Beitrags-Archiv für die Kategory 'Zukunftspläne'

“das internet ist wie guerilla-krieg.”

Samstag, 29. Mai 2010 16:59 | Autor: Olaf Sander

“wenn ich im einen tal nicht weiterkomme, mache ich an der nächsten steige weiter.”

Der, der das sagt, nämlich Veit, hat keinen blassen Dunst von der technischen Seite des Internets. Er ist, was das betrifft, wie du und ich ein DAU. Das würde ihn und alle anderen technischen DAU – hörte man an dieser Stelle auf mit dem Denken – gleich machen mit jenen Politikern, Soziologen und anderen selbsternannten Experten, die da meinen und fordern, man müsse die Kinder der Gesellschaft vor gewissen Erkenntnissen, Tatsachen, Einflüssen, Meinungen und vielem mehr beschützen, damit sie keinen Schaden nähmen.

Zum Glück hört Veit an dieser Stelle nicht auf mit dem Denken. Und zum Glück hat er ein großes kulturelles Verständnis für das Internet und kennt sein ideelles Wesen. Das unterscheidet ihn wirklich sehr von den Politikern, Soziologen und anderen selbsternannten Experten.

Ihr solltet deshalb unbedingt seinen Artikel “das internet und die meinungsfreiheit” lesen. Da macht er nämlich deutlich klar, dass es der Politik nicht darum geht die Kinder zu schützen, sondern ausschließlich sich selbst.

Um das zu verstehen braucht es kein technisches Verständnis. Nur den Mut zu Ende zu denken und das Ergebniss des Prozesses auszusprechen. Sonst war´s das nämlich mit der Meinungsfreiheit.

Danke Veit.

Thema: Computer & Internet, Kultur, Medien, Politik, Zukunftspläne | Kommentare (2) | Autor: Olaf Sander

Alles Porno oder was?

Donnerstag, 27. Mai 2010 19:06 | Autor: Olaf Sander

Der AK Zensur hat eine richtig gute Idee gehabt und gleich mal umgesetzt. Jeden Tag stellen sie eine Internetseite vor, die, dafür müssen Betreiber eine Internetseite ja vielleicht bald Sorge tragen, nach dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) eine Altersfreigabe bekommen muss. Nach diesem Gesetz muss nämlich geprüft werden, ob die Seite für Kinder Entwicklungs- oder gar Erziehungsbeeinträchtigend ist.

Die Frage, die der AK Zensur an seine Leser stellt, ist, wie diese einschätzen, ab wann diese Seite freigegeben werden sollte. Am nächsten Tag, hier also morgen, verrät der AK Zensur dann die Einschätzung von fachlich versierten Medienpädagogen, die die Seite danach beurteilen, wie sie nach dem neuen Gesetz beurteilt werden müsste. Ob das aus medienpädagischer Sicht sinnvoll ist oder nicht spielt dabei – wie so oft bei neuen Gesetzen – keine Rolle. Jeden Tag folgt eine neue Seite mit dem gleichen Ablauf. Vorschläge können gerne gemacht werden.

Die heute vorgestellte Seite beschäftigt sich mit Intimrasuren und existierte schon in Zeiten des Usenet.

Bitte beurteilt selbst und helft dem Arbeitskreis, so viel Feedback wie nur möglich zu erhalten.

Danke.

(vie Fefe)

Thema: Computer & Internet, Kultur, Medien, Politik, Zukunftspläne | Kommentare (5) | Autor: Olaf Sander

Liebe Kinder gebt fein acht, so wird der Strick an eurem Hals festgemacht

Donnerstag, 13. Mai 2010 16:27 | Autor: Olaf Sander

Machen wir uns nichts vor. Die Zukunft Europas sieht düster aus. Die eine Hälfte des Kontinents steht vor dem Abgrund, die andere Hälfte ist schon ein Schritt weiter und baumelt am dünnen Strick multimilliardenschwerer „Hilfspakete“. Also muss, das ist ganz logisch, gespart werden. Die Frage ist nur wo.

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch hat sich jetzt Gedanken dazu gemacht (oder es ist ein christlich-demokratischer Testballon um zu schauen, wie weit das Volk sich dengeln lässt) und ist zu einem zu ihm passenden Ergebnis gekommen: Kindergarten und Krippenplätze sind zu teuer, Investitionen in Forschung und Entwicklung auch.

Natürlich ist das alles, würde man ihn jetzt fragen, vollkommen alternativlos. Das aber nur, weil Koch entweder nicht über den Tellerrand hinaus schauen kann, oder nicht hinaus schauen will, was daran liegen könnte, dass er anderen Herren dient als denen, die ihn gewählt haben. Würde er das tun, dann hätte er gemerkt, dass sich z. B. die Polen still und leise zum Klassenprimus Europas entwickelt haben – nämlich mit Bildung, regionaler Entwicklung und der Förderung von Innovationen.

Oder die Schweden. In den 90ern wirtschaftlich am Boden liegend, weil, wie soll es anders sein, die Banker im Land durchgedreht sind, haben die Schweden gemeinsam angepackt und nicht nur den Konsens, sondern auch nach den besten Lösungen gesucht. Sie stehen heute besser da als je zuvor und sind das Beispiel schlechthin für einen funktionierenden, gerechten und transparenten Sozialstaat. Übrigens einer, in dem Kinder und deren Bildung als Schlüssel für den Weg in die Zukunft betrachtet werden und nicht nur als Kostenfaktor.

Solcherlei sinnvolle Strategien wie in Polen oder Schweden sind bei uns aber nicht drin. Wegen Politikern wie Koch. Skrupellosen und machtgeilen Leuten, die unseren Kindern die Zukuft unter den Füßen wegziehen, weil es sie – mit Verlaub – einen Scheißdreck interessiert.

Also liebe Kinder, gebt fein acht, so wird der Koch am Balken angebracht.

Thema: Kultur, Politik, Wirtschaft, Zukunftspläne | Kommentare (1) | Autor: Olaf Sander

Kein Bock auf Bashing

Dienstag, 23. März 2010 16:31 | Autor: Olaf Sander

Vielleicht wundert es dich, dass hier im Blog zur Zeit relativ tote Hose beim Polit-Bashing herrscht. Der Grund dafür ist einfach; ich bin müde.

So oft habe ich mich über die hauptsächlich deutschen Politkasper aufgeregt, gegen, und ganz selten auch mal für sie, argumentiert. Ich habe die Polemik bemüht und mich in Sachlichkeit geübt. Ich war laut und direkt, habe sie mit der verbalen Faust mitten in ihre feisten Fressen geschlagen und ich war leise und diplomatisch, mit respektvoller Anrede, sauberer Argumentation, politisch korrekter Botschaft und am Schluss mit einem höflichen Abschied, damit sie ihr Gesicht nicht verlieren.
Ich habe das was ich dachte und wissen wollte irgendwo in den virtuellen Raum gerufen und ich habe verschiedene Politiker im Laufe der Zeit direkt kontaktiert. Wenn ich dann doch mal eine Antwort erhielt, beispielsweise wenn ich direkt in deren Blog geschrieben habe, war die Antwort erstens nichtssagend und zweitens recht schnoddrig. Wirklich zugehört und nachgedacht hat keiner.
Damit habe ich auch nicht gerechnet. So naiv bin ich nicht, denn schließlich haben Politiker ja viele furchtbar wichtige und verantwortungsvolle Aufgaben zu erledigen und deshalb nur ganz wenig Zeit. Wer bin ich denn?
Aber ich hielt es eben auch nicht für ganz ausgeschlossen. Im letzten Winkel meines Hirns saß ein Häufchen Hoffnung und hoffte. So viel Naivität musste dann doch sein. Woran sonst hätte ich mich festhalten sollen?

Und jetzt?

Jetzt fällt mir nichts mehr ein. Was soll ich denn noch sagen zu solchen Figuren wie Westerwelle, Rösler, Röttgen, die beiden Köhlers…?
Was kümmert´s den Mond, wenn ihn die Hunde anbellen?
Siehste.

Wenn das eigene Leben gefühlt Bergfest feiert, beginnt man schonmal in den Rückspiegel zu schauen und zu überlegen, welche Ziele man erreicht hat. Und da habe ich für mich festgestellt, dass es meine Nerven sind, meine Zeit und mein Potential, was ich gegen nichts eintausche, wenn ich mich über diese ausgemacht korrupten und fachlich unfähigen Leute echauffiere.
Die Erkenntnis ist, du wirst jetzt vielleicht lachen, dass Politiker nicht dafür da sind, die Probleme unserer Zeit zu lösen. Sie sind dafür da, uns irgendwelche Strategien zu verkaufen, diese durchzusetzen und mindestes den Status quo zu erhalten. Niemand wird Politiker, weil er ein Philanthrop ist. Philanthropen haben keine Chance politisch erfolgreich zu werden – und wenn doch, werden sie erschossen.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet diejenigen das Volk vor sich selbst und seinen negativen Eigenschaften schützen sollen, die selbst vor allem nur wegen dieser Eigenschaften auf die politischen Positionen gerückt sind, auf denen sie jetzt sitzen. Sie erwecken den Eindruck, als wären sie im Auftrag des Volkes unterwegs und gaukeln uns vor, für uns zu arbeiten. Das tun sie nicht. Wir, das Volk, müssen das begreifen.

Noch ein wir, nämlich die wilde und bunte Community der Blogger, müssen etwas begreifen, was uns unter Umständen schwer fallen wird. Das ganze Gemotze in unseren ungezählten Polit-Blogs, so berechtigt und gerechtfertigt das ist und so gut oder schlecht diese Meinungsäußerungen auch formuliert sind – das vielstimmige Gezeter nützt überhaupt nichts. Es sind ins große weite Internet hinausposaunte Meinungsäußerungen, die fast immer ohne Konsequenzen bleiben.

Der gleiche Mechanismus findet sich übrigens auch bei Demos. Da könnten sich die Stuttgarter jeder einzeln ein Tyfon um den Hals hängen und Krach machen, der Bahnhof würde ja doch gebaut.
Oder denken wir an das kriegerische Völkchen der Wendländer, die schon seit Jahrzehnten der Atompolitik Paroli bieten und in Sachen friedlicher Aufstand als Experten gelten dürften. Gorleben ist wieder aktuell und die Atomlobby reibt sich die Hände. Jeder kleine Erfolg der Wendländer war vergebens, weil so einer wie Röttgen Umweltminister geworden ist.

Und jetzt?

Aufhören ist keine Alternative. Aber vielleicht ein Ändern der Blickrichtung. Wenn du nun erwartest, dass ich mich zu einem eigenen kleinen Projekt bekenne, welches die Welt retten soll, dann irrst du. Ich halte solcherlei Versuche für reine Zeit- und Ressourcenverschwendung. Sie unterstützen geradezu die politische Kaste und deren industrielle Hintermännerlobbyisten, weil sie die Menschen beschäftigt und sie deshalb vom Denken abhält – sofern sie überhaupt noch richtig denken können. (Nein, das ist nicht arrogant. Das ist nur ein anderes Thema.)
Diese kleinen Projekte funktionieren ganz gut, wenn sie denn mal laufen, genügend Geld da ist um sie fortzuführen und sie schön klein bleiben, damit sie keine Aufmerksamkeit erzeugen. Das allein ist aber schon schwer genug. Beginnen solcherlei Aktivitäten aber an den politischen oder ökonomischen Rahmenbedingungen zu zerren, dann werden sie entweder vereinnahmt, ausgehungert oder zerstört.
Im Kleinen zu starten um im Großen etwas zu ändern ist eine Illusion. Was geändert werden muss sind die Rahmenbedingungen, in deren Grenzen sich die Gesellschaft bewegt.

Ich werde das Bashing in Zukunft noch mehr Georg Schramm, Urban Priol und den anderen politischen Kabarettisten überlassen. Die können das so viel besser als ich und sie brauchen Unterstützung. Außerdem sind sie, im Gegensatz zu mir, witzig.

Im Großen und Ganzen werde ich versuchen, die einzelnen Polit-Figuren von nun an mit Missachtung zu strafen, sie zu ignorieren und sie nicht in ihrem kurzfristigen Tun ernst zu nehmen. Sie sind es einfach nicht wert.

Ich will nach vorne sehen und nicht nach hinten oder nach oben. Ich will mal schauen was in der Zukunft so los ist. Und keine Panik, die Zukunft ist garantiert hochpolitisch.

Thema: Allgemein, Politik, Zukunftspläne | Kommentare (14) | Autor: Olaf Sander

Hungerstreik und andere Kleinigkeiten

Freitag, 12. Februar 2010 19:18 | Autor: Olaf Sander

Dieser Artikel braucht Zeit. Ich bitte euch, dass ihr sie euch nehmt und bedanke mich schon einmal recht herzlich dafür.

Natürlich geht es schon wieder um Flüchtlinge und um den Umgang unserer Gesellschaft mit ihnen. Ich will mich kurz fassen, weil es genug zu lesen und zu hören gibt.

1.

In Niederbayern protestieren in einem Lager eingesperrte Flüchtlinge mit einem Hungerstreik gegen ihre menschenunwürdige Unterbringung, Arbeitsverbot, die Entmündigung durch Essenspakete und nicht zuletzt gegen das Verbot, den Landkreis zu verlassen (Achtung! An dieser Stelle besteht die Gefahr eines Déjà-vu.)

Das tun sie jetzt, gerade und genau in diesem Moment.

Ein Artikel von Stefan Aigner von regensburg-digital.de: “Hungerstreik und andere Kleinigkeiten”

Hier könnt ihr eine Petition für die Hungerstreikenden unterzeichen.

2.

Stellt euch vor, ihr bekommt 1,91 Euro Taschengeld. Pro Woche.
Stellt euch weiter vor, ihr habt keinen Pass, keiner will euch haben/ kennen.
Stellt euch noch weiter vor, ihr müsst jetzt nachweisen, woher ihr kommt.
Und jetzt stellt euch noch vor, ihr würdet nun zu 600 Euro Strafe verurteilt werden, weil:

Der Tatvorwurf: Mein Mandant habe keine zumutbaren Anstrengungen unternommen, um im Rahmen seiner, so wörtlich “Mitwirkungs- und Initiatvipflicht die Feststellungen der sierreleonischen Botschaft zu widerlegen und insoweit die für eine Abschiebung erforderliche Passbeschaffung zu fördern”

Die ganze Story gibt es in Udo Vetters lawblog zu lesen. “Die eigene Abschiebung nicht gefördert”

3.

Last but not least, zwei wirklich hörenswerte Podcasts, die ich euch nur allerwärmstens empfehlen kann.

Das Schweizer Radio DRS gibt in einer sehr guten Radioreportage einen guten Überblick über die verschiedenen Orte, Menschen und Maßnahmen gegen die Flüchtlinge am Mittelmeer. Es ist gut möglich, dass ihr am Ende ein Gefühl der Wut
und oder Ohnmacht verspürt.

Fehlende Strategien für die Flüchtlinge am Mittelmeer

(Zuerst veröffentlicht: 22. August 2009, 09:08 Uhr, DRS 2, Länge: 30:00 Minuten)

Ein anderer Beitrag kommt von “Deutsche Welle”. Es ist ein Interview mit Elias Bierdel, der sich zur Recht über den Schandprozess an sieben tunesischen Fischern echauffiert, die dafür verurteilt werden, weil sie 44 Flüchtlingen das Leben retteten.

(Elias Bierdel von “borderline europe” im Interview

(Zuerst veröffentlicht: 2010, Deutsche Welle, Länge: 05:33 Minuten)

Thema: Medien, Politik, Zukunftspläne | Kommentare (4) | Autor: Olaf Sander

ELENA – Denn sie wissen genau, was sie tun.

Sonntag, 17. Januar 2010 18:00 | Autor: Olaf Sander

Einer der am häufigsten gehörten Sätze, wenn es um die Vorratsdatenspeicherung geht, ist:

Ich habe doch nichts zu verbergen!?

Dieser Satz ist das Resultat einer weitverbreiten und naiven Fehleinschätzung, die dem Bürger tagtäglich mit allem propagandistischen Raffinement tröpfchenweise eingeflößt wird. Die neueste Errungenschaft im staatlichen Kampf gegen die informelle Selbstbestimmung ist ELENA.
ELENA ist ein Verfahren, mit dem zukünftig in Deutschland Einkommensnachweise elektronisch erfasst werden sollen. Die Botschaft ist, dass der bürokratische Kampf des Einzelnen leichter würde und Abzocker von Sozialhilfe und anderen Leistungen, wie z. B. “Florida-Rolf”, es viel schwerer hätten, auf Kosten der Gemeinschaft zu nassauern. Die Erklärungen klingen gut und der Bürger ist dafür, denn warum sollte er etwas dagegen haben? Dabei geht es um vielmehr, als dem Bürger weis gemacht wird.

Politmagazin Monitor vom WDR, am 07.01.2010:

Alle Arbeitgeber müssen seit dieser Woche an einen Zentralrechner der Deutschen Rentenversicherung die Daten ihrer Arbeitnehmer übermitteln. Die Höhe des Gehalts, die Fehltage, Abmahnungen und Kündigungen. Die Daten werden jeden Monat für den Fall gesammelt, dass ein Arbeitnehmer mal Arbeitslosengeld, Wohngeld oder Elterngeld vom Staat beantragen könnte, oder andere Sozialleistungen.

Der bürgerliche Irrtum liegt darin begründet, dass die Selbsteinschätzung eben nur eine Selbsteinschätzung ist. Die Fremdeinschätzung, also das was andere, wie z. B. der Staat und seine Institutionen oder der eigene Arbeitgeber, über den braven Bürger denken, blendet der brave Bürger dabei aus. Und um so mehr der Staat über den einzelnen Bürger weiß, um so mehr denkt er – mit fatalen Folgen für den Bürger. Denn dieser ist nicht immer brav, er macht hin und wieder Fehler, begeht Dummheiten oder hat schlicht und ergreifend eine andere Meinung als die, die von ihm erwartet wird.

Wer aber eine andere Meinung hat, hat es schwer in unserer von Mainstreams gejagten Gesellschaft. Er eckt an, wenn er nicht auf der Linie des Chefs ist und er bekommt staatlich verordnete Prügel, wenn er sich in Gorleben vors Tor setzt, damit Castor-Transporte wenigstens keine freie Fahrt haben. Der Staat erfährt Dinge, die ihn nichts angehen, die aber ein sehr genaues und individuelles Bild des Einzelnen zeichnen. So gesehen ist ELENA die kleine Schwester der Stasi, denn am Ende bleibt es sich gleich, ob man von Menschen oder von Datenbanken ausspioniert wird.

Das ELENA-Verfahren ist ein sehr modernes und subtiles Werkzeug der Spaltung (Divide et impera), was sich darin zeigt, dass es sogar Freitextfelder für die Arbeitgeber gibt, in denen sie ihre höchst subjektive Sicht der Dinge oder über den Mitarbeiter – der ja auch Bürger ist – eintragen können. Da braucht es nicht mal mehr eine Unterschrift für eine “freiwillige Mitarbeit als IM”, denn die Denunziation ist eine Dienstleistung der Unaufrichtigen, Hinterhältigen und Rückgratlosen – und zwar in jeder Gesellschaft, in jedem politischen System und zu jeder Zeit.

Das Ziel ist nicht der gläserne Mensch alleine, sondern und vor allem seine damit einhergehende Erpressbarkeit, wie der unten eingebettete Beitrag von Monitor so eindrucksvoll darstellt.
Während der Staat seine Bürger von vorne mit Subventionen erpresst, greift er ihm von hinten in die Taschen und fordert seine Steuern, weil die Subventionen ja schließlich auch bezahlt sein müssen.

Ab hier lautet die Botschaft dann “Spiel mit oder du verlierst dein Recht auf Unterstützung” und der Staat, gesteuert von Lobbyisten, wird zum Sklavenhalter, der sich selbst für seine Menschlichkeit lobt, weil er seinen Sklaven ein paar Hütten baut und ihnen eine warme Mahlzeit täglich vorsetzt.

Thema: Politik, Wirtschaft, Zukunftspläne | Kommentare (2) | Autor: Olaf Sander

Elena kommt auch mit

Sonntag, 22. November 2009 12:13 | Autor: Bernd

auf unseren Weg in den Überwachungsstaat.

Die Mautbrücken für den LKW Verkehr wurden zu Universalüberwachungseinrichtungen der Autobahnen, die Bezahlsysteme sollen zentral die Daten unsere Ausgaben abliefern, alle Bahnhöfe nach dem bayrischen Hermann videokontrolliert sein und jetzt gehts auch mit den Einkommen los. Das Elena-Verfahren startet.

Ab dem 01.01.2010 müssen Arbeitgeber alle Gehaltsdaten und Arbeitnehmerdaten von Mitarbeitern elektronisch an eine zentrale Speicherstelle senden, voraussichtlich ab 01.01.2012 bekommen alle Arbeitnehmer die entsprechenden Chipkarten. Dann sollen auch die weiteren “Einkommen” einbezogen werden, also Arbeitslosengeld 1, das Erziehungsgeld sowie das Wohngeld.

Die innenpolitische Sprecherin der FDP Piltz meinte im Juni noch “Die Bundesregierung, die in den letzten Wochen angeblich noch so um den Datenschutz bemüht war, hat ein neues Datenmonster auf den Weg gebracht. ELENA müsste eigentlich stehen für elektronische Langzeiterfassung nahezu aller Bürgerinnen und Bürger, denn mit ELENA entsteht eine zentrale Riesendatei.”

Und nun, macht die FDP da mit oder wird sie noch aktiv, sie regiert ja jetzt mit.

Thema: Allgemein, Politik, Zukunftspläne | Kommentare (2) | Autor: Bernd

Zukunftspläne 4: Hobby-Überwachung von zu Hause aus

Sonntag, 15. November 2009 20:31 | Autor: Olaf Sander

Großbritannien ist mittlerweile faktisch ein Überwachungsstaat, wie ihn George Orwell nicht hätte besser beschreiben können. Und, typisch britisch, wenn man denkt es geht nicht mehr, legen sie noch einen oben drauf.

Wie SPIEGEL ONLINE in einem knapp drei Minuten langen Video berichtet, plant ein britisches Unternehmen namens “Internet Eyes”, dass jeder EU-Bürger (!!!) bis zu vier Kameras gleichtzeitig beobachten kann – selbstverständlich live. Man muss sich nur anmelden.

Aber nicht nur das, denn wer kann und hat, kann damit auch noch 1000 britische Pfund im Monat verdienen. Einfach gucken und jeden dieser auf Video gebannten Verbrecher anzeigen, mehr muss der aufmerksame IM, ähm Zuschauer, gar nicht tun.

Neue Zeiten schaffen eben auch immer neue Einkommensquellen.

Thema: Computer & Internet, Kultur, Zukunftspläne | Kommentare (0) | Autor: Olaf Sander

Zukunftspläne 3: Bluten für den Job

Samstag, 31. Oktober 2009 17:46 | Autor: Olaf Sander

Es gibt Dinge, die sind so persönlich, dass sie einfach mal niemanden etwas angehen. Dazu gehört zum Beispiel mein Blut.
Der großen Mehrheit der Menschen mit denen ich zu tun habe, dürfte mein Blut wohl völlig egal sein, solange es nicht aus meiner Nase heraus auf ihren Teppich tropft. Meine Ärztin bekundet hin und wieder Interesse an meinem Lebenssaft und ich gestehe ihr das auch zu, weil sie die besseren Argumente hat und nichts erzählen darf. Auch die beste Ehefrau von allen darf mich aus gutem Grund danach fragen und sollte ich mal so blöd sein und besoffen Auto fahren, so will ich vorsorglich geloben, den Beamten keinen Stress beim Sammeln der Beweise zu machen (sofern ich das dann überhaupt noch kann). Für alle anderen ist aber spätestens mit der Blutgruppe meine informelle Offenherzigkeit beendet. Es besteht nämlich, so viel sagt mir mein medizinisch-laienhaftes Halbwissen, viel zu viel Spielraum für unvorteilhafte Interpretationen zu meinen Lasten.

Ganz am medialen Tellerrand und nur ziemlich leise, hört man neuerdings von zumeist großen und auf den ersten Blick schönen Unternehmen, die Bewerber nur dann einstellen, wenn sie neben den Zeugnissen, Qualifikationen und google, auch noch das Blut des Aspiranten durchleuchten können. Das scheint schon seit längerem so Usus zu sein und sich zu einem wirksamen Instrument der Auswahl in modernen HR-Abteilungen zu mausern. “HR” steht übrigens für Human Ressources, also menschliche Ressourcen. Noch Fragen?

Selbstverständlich, so mühen sich die ertappt wirkenden Unternehmen zu überzeugen, geschieht das Ganze im Interesse der zukünftigen Mitarbeiter und ihrer Gesundheit. In manchen Fällen in der beruflich vielfältigen Welt ist das sicher von Nöten, denn wer will schon mit einem bekoksten Piloten in den sauer ersparten Pauschalurlaub reisen oder von einem von Medikamenten abhängigen Apotheker beraten werden? Es reicht ja nun wirklich, dass auf dem Bundestagsklo fröhlich vor sich hin geschnieft wird.
Es ist also keine Frage, dass es Arbeiten gibt, in denen der klare Kopf und die gute Gesundheit wichtig sind und das auch überprüft und bestätigt sein muss. Aber es braucht klare Regeln für den Umgang mit diesen Daten. Das einzige aber was hier klar ist, ist, dass nichts klar ist.

Wenn bspw. die Betriebsärztin von Beiersdorf bei der Blutentnahme von „Standardprocedere“ spricht, lohnt es sich hellhörig zu werden, denn dann stimmt da etwas nicht. Warum, wie z. B. bei Merck, muss ein Bewerber für eine Verwaltungstätigkeit bluten? Welchen Sinn hat das? Daimler beruft sich auf die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers, wenn ein Arbeitnehmer bspw. Diabetes hat, weil dann auf geregelte Arbeitszeiten geachtet werden müsse. Das finde ich gut und ich kaufe Daimler sogar ab, dass sie das ernst meinen und sich danach richten.

Aber neben dem Befund Diabetes kann auch festgestellt werden, ob sich der Kanditat gesund ernährt oder ob er ein Fan von Mc Donalds ist. Mann kann auch sehen, ob er auf seinem letzten Kurztripp nach Holland einen Joint geraucht hat oder ob er prädestiniert für bestimmte Krankheiten ist. Eine Beiersdorf-Sprecherin verneint allerdings, das Diagnosen “auf Schwangerschaft, Aids, Drogen, Gendefekte und Tumore” gestellt würden. Selbstverständlich.

Selbstverständlich ist, dass das keiner kontrolliert. Selbstverständlich können Bewerber die Blutentnahme auch ablehnen, das Recht dazu haben sie. Die Realität, auch das ist selbstverständlich, sieht anders aus. Allein die Ablehnung macht verdächtig und könnte dafür sorgen, dass all die Mühen einer Bewerbung, wie bspw. sich im Assessment-Center von der besten Seite zu zeigen, für umsonst waren. Und so gilt wiedereinmal die Frage „Wer will da was von wem?“, oder anders gesagt, wen sollte das noch aufregen in Zeiten der galoppierenden Arbeitslosigkeit?

Was mir dabei Sorge bereitet ist die Tatsache, dass alles was machbar ist, auch gemacht wird. Die Rechtsprechung ist von jeher gegen so etwas machtlos, denn die einzigen Gesetze die hier gelten sind die Naturgesetze. Man darf sich bei seinem Tun halt nur nicht erwischen lassen. Beispiele dafür gibt es genug und so wie sich Herr Daimler oder Frau Beiersdorf darstellen, scheint es ihnen schwer zu fallen, die möglichen und interessanten Mehrinformationen über ihre Bewerber zu ignorieren. Das für sie das große Fressen vor der Moral kommt, ist hinlänglich bekannt.

Die Konsequenz ist, dass solche Firmen wie Beiersdorf, Merck oder Daimler wohl kaum mit einer Bewerbung von mir zu rechnen haben. Sie werden das verkraften, da bin ich mir sicher. Ich aber erspare mir im Gegenzug das Wettrennen und bringe lieber meinen besoffenen Chef nach der Betriebsfeier nach Hause. Das ist zwar auch nicht angenehm, dafür aber wenigstens menschlich.

Thema: Kultur, Wirtschaft, Zukunftspläne | Kommentare (1) | Autor: Olaf Sander

Was ist das für eine Zeit?

Mittwoch, 14. Oktober 2009 19:51 | Autor: Jochen

Da mein ich jetzt nicht das jetzt, das Heute, wo ich auch mal hier schreibe, eher den Zeitraum im allgemeinen und diese Woche im Speziellen.
Schreiben könnt ich ja öfters was, doch gibt’s auch viel anderes zu tun als sich über die Unmöglichkeiten aufzuregen, die da tagein- tagaus auf mich einprasseln. Doch heute ist’s so weit, nach dem Start letzte Woche hier wird’s für diese schon wieder zuviel.

Raus damit.

Es reicht, die Ressourcen sind verbraucht, der Schwamm ist voll für diese Woche noch mehr aufzusaugen und zu ertragen.
Montag Morgen ging´s los mit der Sarrazin Diskussion im dlf Radio, wo doch erschreckend viele Zuhörer meinten, dass man “das endlich mal sagen” musste, das mit den Ausländern, die die “Babys produzieren” und vom Kindergeld fürstlich leben. Dem Abschalten nahe ertrug ich die Beiträge. Wo sind wir da hingedriftet?
Dass arrogante Kreise des “Bürgertums” solche Ansichten teilen, ist ja fast zu erwarten, dass sie als Bundesbankler so laut ausgesprochen werden, nicht unbedingt, aber die sonst doch recht aufgeschlossenen Hörer, die normalen Menschen, dass es durch soviel unterstützt wird? Ne.
In der Kreisstadt hier werden die Gymnasiasten von Rechts auf der Strasse angegriffen, woanders schiessen sie sich nieder und im Radio sowas.
Hat das Volk alles vergessen? Ist’s echt schon solange her?

Dann das liebe Geld, überall fehlt es, Leute hier machen Kurzarbeit, es geht wenig, doch die Schwarzarbeit auf den Dächern am Wochenende und Abends.
Und der Stabilitätspakt wird mal so richtig breit gebrochen werden. 20 Länder auf der Liste, allen voran aber die Insel der Queen mit 12,5 % Neuverschuldung, Tendenz steigend. Na zumindest haben sie keinen Euro und aus der EU austreten wollen sie ja vielleicht auch.

Doch Geld kann man drucken, entwerten und neu entwerfen. No prob. Solange die Leute was zu essen haben, kann man viel machen.
Was leider gar nicht mehr geht, ist die andere Nachricht von der Insel, nicht wirklich neu, wenn man aufmerksam mitliest, aber drastisch und pessimistisch. Das mit dem Klimawandel kommt, unaufhaltbar und schneller, drastischer und all die Zeitpläne sind falsch. Wenn’s nur ein bisschen schlimm werden soll, dann müssen 2030 schon alle klimarelevanten Emissionen auf NULL zurückgefahren sein. Und das ist wirklich nicht einfach und trivial. Und 20 Jahre sind schnell um, wie ich mit meinen 42 Jahren grad stark merke.
Grad wenn wir das mal so zusammenfügen, das fehlende Geld auf der einen Seite, die Gewinne der Banken, die trotzdem gemacht werden, die Milliarden für die Atomkraftrisiken, das nach Sibirien verschobene Uranhexafluorid der Franzosen, – ach ne, Deutsches müsste ja da auch dabei sein und die Neubauten an Kohlekraftwerken, nein nicht die in China, die bei uns mein ich.
Und Nullemission bedeutet ja mehr, als nur keine Kohle mehr zu verbrennen.
Um da halbwegs neutral zu werden, muss schon heute aktiv CO2 aus der Luft gefischt werden, denn vieles wird so einfach nicht zu ersetzen sein. Wer tut’s?
Mal sehen, grad Mittwoch Abend geworden, die Woche ist noch nicht rum und es kommen bestimmt noch weitere Hämmer, grad weil’s irgendwie ruhig wurde, da aus der Berliner Ecke.

Thema: Allgemein, Zukunftspläne | Kommentare (3) | Autor: Jochen

Zukunftspläne 2: Jean Sarkozy tritt in Vatis Fußstapfen

Dienstag, 13. Oktober 2009 15:30 | Autor: Olaf Sander

23 Jahre alt, zwei Jahre Jurastudium – selbstverständlich abgebrochen – verheiratet mit einer Millionärstochter, von Beruf Sohn des Präsidenten. Jean Sarkozy, der Abkömmling von Nicolas Sarkozy “macht” jetzt in Politik und Wirtschaft. Und das macht Angst.

Frankreich sieht sich in Gefahr und zwar in der, zu einer Bananenrepublik zu verkommen. Der Grund dafür liegt in der personellen Auswahl für einen äußerst prestigträchtigen und einflußreichen Posten, denn den soll kein geringerer besetzen, als oben genannter Sohn.

Wie Zeit-Online schreibt, soll er Verwaltungsratschef einer öffentlichen Entwicklungsgesellschaft werden, die für ein großes Pariser Geschäftsviertel verantwortlich ist. Dort sind so namhafte Unternehmen wie Areva, Axa, IBM oder Total angesiedelt und mehr als 150.000 Menschen beschäftigt.

Wie wird seine Karriere, wenn er damit durchkommt, wohl weiter gehen? Erstmal ein bisschen in der Wirtschaft erpressen – Pardon – netzwerken und dann die große Politik? Kann man da einen einen außenpolitischen Verhandlungspartner der Zukunft sehen?

Mal ehrlich, das macht doch Angst. Oder?

Thema: Kultur, Politik, Wirtschaft, Zukunftspläne | Kommentare (2) | Autor: Olaf Sander

Zukunftspläne 1: sechs YouTube-Musik-Videos im Blog kosten € 130

Mittwoch, 7. Oktober 2009 22:24 | Autor: Olaf Sander

Es gibt Gesellschaften in der Menschen wie Komponisten und Textdichter vereinigt sind und die als quasi-gewerkschaftliche Organistationen auftreten, damit die Kunst und die Arbeit von eben jenen Künstlern nicht von vornherein als brotlos verworfen wird. In Deutschland gibt es die GEMA1, in den Niederlanden die Buma/Stemra2.

Die Buma/Stemra hat jetzt eine Idee vorgestellt, die nicht nur jegliche Sachkenntnis vom Medium Internet vermissen lässt, sondern einfach nur unverschämt daherkommt.
Wie der Blog toomuchinformation.de schreibt, plant die Gesellschaft, bei den Bloggern für sechs eingebundene YouTube-Musik-Videos 130 Euro abzukassieren, wobei abzocken wohl die passendere Vokabel dafür sein dürfte.

Im Fachjargon heißen diese Institutionen Verwertungsgesellschaften, vermutlich deshalb, weil sie verwerten – und zwar die Kunst. Allerdings ist das, was hier wohl Hinten rauskommen wird, alles andere als fruchtbar. Zumindest entsteht dieser Eindruck, wenn man sich dieses “Vorhaben” der Buma/Stemra anschaut. Denn wenn etwas klar ist, dann wohl nur, dass kaum ein Mensch so blöd sein wird so viel Kohle für ein paar Musikvideos zu bezahlen.

Denn auf die Videos kann man gerne verzichten. Für die Musik gibt es USB-Sticks.

  1. GEMA: Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte
  2. Buma: Bureau voor Muziek-Auteursrechten, Stemra: Stichting tot Exploitatie van Mechanische Reproduktierechten voor Auteurs

Thema: Allgemein, Zukunftspläne | Kommentare (0) | Autor: Olaf Sander