welten hat zwar überhaupt nichts mit der Realität zu tun, dient aber als das Maß aller Dinge. In der Neoklassischen Wirtschaftstheorie, also der Theorie, der ungefähr seit den 70ern gefolgt wird, gibt es eine Trennung der Gesamtwirtschaft in einen realen und einen monetären Sektor. Darauf haben sowohl John Maynard Keynes wie auch Karl Marx aus gutem Grund verzichtet. Diese Theorie wird der Realität nämlich nicht gerecht.

Die ganzen verschiedenen Krisen werden Konsequenzen haben. Sie sind nämlich gerade dabei sich zu einer allumfassenden Superkrise aufzutürmen. Vielleicht würde eine Verbindung aus der Forderung Sahra Wagenknechts und dem Hinweis Wolf Lotters auf die Handlungsmechanismen Auswege aus dem globalen Dilemma aufzeigen. Die Zeichen der Zeit zeigen allerdings mehr auf ein erneutes Tal voll Blut und Tränen, als auf einen Sieg der Vernunft.

Wahrscheinlich braucht es erst einen Zusammenbruch des gesamten Systems, damit die gebastelten Welten von ihren Erbauern verlassen werden und die Vernunft – dann wiedereinmal unter größten Schmerzen geboren – das Zepter in der Realität übernehmen kann.

Thema: Allgemein | Kommentare (1) | Autor: Olaf Sander

In eigener Sache

Freitag, 7. Mai 2010 0:47 | Autor: Olaf Sander

Fast vier Wochen lang lag dieses Blog brach, obwohl es mir wirklich am Herzen liegt. Aber manchmal fordert das reale Leben die ganze Aufmerksamkeit und am Ende bleibt kaum noch Energie übrig, um sich noch mit dem galoppierenden Wahnsinn dieser Welt zu beschäftigen. Ich hoffe, ihr könnt das verstehen.

Wie dem auch sei. Mir bot sich eine aussichtslose Chance, die ich unbedingt nutzen wollte. Ich habe investiert (vor allem Zeit und Kraft) und gekämpft (mit Behörden und Konkurrenten). Ich habe gewonnen. Was ich da versuchte war ein Griff nach den Sternen und ich hatte Glück. Einer hing so tief, dass ich ihn mir schnappen konnte.

In diesem Fall hat sich die Arbeit für mich gelohnt, weil sie noch viel mehr Arbeit für mich nach sich bringt. Gleichwohl ich hin und wieder ein stinkfauler Kerl bin, verschafft mir diese Aussicht äußerste Zufriedenheit.

Und im Blog geht es wieder weiter. Ist ja auch keine Arbeit. ;o)

Thema: Allgemein | Kommentare (4) | Autor: Olaf Sander

Das Bankentribunal – Ein Feuerwerk der Argumente

Samstag, 10. April 2010 14:32 | Autor: Olaf Sander

Das ist nach meinem Geschmack. Ein Argument jagt das andere. Sachlich und doch mit Leidenschaft. Ernsthaft, aber nicht ohne Humor. Das Bankentribunal in der Berliner Volksbühne seziert die Ursachen der Finanzkrise, legt die Fehler im wirtschaftlichen und politischen System offen, nennt die Profiteure und die, die die Zeche bezahlen.

Nach meinem Empfinden liegt die Anklage in Punkten weit vor der Verteidigung. Diese aber ist eindeutig besser, was den Unterhaltungsfaktor betrifft. Verteidiger Dr. Wolfgang Kaden hat zunächst erst einmal für Emotionen gesorgt, in dem er recht provokant, und auch überzeugend, für seine Mandantenschaft argumentierte. Allerdings beschränkten sich seine Ausführungen auf die schon oft gehörten Argumente von Bankern und Politikern und folgen genau den Dogmen, die von der Anklage als ursächlich für die Krise benannt werden.

Geht die Verhandlung/ Beweisaufnahme in diesem Tempo und der wunderbaren Sachlichkeit weiter, verspricht dieses Wochenende eines der medial spannendsten des Jahres 2010 zu werden. Auch wenn man den Vormittag verpasst haben sollte, so lohnt es sich dennoch jederzeit, sich einzuklinken und der Verhandlung zu folgen.

Hier gehts zur Verhandlung

Thema: Allgemein, Geschichte, Kultur, Medien, Politik, Umwelt, Wirtschaft | Kommentare (1) | Autor: Olaf Sander

+++ Nicht verpassen! +++ Bankentribunal – Liveübertragung! +++ drei Bundesregierungen, diverse Banker, Wirtschaftsprüfer, Ratingagenturen und Meinungsmacher sitzen auf der Anklagebank +++

Freitag, 9. April 2010 15:17 | Autor: Olaf Sander

Das Bankentribunal - weil die Krise System hatVom 9. bis 11. April 2010 wird Attac Deutschland in Zusammenarbeit mit der Berliner Volksbühne ein öffentliches Tribunal durchführen, das die Ursachen des Finanzcrashs, die Beugung der Demokratie durch fragwürdige Rettungsmaßnahmen und die fahrlässige Vorbereitung neuer Krisen öffentlichkeitswirksam beleuchten soll.

Es ist kein Theaterstück, sondern ein fairer zivilgesellschaftlicher Prozess. Den Angeklagten aus Politik und Wirtschaft wurden am 27. Februar 2010 die Vorladungen zugestellt. Sie bekommen renommierte Pflichtverteidiger zur Seite gestellt, die an ihrer statt sprechen werden, falls sie nicht erscheinen. Prominente Zeuginnen und Gutachter werden mit ihren Aussagen die Praktiken von Politik und Wirtschaft erhellen. In drei Beweisaufnahmen werden individuelle Schuld und systemische Krisen aufgerollt.

Angeklagt werden drei Bundesregierungen: (Kabinett Schröder, Merkel I und Merkel II), die ihnen unterstellten Finanzaufsichten sowie Banker und Banken (besonders die Deutsche Bank), Ratingagenturen und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften.

Mehr Informationen auf attac.de.

Beginn ist heute Abend per Live-Übertragung mit einer Eröffnungsrede von Albrecht Müller, einer Lesung der Volksbühne zum Thema Banken und Beiträgen der Kabarettisten Urban Priol und Georg Schramm.

Drei Beweisaufnahmen werden im Zentrum des Tribunals stehen. Jeder Beweisaufnahme wird ein Anklägerteam zugeordnet.

1. Vorbereitung der Krise und Aushöhlung der Demokratie

  • Förderung eines krisenverursachenden Systems durch eine Politik der Deregulierung, der Umverteilung von unten nach oben und der Privatisierung
  • Erpressung des Staates und der Gesellschaft („too-big-to-fail“-System)
  • Entmachtung des Bundestages (SoFFin-Gesetz) und organisierte Geheimhaltung und Täuschung von Bundestag und Öffentlichkeit
  • Bankenrettungen auf Kosten der Steuerzahler unter Schonung der Banken/Gläubiger

2. Zerstörung der ökonomischen Lebensgrundlagen in Nord und Süd

Anhörungen zu den Schattenseiten des gegenwärtigen Weltfinanzsystems und den Folgen der Krise

  • Verschuldung und Privatisierungsdruck
  • Gesundheit und Rente
  • Arbeit
  • Globaler Süden
  • Ökologie
  • Demokratie

3. Verschärfung der Krise

  • Kein Verbot risikoreicher Finanzpraktiken und Finanzinstitutionen
  • Banken und Großkonzerne gegen Regulierungen
  • Verschärfung der strukturellen Ursachen der Krise

Die Richter/innen:

  • Dr. Jürgen Borchert, Sozialrichter
  • Prof. Friedhelm Hengsbach, Wirtschaftsethiker
  • Danuta Sacher, Geschäftsführerin Terres des Hommes
  • Prof. Karl Georg Zinn, Wirtschaftswissenschaftler

Die Ankläger/innen:

  • Prof. Elmar Altvater, Politikwissenschaftler
  • Prof. Peter Grottian, Politikwissenschaftler
  • Dr. Detlef Hensche, Rechtsanwalt
  • Astrid Kraus, Unternehmensberaterin
  • Conrad Schuhler, Leiter des Instituts für Sozial-Ökologische Wirtschaftsforschung

Die Verteidiger/innen:

  • Dr. Wolfgang Kaden, Journalist (ehem. Chefredakteur Der Spiegel und Manager Magazin)
  • Peter Wahl, WEED
  • Prof. Henner Wolter, Rechtsanwalt

Zeugen und Sachverständige:

  • Sven Giegold, MdEP
  • Barbara Happe, urgewald
  • Sony Kapoor, Re-Define, Ex-Investmentbanker (angefragt)
  • Heidi Klein, Lobby Control
  • Sabine Leidig, MdB
  • Claus Matecki, DGB Vorstandsmitglied
  • Wangui Mbatia, Menschenrechtsaktivistin aus Kenia
  • Dr. Pedro Morazán, Südwind Institut
  • Dr. Gerhard Schick, MdB
  • Harald Schumann, Buchautor und Journalist
  • Dr. Axel Troost, MdB
  • Lucas Zeise, Buchautor und Journalist
  • u. a.

Nachtrag: Das Bild und ein großer Teil des Textes stammt direkt von Attac, ein kleinerer Teil von Mediafootprint von YouTube, dem ich sehr dankbar für diesen Hinweis bin.

Ich würde mich trotzdem freuen wenn ihr davon weitererzählt und euch Teile der Übertragung anschaut. Ich mache das auf jeden Fall.

Thema: Allgemein, Georg Schramm & Co., Kultur, Medien, Politik, Umwelt, Wirtschaft | Kommentare (1) | Autor: Olaf Sander

[Update] – WikiLeaks macht “Ah!”, Herr Buhrow

Mittwoch, 7. April 2010 13:38 | Autor: Olaf Sander

Als Tom Buhrow gestern Abend in den Tagesthemen über das Video sprach, welches zeigt, wie der amerikanische Krieg gegen den Terror und für die Freiheit1 in Wirklichkeit aussieht, vermied er es diejenigen zu benennen die dafür sorgten, dass das geheim gehaltene Video ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt wurde. Nämlich WikiLeaks.

Tom Buhrow sagte zwar in der Anmoderation zu dem Beitrag, dass da ein Video “aufgetaucht” wäre, verriet aber nicht wo. Und das ärgert mich, denn ich mag Tom Buhrow und die Tagesthemen und hätte mir gewünscht, die Quelle dieser imagaschädigenden “Unerhörtheit” für die Amerikaner, die Nato und den Krieg im Allgemeinen, schon aus seinem Mund, und nicht erst innerhalb des Beitrages selbst, zu hören.
Nennt mich Kümmelspalter, aber ich meine, dass diese Kleinigkeiten zum guten Ton eines guten Journalisten gehören – jedenfalls dann, wenn der Journalist einer freien und demokratischen Gesellschaft auf dem Weg ins Informationszeitalter angehört und er eine Sendung moderiert, die als Vorbild für seriöse Nachrichten gilt und noch dazu einen Bildungsauftrag hat.

Weil WikiLeaks nicht Wikipedia ist und weil (auch aber nicht nur) Tom Buhrow es versäumt hat, die nicht ganz so internetaffinen Zuschauer über WikiLeaks aufzuklären, müssen das eben andere übernehmen.

Z. B. Buhrows KollegInnen von Kulturzeit von 3Sat vom 27. Mai 2009:

Nachdem klar ist, welche Aufgabe WikiLeaks in unserer Demokratie übernimmt und deutlich wird, dass unsere Demokratie eine schlechte Demokratie ist, weil es WikiLeaks überhaupt gibt, geben muss (!), möchte ich fragen, ob euch dieses Leck zum Erhalt der – wenigstens schlechten (immer noch besser als gar keine) – Demokratie ein paar Euro Wert ist?

Wenn ja:

Wau Holland Stiftung
Postfach 640236

10048 Berlin
Germany

Commerzbank Kassel
BLZ: 52040021
KTO: 277281204
IBAN: DE46520400210277281204
BIC: COBADEFF520

geht auch per PayPal oder Moneybookers.

Für Rückfragen wl-supporters (at) sunshinepress (dot) org

Vielen Dank für die Einzahlung.

Gefunden via daMax (Info) via Doktorsblog (Video)

[Update, 08.04.2010]

Das Medienmagazin ZAPP vom NDR (Video, 3:48) hatte gestern Abend einen Beitrag warum die Medien so zögerlich über das von WikiLeaks veröffentlichte Video berichteten. Kai Gniffke, Chefredakteur von ARD-Aktuell und Rüdiger Ditz von SPIEGEL Online, kommen darin zu Wort und erklären ihre Zwänge. Diese sind nachvollziehbar und erklären vielleicht ein wenig Tom Buhrows Zurückhaltung.

Es geht um Verifikation. Die Bilder, ob fotografiert oder gefilmt, könnten gefakt sein. Die Inhalte müssen geprüft und plausibel sein. Das ist gut, das ist richtig und nichts anderes erwarte ich von der ARD.

Allerdings…

… ist es ein Spagat zwischen Geschwindigkeit und Qualität, den die Journalisten (nicht nur) von der ARD, mit dem sich immer schneller entwickelnden Internet als “Konkurrenz”, bewerkstelligen müssen. Die Zurückhaltung bei der Verarbeitung von Informationen aus dem Netz, die Kai Gniffke im ZAPP-Video anspricht, findet ihren Ursprung in der Vorsicht, aber mehr noch im Misstrauen gegenüber diesen Inhalten.
Das Netz und die Informationen warten aber nicht auf den Qualitätsjournalismus der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Die User reagieren auf die Informationen, vertrauen der Quelle, insbesondere wenn es sich um WikiLeaks handelt, und erzählen weiter.
Das mag für viele Journalisten nach dem Untergang des Abendlandes klingen, ändert aber nichts an der Tatsache, das es so ist und sich Plattformen wie WikiLeaks ihre Glaubwürdigkeit bei den Internetnutzern verdienen, bzw. schon verdient haben. So ist nunmal das Wesen des Internets.

Das Problem hierbei ist, dass die Informationen, je mehr und je öfter sie beim Konsumenten/ User ankommen, bzw. er sie sich selber (aus) sucht, zur “Wahrheit” werden – egal ob sie wahr sind oder nicht. Die Information ist raus und macht denen das Leben schwer, die sie aus den verschiedensten Gründen lieber nicht in der Öffentlichkeit sehen würden.

Womit wir bei der Politik wären. Denn solcherlei Videos, oder auch amerikanische Strategiepapiere, wie bspw. das aus dem Hause CIA, welches darlegt wie die Deutschen oder Franzosen in Sachen Afghanistan bei der Stange gehalten werden sollen (Pdf, engl.), spucken der Politik mächtig in die Suppe. Keine Antikriegskampagne könnte wirksamer sein, als die Veröffentlichung derartiger Informationen.

Genau hier liegt für mich das Problem, warum Tom Buhrow das Wort “WikiLeaks” nicht benutzt hat. WikiLeaks ist nicht politisch korrekt. WikiLeaks macht das Handeln und die Strategien von Politik und Wirtschaft transparent. Wegen WikiLeaks haben “sie” es schwerer uns ein X für ein U vorzumachen.

Aber wie kann Tom Buhrow nun demnächst schnell auf so etwas reagieren und dennoch die journalistische Qualität wahren? Ich denke, das ist ganz einfach. Er muss doch nichts weiter sagen als:

“Der Wahrheitsgehalt dieser Informationen ist noch nicht bestätigt, aber wir haben sofort begonnen die Story zu recherchieren und halten Sie auf unserer Homepage www.tagesthemen.de auf dem Laufenden.” 2

Das erzeugt nicht nur Zuschauer, Klicks und Leser, das erhält auch die so wertvolle Glaubwürdigkeit.

Informationen über WikiLeaks, wie z. B. eine Übersicht über die bisher veröffentlichten Informationen, findet sich auf Wikipedia.

  1. Natürlich sind wir alle über diesen Ausrutscher der heldenhaften GI wahnsinnig überrascht, wer dennoch nicht sehen will, wie Menschen von diesen Helden heimtückisch und feige ermordet werden, der klickt bitte nicht auf diesen Link.
  2. oder so ähnlich… ;o)

Thema: Allgemein, Computer & Internet, Medien, Politik | Kommentare (4) | Autor: Olaf Sander

Warten auf 2012

Donnerstag, 1. April 2010 17:29 | Autor: Olaf Sander

Das war wohl nix. Die Welt ist nicht untergegangen. Entgegen allen Warnungen und trotz eindrücklicher Videos, die zeigen wie ein schwarzes Loch den Planeten frisst (Greetings from Hollywood), ist es den wahnsinnig gewordenen Wissenschaftlern am CERN nicht gelungen uns und unser Raumschiff Erde einem solchen schwarzen Loch zum Fraß vorzuwerfen.

i-survived-lhc-l2Die Wissenschaftler bemüh(t)en sich verzweifelt aufzuklären, aber die hollywoodsche Bildermaschine, angetrieben von der eigenen Ahnungslosigkeit, sitzt so tief in den Hirnen, dass die unwahrscheinliche Wahrscheinlichkeit eines von Menschen produzierten schwarzen Loches wahrscheinlicher erscheint, als die kollektive Erkenntnis, dass die unwahrscheinliche Wahrscheinlichkeit sehr unwahrscheinlich ist.

Aber als wenn das nicht schon genug wäre, macht sich wiedermal die virtuelle und völlig respektlose Internetgemeinde über die Schwarzseher und deren geistige schwarze Löcher lustig – und trägt diesen Spott auch noch in die Realität und auf die Straße. Mit T-Shirts.

Die beste Ehefrau von allen, nämlich meine, hat nur einen kurzen Kommentar für die Schwarzseher übrig:

“Wer die Relativitätstheorie begriffen hat, dem fällt Einstein vom Herzen.”

Ich finde, damit ist alles gesagt.

T-Shirt kaufen bei: NEATORAMA

Bild gefunden im: Doktorsblog

Thema: Allgemein, Kultur, Umwelt | Kommentare (3) | Autor: Olaf Sander

Mensch, sei doch radikal!

Dienstag, 30. März 2010 15:44 | Autor: Olaf Sander

Radikal ist ein böses Wort. Es passt nicht in unsere Zeit. Auch nicht in unsere Gesellschaft. Was radikal ist, wollen wir nicht. Wer radikal ist, macht sich unbeliebt. Radikalität macht uns Angst.

Aber warum?

Weil Radikal zwei Seiten hat. Eine gute und eine schlechte.

Radikal kommt vom lateinischen „Radix“ und bezeichnet den Ursprung, die Wurzel. Wenn jemand radikal ist, ist er entweder rücksichtslos, extremistisch, dogmatisch, gewalttätig und zerstörerisch, oder er ist grundlegend, kompromiss- und schonungslos, aufsässig und tiefgreifend.

Daraus ergeben sich drei mögliche Typen von Menschen:

1. schlechte Radikale
2. gute Radikale
3. Nichtradikale

Schlechte Radikale sind zum Beispiel Nazis, die Regierung Bush oder Putin.

Bei den guten Radikalen wird es schon schwieriger Beispiele zu finden. Martin Luther war auf jeden Fall ein guter Radikaler. Karl Marx auch. (Keiner wurde mehr missverstanden und fehlinterpretiert wie Karl Marx. Aber das ist ein anderes Thema.) Und in der heutigen Zeit dürften bei uns Wolf Lotter und Götz W. Werner zu denen zählen, die für eine gute Radikalität stehen.

Die schlechten Radikalen verraten sich dadurch, dass sie verklären, Angst machen und spalten, aber immer wissen was zu tun ist. Sie sind laut und ihre Handlungen leiten sich meistens von ihren Dogmen ab. Ihr Blick ist immer rückwärts gewandt und neue Probleme werden mit alten Methoden zu lösen versucht. Deshalb versprechen sie auch immer die „guten alten Zeiten“ zurück zu holen.
Schlechte Radikale zwingen die Meinungen der Anderen auf ihre Linie und diejenigen, die ihnen folgen, brauchen, sollen oder dürfen selbst nicht mehr denken. Sie geben ihre Verantwortung ab und werden zu Anhängern. Anhänger sind, das sagt schon das Wort, Leute die irgendwo dranhängen. Sie haben keinerlei Einfluss auf Richtung und Geschwindigkeit. Nicht einmal dann, wenn die Fahrt rasant an einer Wand zu enden droht.

Die guten Radikalen sind leise. Leider. Sie zeigen sich durch Aufklärung und weisen auf eventuelle Lösungen die Hoffnung machen, aber deren Ausgang ungewiss ist, weil es noch nie jemand probiert hat (siehe Bedingungsloses Grundeinkommen). Gute Radikale haben selten Patentrezepte. Aber sie begegnen der Zukunft ohne Denkschranken und Dogmen, gehen neue Wege und stellen das Alte in Frage.
Gute Radikale fordern immer die eigene Verantwortung und das selbständige Denken. Denken aber macht Arbeit und für sich selbst Verantwortung übernehmen auch. Vermutlich ist das der Grund, warum es die guten Radikalen so schwer haben, sich Gehör zu verschaffen.

Bleibt nur noch die dritte Gruppe derer, die nicht radikal sind. Diese Gruppe ist eine Masse aus furchtbar trägen und zähen Menschen, die sich in den Umständen eingerichtet haben, in denen sie leben. „Da kann man doch sowieso nichts machen“ und „Was geht’s mich an“ sind Sätze, mit denen diese Leute ihr Nicht-wissen-wollen entschuldigen.
Genau so wie der Bauer nicht isst was er nicht kennt, lehnt diese zahlenmäßig größte Gruppe Veränderungen ab, die ihren Alltag durcheinander bringen könnten. Das alte Bekannte, so schlecht und destruktiv es auch sein mag, ist ihnen lieber als das neue Unbekannte, selbst dann, wenn das neue Unbekannte offensichtliche Vorteile mit sich bringt. Sie bevorzugen die schlechten Verhältnisse, weil sie an sie gewöhnt sind. Dort kennen sie sich aus.

Und das ist gefährlich. Denn genau an dieser Stelle macht es die Masse den schlechten Radikalen einfach. Weil Nicht-wissen-wollen nicht unbedingt verhindert, dass Unzufriedenheit über die eigene Situation entsteht, schafft die Masse der Nichtradikalen Ansatzpunkte für die schlechten Radikalen. Die verstehen es, dort einzuhaken und die Masse an ihre Ziele anzuhängen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis so einer zum Führer von Anhängern wird, wie die Geschichte zeigt und der Erfolg des holländischen Rechtspopulisten Geert Wilders deutlich macht.

Das kann verhindert werden. Mit Aufklärung. Und zwar radikal.

Thema: Allgemein, Geschichte, Kultur, Politik, Umwelt, Wirtschaft | Kommentare (4) | Autor: Olaf Sander