Beitrags-Archiv für die Kategory 'Politik'

Keine Wal vor dem bösen Erwachen?

Dienstag, 22. Juni 2010 20:04 | Autor: Olaf Sander

Wir Menschen sind schon eine komische Spezies. Wir zerstören oftmals das, was wir lieben und brauchen. Viel zu häufig tun wir das völlig sinnfrei. Es hat nämlich keinen Sinn, die Welt nach Diamanten umzugraben, nur weil irgendwann einmal irgendwer gemeint hat, es gäbe nichts wertvolleres, als Diamanten.

Genauso wenig ist es sinnvoll Öl aus der Tiefsee zu holen, obwohl wir von der Tiefsee weniger wissen, als vom All und alle Energie die wir benötigen aus dem All kommt und wir sogar so clever sind, sie einzufangen und zu nutzen.

Am allerwenigsten aber ist es sinnvoll, Wale zu töten um sie zu essen, oder wie die Japaner es nennen, wissenschaftlich zu untersuchen. Sicherlich muss man bei Völkern eine Ausnahme machen die sich aus gutem Grund von Walen ernähren, aber auch nicht mehr jagen, als sie brauchen, wie die Innuit z. B.

Andererseits fliegen wir bis zum Mond, also nicht alle, aber ein paar von uns, weshalb es sicherlich auch noch andere Möglichkeiten gäbe, diese Völker mit den für sie nötigen Nährstoffen zu versorgen. Aber sei´s drum. Weder Island noch Norwegen und schon gar nicht Japan müssen Wale fangen. Es gibt einfach keinen Grund dafür, Traditionen hin, Traditionen her.

Dieser Tage tagt in Marokko die Internationale Walfangkommission (IWC) und es bestehen gute Chancen, dass das seit 1986 bestehende Verbot des kommerziellen Walfangs fallen könnte. Passiert das, erleben wir vor dem bösen Erwachen nochmal eine große Fettlebe, einen gierigen Tausch von Leben in Geld. Und all das nur, weil Traditionen angeführt werden, um einem “Genuss” frönen zu können. Mir sind die Wale wichtiger, als – ich bitte um Entschuldigung für die Wortwahl – beschissene Traditionen, die die Welt nicht besser, sondern nur schlechter machen.

Einer, der sich seit längerem für den Schutz der Wale einsetzt und die Welt besser macht, ist Mario Adorf. Er hat einen Spot gedreht, in dem er, der wunderbare Vorleser, die Geschichte von Jenny erzählt. Ihr solltet sie Euch anhören.

English version

Ich bin davon überzeugt, dass die Wale fangenden Länder vielstimmig hören müssen, wie sehr wir, und vor allem die Wale, auf deren dümmliche Traditionen verzichten können. Eine der Organisationen die diese Stimmen bündeln ist Avaaz.org.
Avaaz hat mir heute Mittag geschrieben, dass nur noch 72 Stunden Zeit bleiben, bis die Entscheidung fällt. Da hatten schon 800.000 unterschrieben. Das Ziel war 1 Millionen. Jetzt sind es schon über 1.040.000.

Das heißt aber nicht, dass damit alles gut ist, denn jede Stimme zählt und weit übertroffene Zielsetzungen machen glücklich. Also, macht Euch und die Wale glücklich und unterschreibt.

Vielen Dank dafür.

Thema: Allgemein, Politik, Umwelt, Wirtschaft | Kommentare (2) | Autor: Olaf Sander

Sind Italiener unmenschlich?

Sonntag, 20. Juni 2010 23:56 | Autor: Olaf Sander

Gut, ich gebe es zu. Die Frage in der Überschrift ist herb und purer Populismus. Natürlich sind die Italiener nicht mehr oder weniger menschlich als andere Völker auf diesem Planeten. Aber anderseits ist es in dieser Zeit, in der Fussball und schwedische Hochzeiten mehr mediale Aufmerksamkeit bekommen als verdient, gar nicht so schlecht, mal ein bisschen zu pauschalisieren und zu polemisieren. Es hat sich nämlich noch immer nichts verändert an der Problematik mit den afrikanischen Flüchtlingen am Mittelmeer.

Zitat: www.tagesschau.de vom 20.06.2010

17. Juni: Ein Boot mit Dutzenden Flüchtlingen an Bord setzt vor Sizilien ein Notsignal ab. Eine Suchaktion der Küstenwache mit Schiffen und Hubschraubern bringt kein Ergebnis.

18. Juni: Im Hafen von Bari entdeckt der italienische Zoll in einem Lastwagen zehn illegale Einwanderer aus Afghanistan und dem Iran. Der Lkw kam mit der Fähre aus Griechenland – dorthin werden die Männer zurückgebracht

18. Juni: Auf der Insel Linosa finden Carabinieri 14 Bootsflüchtlinge mit noch nassen Kleidern.

Das Morden geht weiter. Jeden Tag. Es gibt nach wie vor keine Lösung für dieses Problem. Nur eine Strategie. Und die heißt abschirmen und abschieben.

Vorher stellt man aber die Flüchtlinge erst noch mit Medikamenten ruhig, freilich ohne ihnen Toilettenpapier und Seife zu geben.

Hier in Europa.

Jetzt.

Wer nicht glauben möchte wie erbärmlich diese Menschen leben müssen, oder wer generell auf Dystopien steht, der schaut sich bitte diesen aktuellen Beitrag von SPIEGEL-TV an. Wer aber nicht sehen oder wissen mag, was Menschen Menschen antun, der guckt weiter Fußball. Oder Hochzeit. Je nach dem, was ihm wichtiger ist.

Thema: Kultur, Politik | Kommentare (0) | Autor: Olaf Sander

Rücktritt ersetzt Verantwortung

Montag, 31. Mai 2010 18:20 | Autor: Olaf Sander

Plötzlich und völlig unerwartet ist unser geliebter Bundeshorst Köhler von uns gegangen. Das heißt, er ist zurück getreten. Weil nämlich der Respekt vor seinem Amt fehlt, sagt er.

Aha.

Wenn bald noch eine Ratte unerwartet das Schiff verlässt, sollten wir mal nachschauen, ob der Seelenverkäufer namens “Deutschland” nicht gerade dabei ist abzusaufen.

Thema: Politik, Wirtschaft | Kommentare (8) | Autor: Olaf Sander

“das internet ist wie guerilla-krieg.”

Samstag, 29. Mai 2010 16:59 | Autor: Olaf Sander

“wenn ich im einen tal nicht weiterkomme, mache ich an der nächsten steige weiter.”

Der, der das sagt, nämlich Veit, hat keinen blassen Dunst von der technischen Seite des Internets. Er ist, was das betrifft, wie du und ich ein DAU. Das würde ihn und alle anderen technischen DAU – hörte man an dieser Stelle auf mit dem Denken – gleich machen mit jenen Politikern, Soziologen und anderen selbsternannten Experten, die da meinen und fordern, man müsse die Kinder der Gesellschaft vor gewissen Erkenntnissen, Tatsachen, Einflüssen, Meinungen und vielem mehr beschützen, damit sie keinen Schaden nähmen.

Zum Glück hört Veit an dieser Stelle nicht auf mit dem Denken. Und zum Glück hat er ein großes kulturelles Verständnis für das Internet und kennt sein ideelles Wesen. Das unterscheidet ihn wirklich sehr von den Politikern, Soziologen und anderen selbsternannten Experten.

Ihr solltet deshalb unbedingt seinen Artikel “das internet und die meinungsfreiheit” lesen. Da macht er nämlich deutlich klar, dass es der Politik nicht darum geht die Kinder zu schützen, sondern ausschließlich sich selbst.

Um das zu verstehen braucht es kein technisches Verständnis. Nur den Mut zu Ende zu denken und das Ergebniss des Prozesses auszusprechen. Sonst war´s das nämlich mit der Meinungsfreiheit.

Danke Veit.

Thema: Computer & Internet, Kultur, Medien, Politik, Zukunftspläne | Kommentare (2) | Autor: Olaf Sander

Alles Porno oder was?

Donnerstag, 27. Mai 2010 19:06 | Autor: Olaf Sander

Der AK Zensur hat eine richtig gute Idee gehabt und gleich mal umgesetzt. Jeden Tag stellen sie eine Internetseite vor, die, dafür müssen Betreiber eine Internetseite ja vielleicht bald Sorge tragen, nach dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) eine Altersfreigabe bekommen muss. Nach diesem Gesetz muss nämlich geprüft werden, ob die Seite für Kinder Entwicklungs- oder gar Erziehungsbeeinträchtigend ist.

Die Frage, die der AK Zensur an seine Leser stellt, ist, wie diese einschätzen, ab wann diese Seite freigegeben werden sollte. Am nächsten Tag, hier also morgen, verrät der AK Zensur dann die Einschätzung von fachlich versierten Medienpädagogen, die die Seite danach beurteilen, wie sie nach dem neuen Gesetz beurteilt werden müsste. Ob das aus medienpädagischer Sicht sinnvoll ist oder nicht spielt dabei – wie so oft bei neuen Gesetzen – keine Rolle. Jeden Tag folgt eine neue Seite mit dem gleichen Ablauf. Vorschläge können gerne gemacht werden.

Die heute vorgestellte Seite beschäftigt sich mit Intimrasuren und existierte schon in Zeiten des Usenet.

Bitte beurteilt selbst und helft dem Arbeitskreis, so viel Feedback wie nur möglich zu erhalten.

Danke.

(vie Fefe)

Thema: Computer & Internet, Kultur, Medien, Politik, Zukunftspläne | Kommentare (5) | Autor: Olaf Sander

Heute so und morgen so und übermorgen anders

Samstag, 22. Mai 2010 19:32 | Autor: Olaf Sander

Keine drei Wochen ist es her, da ist der Schäuble noch mit vollem Karacho seinem Kumpel Ackermann hinten rein gefahren.

Ohne Ackermann…
Ach, die Krise hätte uns eiskalt erwischt.

Und heute?
Heute brennt die Luft.

25% Rendite können produzierende Unternehmen nicht leisten, sagt Schäuble.

Und deshalb (be)schließt er, dass sich die Finanzwelt nur um sich selbst dreht.

Was man daraus lernen kann?

Nicht viel.

Außer vielleicht, dass der deutsche Finanzminister ein Opportunist ist.

Thema: Politik, Wirtschaft | Kommentare (0) | Autor: Olaf Sander

Georg Schramm über den Krieg Geld gegen Staaten

Samstag, 15. Mai 2010 14:20 | Autor: Olaf Sander

Ohne Zweifel, für die Kabarettisten Georg Schramm und Urban Priol aus der ZDF-Sendung „Neues aus der Anstalt“ empfinde ich große Hochachtung. Nicht nur, dass sie sich mit beinahe jeder Sendung selber toppen, was an sich ja schon außerordentlich ist, nein, sie reißen all die mühsam aufgebauten Bekundungen, Versicherungen und Versprechen der wirtschaftlichen und politischen „Elite“ 1 ein – gnadenlos, klar, eindeutig und vernichtend. Im ZDF!

Für das, was Georg Schramm als Oberstleutnant Sanftleben in dieser Sequenz aus „Neues aus der Anstalt“ zeigt und sagt, wäre vor zwei Jahren noch jeder sofort in die Ecke der Verschwörungstheoretiker gestellt worden. Und heute? Heute lohnt es sich die kurzen Einblendungen von den Zuschauern im Studio zu studieren. Man kann die Gänsehäute, den Schauder und den sich zur Wahrheit manifestierenden Erkenntnisgewinn bei so einigen Leuten im Publikum sehen.

Das die Welt mit ihrem Geld erpresst wird und dieses Geld nicht nur als Tauschmittel, sondern auch als Massenvernichtungswaffe fungieren kann, ist längst keine Verschwörungstheorie mehr. Diese Wahrheiten, so deutlich ausgesprochen, hört man aber nur von Schramm, Priol & Co. und nicht aus dem millionenteuren Studio der heute Redaktion. Das erklärt im Übrigen auch die Reaktionen der Zuschauer.

Wer also wissen will, woher das mit Sicherheit kommende Desaster in der Weltökonomie kommen wird, der meldet sich bei Oberstleutnant Sanftleben, zur Einteilung für den Dienst an der Front im ersten Weltkrieg der Finanzen.

In diesem Sinne.

Weggetreten!

Die Sendung als Podcast.

Die Sendung in der Mediathek.

  1. man beachte bitte die Anführungszeichen

Thema: Georg Schramm & Co., Politik, Wirtschaft | Kommentare (4) | Autor: Olaf Sander

Liebe Kinder gebt fein acht, so wird der Strick an eurem Hals festgemacht

Donnerstag, 13. Mai 2010 16:27 | Autor: Olaf Sander

Machen wir uns nichts vor. Die Zukunft Europas sieht düster aus. Die eine Hälfte des Kontinents steht vor dem Abgrund, die andere Hälfte ist schon ein Schritt weiter und baumelt am dünnen Strick multimilliardenschwerer „Hilfspakete“. Also muss, das ist ganz logisch, gespart werden. Die Frage ist nur wo.

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch hat sich jetzt Gedanken dazu gemacht (oder es ist ein christlich-demokratischer Testballon um zu schauen, wie weit das Volk sich dengeln lässt) und ist zu einem zu ihm passenden Ergebnis gekommen: Kindergarten und Krippenplätze sind zu teuer, Investitionen in Forschung und Entwicklung auch.

Natürlich ist das alles, würde man ihn jetzt fragen, vollkommen alternativlos. Das aber nur, weil Koch entweder nicht über den Tellerrand hinaus schauen kann, oder nicht hinaus schauen will, was daran liegen könnte, dass er anderen Herren dient als denen, die ihn gewählt haben. Würde er das tun, dann hätte er gemerkt, dass sich z. B. die Polen still und leise zum Klassenprimus Europas entwickelt haben – nämlich mit Bildung, regionaler Entwicklung und der Förderung von Innovationen.

Oder die Schweden. In den 90ern wirtschaftlich am Boden liegend, weil, wie soll es anders sein, die Banker im Land durchgedreht sind, haben die Schweden gemeinsam angepackt und nicht nur den Konsens, sondern auch nach den besten Lösungen gesucht. Sie stehen heute besser da als je zuvor und sind das Beispiel schlechthin für einen funktionierenden, gerechten und transparenten Sozialstaat. Übrigens einer, in dem Kinder und deren Bildung als Schlüssel für den Weg in die Zukunft betrachtet werden und nicht nur als Kostenfaktor.

Solcherlei sinnvolle Strategien wie in Polen oder Schweden sind bei uns aber nicht drin. Wegen Politikern wie Koch. Skrupellosen und machtgeilen Leuten, die unseren Kindern die Zukuft unter den Füßen wegziehen, weil es sie – mit Verlaub – einen Scheißdreck interessiert.

Also liebe Kinder, gebt fein acht, so wird der Koch am Balken angebracht.

Thema: Kultur, Politik, Wirtschaft, Zukunftspläne | Kommentare (1) | Autor: Olaf Sander

Für die Zeit danach…

Freitag, 7. Mai 2010 0:48 | Autor: Olaf Sander

Da hat die frisch geschmiedete “Eiserne Lady” ja wieder mal eine Losung losgelassen. Wie Arno sagt, hat die Zeit gesagt, dass unser aller Kanzlerin Angela Merkel sagt:

“Das Primat der Politik gegenüber den Finanzmärkten muss wieder hergestellt werden”

Na das ist doch mal eine Idee. Zwar nicht konkret, aber immerhin. Für Angela Merkel ist das schon erstaunlich greifbar. Zu fürchten ist allerdings nur, dass das mit ihren Untergebenen – Entschuldigung – mit den Abgeordneten, nicht zu machen ist. Denn die sind nicht in die Politik gegangen, um die Welt zu verbessern. Höchstens, um sie zu erleichtern.

Dieter Althaus, CDU. Der unaufmerksame Skifahrer ist nach seinem Abflug als Ministerpräsident Thüringens als Manager bei Magna untergekommen.

Joschka Fischer, Bündnis 90/Die Grünen. Der Ex-Außenminister berät heute so nachhaltige Unternehmen wie Siemens, BMW und unter anderem auch RWE beim Bau der Nabucco-Pipeline (Erdgas-Pipeline von der Türkei nach Österreich).

Wolfgang Clement, SPD. Aufsichtsrat von RWE Power. Berät Adecco und das Medienhaus DuMont Schauberg. Geht mittags manchmal mit Joschka Fischer essen. Selbstverständlich ökologisch.

Friedrich Merz, CDU. Ist Mitglied in mehreren Aufsichtsräten, Partner einer großen Wirtschaftskanzlei und sitzt im Verwaltungsrat der Bank HSBC Trinkaus.

Rezzo Schlauch, Bündnis 90/Die Grünen. Herr Schlauch steht scheinbar auf selbigen. Wie sonst ist es zu erklären, dass er im Beirat des Energieunternehmens EnBW sitzt, welches mehrere Atomkraftwerke betreibt?

Marianne Tritz, Bündnis 90/Die Grünen. Frau Tritz fördert seit 2008 als Geschäftsführerin des Deutschen Zigarettenverbandes die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen in der Gesundheitsindustrie.

Matthias Wissmann, CDU. War mal Verkehrsminister und ist jetzt der Präsi beim Verband der Automobilindustrie (VDA). Folgt dem Motto: Freie Fahrt für freie Politiker!

Gerhard Schröder, SPD. Seit 2006 ist der Ex-Kanzler Aufsichtsratschef des Pipeline-Konsortiums NGEP, welches die Ostseepipeline betreiben soll. An diesem veritablen Unterfangen, nämlich im hochsensiblen Ökosystem Ostsee lustige Gasblasen zu blubbern, sind Gazprom, BASF und Eon beteiligt. BP macht gerade im Golf von Mexico vor wie das funktioniert. Nur nicht mit Gas, sondern mit Öl.

Btw. Schröder hat das Geschäft mit Gazprom kurz vor der Bundestagswahl 2005 eingefädelt. Zwischen der Schröderschen Wahlniederlage, aber noch vor dem Ende seiner Amtszeit, liegt die Übernahme einer staatliche Bürgschaft für einen Kredit bei der KfW und der Deutsche Bank AG in Höhe von 1 Mrd. Euro für Gazprom.

Quelle: Handelsblatt

Thema: Politik, Satire, Umwelt, Wirtschaft | Kommentare (3) | Autor: Olaf Sander

Das Bankentribunal – Ein Feuerwerk der Argumente

Samstag, 10. April 2010 14:32 | Autor: Olaf Sander

Das ist nach meinem Geschmack. Ein Argument jagt das andere. Sachlich und doch mit Leidenschaft. Ernsthaft, aber nicht ohne Humor. Das Bankentribunal in der Berliner Volksbühne seziert die Ursachen der Finanzkrise, legt die Fehler im wirtschaftlichen und politischen System offen, nennt die Profiteure und die, die die Zeche bezahlen.

Nach meinem Empfinden liegt die Anklage in Punkten weit vor der Verteidigung. Diese aber ist eindeutig besser, was den Unterhaltungsfaktor betrifft. Verteidiger Dr. Wolfgang Kaden hat zunächst erst einmal für Emotionen gesorgt, in dem er recht provokant, und auch überzeugend, für seine Mandantenschaft argumentierte. Allerdings beschränkten sich seine Ausführungen auf die schon oft gehörten Argumente von Bankern und Politikern und folgen genau den Dogmen, die von der Anklage als ursächlich für die Krise benannt werden.

Geht die Verhandlung/ Beweisaufnahme in diesem Tempo und der wunderbaren Sachlichkeit weiter, verspricht dieses Wochenende eines der medial spannendsten des Jahres 2010 zu werden. Auch wenn man den Vormittag verpasst haben sollte, so lohnt es sich dennoch jederzeit, sich einzuklinken und der Verhandlung zu folgen.

Hier gehts zur Verhandlung

Thema: Allgemein, Geschichte, Kultur, Medien, Politik, Umwelt, Wirtschaft | Kommentare (1) | Autor: Olaf Sander

+++ Nicht verpassen! +++ Bankentribunal – Liveübertragung! +++ drei Bundesregierungen, diverse Banker, Wirtschaftsprüfer, Ratingagenturen und Meinungsmacher sitzen auf der Anklagebank +++

Freitag, 9. April 2010 15:17 | Autor: Olaf Sander

Das Bankentribunal - weil die Krise System hatVom 9. bis 11. April 2010 wird Attac Deutschland in Zusammenarbeit mit der Berliner Volksbühne ein öffentliches Tribunal durchführen, das die Ursachen des Finanzcrashs, die Beugung der Demokratie durch fragwürdige Rettungsmaßnahmen und die fahrlässige Vorbereitung neuer Krisen öffentlichkeitswirksam beleuchten soll.

Es ist kein Theaterstück, sondern ein fairer zivilgesellschaftlicher Prozess. Den Angeklagten aus Politik und Wirtschaft wurden am 27. Februar 2010 die Vorladungen zugestellt. Sie bekommen renommierte Pflichtverteidiger zur Seite gestellt, die an ihrer statt sprechen werden, falls sie nicht erscheinen. Prominente Zeuginnen und Gutachter werden mit ihren Aussagen die Praktiken von Politik und Wirtschaft erhellen. In drei Beweisaufnahmen werden individuelle Schuld und systemische Krisen aufgerollt.

Angeklagt werden drei Bundesregierungen: (Kabinett Schröder, Merkel I und Merkel II), die ihnen unterstellten Finanzaufsichten sowie Banker und Banken (besonders die Deutsche Bank), Ratingagenturen und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften.

Mehr Informationen auf attac.de.

Beginn ist heute Abend per Live-Übertragung mit einer Eröffnungsrede von Albrecht Müller, einer Lesung der Volksbühne zum Thema Banken und Beiträgen der Kabarettisten Urban Priol und Georg Schramm.

Drei Beweisaufnahmen werden im Zentrum des Tribunals stehen. Jeder Beweisaufnahme wird ein Anklägerteam zugeordnet.

1. Vorbereitung der Krise und Aushöhlung der Demokratie

  • Förderung eines krisenverursachenden Systems durch eine Politik der Deregulierung, der Umverteilung von unten nach oben und der Privatisierung
  • Erpressung des Staates und der Gesellschaft („too-big-to-fail“-System)
  • Entmachtung des Bundestages (SoFFin-Gesetz) und organisierte Geheimhaltung und Täuschung von Bundestag und Öffentlichkeit
  • Bankenrettungen auf Kosten der Steuerzahler unter Schonung der Banken/Gläubiger

2. Zerstörung der ökonomischen Lebensgrundlagen in Nord und Süd

Anhörungen zu den Schattenseiten des gegenwärtigen Weltfinanzsystems und den Folgen der Krise

  • Verschuldung und Privatisierungsdruck
  • Gesundheit und Rente
  • Arbeit
  • Globaler Süden
  • Ökologie
  • Demokratie

3. Verschärfung der Krise

  • Kein Verbot risikoreicher Finanzpraktiken und Finanzinstitutionen
  • Banken und Großkonzerne gegen Regulierungen
  • Verschärfung der strukturellen Ursachen der Krise

Die Richter/innen:

  • Dr. Jürgen Borchert, Sozialrichter
  • Prof. Friedhelm Hengsbach, Wirtschaftsethiker
  • Danuta Sacher, Geschäftsführerin Terres des Hommes
  • Prof. Karl Georg Zinn, Wirtschaftswissenschaftler

Die Ankläger/innen:

  • Prof. Elmar Altvater, Politikwissenschaftler
  • Prof. Peter Grottian, Politikwissenschaftler
  • Dr. Detlef Hensche, Rechtsanwalt
  • Astrid Kraus, Unternehmensberaterin
  • Conrad Schuhler, Leiter des Instituts für Sozial-Ökologische Wirtschaftsforschung

Die Verteidiger/innen:

  • Dr. Wolfgang Kaden, Journalist (ehem. Chefredakteur Der Spiegel und Manager Magazin)
  • Peter Wahl, WEED
  • Prof. Henner Wolter, Rechtsanwalt

Zeugen und Sachverständige:

  • Sven Giegold, MdEP
  • Barbara Happe, urgewald
  • Sony Kapoor, Re-Define, Ex-Investmentbanker (angefragt)
  • Heidi Klein, Lobby Control
  • Sabine Leidig, MdB
  • Claus Matecki, DGB Vorstandsmitglied
  • Wangui Mbatia, Menschenrechtsaktivistin aus Kenia
  • Dr. Pedro Morazán, Südwind Institut
  • Dr. Gerhard Schick, MdB
  • Harald Schumann, Buchautor und Journalist
  • Dr. Axel Troost, MdB
  • Lucas Zeise, Buchautor und Journalist
  • u. a.

Nachtrag: Das Bild und ein großer Teil des Textes stammt direkt von Attac, ein kleinerer Teil von Mediafootprint von YouTube, dem ich sehr dankbar für diesen Hinweis bin.

Ich würde mich trotzdem freuen wenn ihr davon weitererzählt und euch Teile der Übertragung anschaut. Ich mache das auf jeden Fall.

Thema: Allgemein, Georg Schramm & Co., Kultur, Medien, Politik, Umwelt, Wirtschaft | Kommentare (1) | Autor: Olaf Sander

[Update] – WikiLeaks macht “Ah!”, Herr Buhrow

Mittwoch, 7. April 2010 13:38 | Autor: Olaf Sander

Als Tom Buhrow gestern Abend in den Tagesthemen über das Video sprach, welches zeigt, wie der amerikanische Krieg gegen den Terror und für die Freiheit1 in Wirklichkeit aussieht, vermied er es diejenigen zu benennen die dafür sorgten, dass das geheim gehaltene Video ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt wurde. Nämlich WikiLeaks.

Tom Buhrow sagte zwar in der Anmoderation zu dem Beitrag, dass da ein Video “aufgetaucht” wäre, verriet aber nicht wo. Und das ärgert mich, denn ich mag Tom Buhrow und die Tagesthemen und hätte mir gewünscht, die Quelle dieser imagaschädigenden “Unerhörtheit” für die Amerikaner, die Nato und den Krieg im Allgemeinen, schon aus seinem Mund, und nicht erst innerhalb des Beitrages selbst, zu hören.
Nennt mich Kümmelspalter, aber ich meine, dass diese Kleinigkeiten zum guten Ton eines guten Journalisten gehören – jedenfalls dann, wenn der Journalist einer freien und demokratischen Gesellschaft auf dem Weg ins Informationszeitalter angehört und er eine Sendung moderiert, die als Vorbild für seriöse Nachrichten gilt und noch dazu einen Bildungsauftrag hat.

Weil WikiLeaks nicht Wikipedia ist und weil (auch aber nicht nur) Tom Buhrow es versäumt hat, die nicht ganz so internetaffinen Zuschauer über WikiLeaks aufzuklären, müssen das eben andere übernehmen.

Z. B. Buhrows KollegInnen von Kulturzeit von 3Sat vom 27. Mai 2009:

Nachdem klar ist, welche Aufgabe WikiLeaks in unserer Demokratie übernimmt und deutlich wird, dass unsere Demokratie eine schlechte Demokratie ist, weil es WikiLeaks überhaupt gibt, geben muss (!), möchte ich fragen, ob euch dieses Leck zum Erhalt der – wenigstens schlechten (immer noch besser als gar keine) – Demokratie ein paar Euro Wert ist?

Wenn ja:

Wau Holland Stiftung
Postfach 640236

10048 Berlin
Germany

Commerzbank Kassel
BLZ: 52040021
KTO: 277281204
IBAN: DE46520400210277281204
BIC: COBADEFF520

geht auch per PayPal oder Moneybookers.

Für Rückfragen wl-supporters (at) sunshinepress (dot) org

Vielen Dank für die Einzahlung.

Gefunden via daMax (Info) via Doktorsblog (Video)

[Update, 08.04.2010]

Das Medienmagazin ZAPP vom NDR (Video, 3:48) hatte gestern Abend einen Beitrag warum die Medien so zögerlich über das von WikiLeaks veröffentlichte Video berichteten. Kai Gniffke, Chefredakteur von ARD-Aktuell und Rüdiger Ditz von SPIEGEL Online, kommen darin zu Wort und erklären ihre Zwänge. Diese sind nachvollziehbar und erklären vielleicht ein wenig Tom Buhrows Zurückhaltung.

Es geht um Verifikation. Die Bilder, ob fotografiert oder gefilmt, könnten gefakt sein. Die Inhalte müssen geprüft und plausibel sein. Das ist gut, das ist richtig und nichts anderes erwarte ich von der ARD.

Allerdings…

… ist es ein Spagat zwischen Geschwindigkeit und Qualität, den die Journalisten (nicht nur) von der ARD, mit dem sich immer schneller entwickelnden Internet als “Konkurrenz”, bewerkstelligen müssen. Die Zurückhaltung bei der Verarbeitung von Informationen aus dem Netz, die Kai Gniffke im ZAPP-Video anspricht, findet ihren Ursprung in der Vorsicht, aber mehr noch im Misstrauen gegenüber diesen Inhalten.
Das Netz und die Informationen warten aber nicht auf den Qualitätsjournalismus der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Die User reagieren auf die Informationen, vertrauen der Quelle, insbesondere wenn es sich um WikiLeaks handelt, und erzählen weiter.
Das mag für viele Journalisten nach dem Untergang des Abendlandes klingen, ändert aber nichts an der Tatsache, das es so ist und sich Plattformen wie WikiLeaks ihre Glaubwürdigkeit bei den Internetnutzern verdienen, bzw. schon verdient haben. So ist nunmal das Wesen des Internets.

Das Problem hierbei ist, dass die Informationen, je mehr und je öfter sie beim Konsumenten/ User ankommen, bzw. er sie sich selber (aus) sucht, zur “Wahrheit” werden – egal ob sie wahr sind oder nicht. Die Information ist raus und macht denen das Leben schwer, die sie aus den verschiedensten Gründen lieber nicht in der Öffentlichkeit sehen würden.

Womit wir bei der Politik wären. Denn solcherlei Videos, oder auch amerikanische Strategiepapiere, wie bspw. das aus dem Hause CIA, welches darlegt wie die Deutschen oder Franzosen in Sachen Afghanistan bei der Stange gehalten werden sollen (Pdf, engl.), spucken der Politik mächtig in die Suppe. Keine Antikriegskampagne könnte wirksamer sein, als die Veröffentlichung derartiger Informationen.

Genau hier liegt für mich das Problem, warum Tom Buhrow das Wort “WikiLeaks” nicht benutzt hat. WikiLeaks ist nicht politisch korrekt. WikiLeaks macht das Handeln und die Strategien von Politik und Wirtschaft transparent. Wegen WikiLeaks haben “sie” es schwerer uns ein X für ein U vorzumachen.

Aber wie kann Tom Buhrow nun demnächst schnell auf so etwas reagieren und dennoch die journalistische Qualität wahren? Ich denke, das ist ganz einfach. Er muss doch nichts weiter sagen als:

“Der Wahrheitsgehalt dieser Informationen ist noch nicht bestätigt, aber wir haben sofort begonnen die Story zu recherchieren und halten Sie auf unserer Homepage www.tagesthemen.de auf dem Laufenden.” 2

Das erzeugt nicht nur Zuschauer, Klicks und Leser, das erhält auch die so wertvolle Glaubwürdigkeit.

Informationen über WikiLeaks, wie z. B. eine Übersicht über die bisher veröffentlichten Informationen, findet sich auf Wikipedia.

  1. Natürlich sind wir alle über diesen Ausrutscher der heldenhaften GI wahnsinnig überrascht, wer dennoch nicht sehen will, wie Menschen von diesen Helden heimtückisch und feige ermordet werden, der klickt bitte nicht auf diesen Link.
  2. oder so ähnlich… ;o)

Thema: Allgemein, Computer & Internet, Medien, Politik | Kommentare (4) | Autor: Olaf Sander

Mensch, sei doch radikal!

Dienstag, 30. März 2010 15:44 | Autor: Olaf Sander

Radikal ist ein böses Wort. Es passt nicht in unsere Zeit. Auch nicht in unsere Gesellschaft. Was radikal ist, wollen wir nicht. Wer radikal ist, macht sich unbeliebt. Radikalität macht uns Angst.

Aber warum?

Weil Radikal zwei Seiten hat. Eine gute und eine schlechte.

Radikal kommt vom lateinischen „Radix“ und bezeichnet den Ursprung, die Wurzel. Wenn jemand radikal ist, ist er entweder rücksichtslos, extremistisch, dogmatisch, gewalttätig und zerstörerisch, oder er ist grundlegend, kompromiss- und schonungslos, aufsässig und tiefgreifend.

Daraus ergeben sich drei mögliche Typen von Menschen:

1. schlechte Radikale
2. gute Radikale
3. Nichtradikale

Schlechte Radikale sind zum Beispiel Nazis, die Regierung Bush oder Putin.

Bei den guten Radikalen wird es schon schwieriger Beispiele zu finden. Martin Luther war auf jeden Fall ein guter Radikaler. Karl Marx auch. (Keiner wurde mehr missverstanden und fehlinterpretiert wie Karl Marx. Aber das ist ein anderes Thema.) Und in der heutigen Zeit dürften bei uns Wolf Lotter und Götz W. Werner zu denen zählen, die für eine gute Radikalität stehen.

Die schlechten Radikalen verraten sich dadurch, dass sie verklären, Angst machen und spalten, aber immer wissen was zu tun ist. Sie sind laut und ihre Handlungen leiten sich meistens von ihren Dogmen ab. Ihr Blick ist immer rückwärts gewandt und neue Probleme werden mit alten Methoden zu lösen versucht. Deshalb versprechen sie auch immer die „guten alten Zeiten“ zurück zu holen.
Schlechte Radikale zwingen die Meinungen der Anderen auf ihre Linie und diejenigen, die ihnen folgen, brauchen, sollen oder dürfen selbst nicht mehr denken. Sie geben ihre Verantwortung ab und werden zu Anhängern. Anhänger sind, das sagt schon das Wort, Leute die irgendwo dranhängen. Sie haben keinerlei Einfluss auf Richtung und Geschwindigkeit. Nicht einmal dann, wenn die Fahrt rasant an einer Wand zu enden droht.

Die guten Radikalen sind leise. Leider. Sie zeigen sich durch Aufklärung und weisen auf eventuelle Lösungen die Hoffnung machen, aber deren Ausgang ungewiss ist, weil es noch nie jemand probiert hat (siehe Bedingungsloses Grundeinkommen). Gute Radikale haben selten Patentrezepte. Aber sie begegnen der Zukunft ohne Denkschranken und Dogmen, gehen neue Wege und stellen das Alte in Frage.
Gute Radikale fordern immer die eigene Verantwortung und das selbständige Denken. Denken aber macht Arbeit und für sich selbst Verantwortung übernehmen auch. Vermutlich ist das der Grund, warum es die guten Radikalen so schwer haben, sich Gehör zu verschaffen.

Bleibt nur noch die dritte Gruppe derer, die nicht radikal sind. Diese Gruppe ist eine Masse aus furchtbar trägen und zähen Menschen, die sich in den Umständen eingerichtet haben, in denen sie leben. „Da kann man doch sowieso nichts machen“ und „Was geht’s mich an“ sind Sätze, mit denen diese Leute ihr Nicht-wissen-wollen entschuldigen.
Genau so wie der Bauer nicht isst was er nicht kennt, lehnt diese zahlenmäßig größte Gruppe Veränderungen ab, die ihren Alltag durcheinander bringen könnten. Das alte Bekannte, so schlecht und destruktiv es auch sein mag, ist ihnen lieber als das neue Unbekannte, selbst dann, wenn das neue Unbekannte offensichtliche Vorteile mit sich bringt. Sie bevorzugen die schlechten Verhältnisse, weil sie an sie gewöhnt sind. Dort kennen sie sich aus.

Und das ist gefährlich. Denn genau an dieser Stelle macht es die Masse den schlechten Radikalen einfach. Weil Nicht-wissen-wollen nicht unbedingt verhindert, dass Unzufriedenheit über die eigene Situation entsteht, schafft die Masse der Nichtradikalen Ansatzpunkte für die schlechten Radikalen. Die verstehen es, dort einzuhaken und die Masse an ihre Ziele anzuhängen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis so einer zum Führer von Anhängern wird, wie die Geschichte zeigt und der Erfolg des holländischen Rechtspopulisten Geert Wilders deutlich macht.

Das kann verhindert werden. Mit Aufklärung. Und zwar radikal.

Thema: Allgemein, Geschichte, Kultur, Politik, Umwelt, Wirtschaft | Kommentare (4) | Autor: Olaf Sander

Kein Bock auf Bashing

Dienstag, 23. März 2010 16:31 | Autor: Olaf Sander

Vielleicht wundert es dich, dass hier im Blog zur Zeit relativ tote Hose beim Polit-Bashing herrscht. Der Grund dafür ist einfach; ich bin müde.

So oft habe ich mich über die hauptsächlich deutschen Politkasper aufgeregt, gegen, und ganz selten auch mal für sie, argumentiert. Ich habe die Polemik bemüht und mich in Sachlichkeit geübt. Ich war laut und direkt, habe sie mit der verbalen Faust mitten in ihre feisten Fressen geschlagen und ich war leise und diplomatisch, mit respektvoller Anrede, sauberer Argumentation, politisch korrekter Botschaft und am Schluss mit einem höflichen Abschied, damit sie ihr Gesicht nicht verlieren.
Ich habe das was ich dachte und wissen wollte irgendwo in den virtuellen Raum gerufen und ich habe verschiedene Politiker im Laufe der Zeit direkt kontaktiert. Wenn ich dann doch mal eine Antwort erhielt, beispielsweise wenn ich direkt in deren Blog geschrieben habe, war die Antwort erstens nichtssagend und zweitens recht schnoddrig. Wirklich zugehört und nachgedacht hat keiner.
Damit habe ich auch nicht gerechnet. So naiv bin ich nicht, denn schließlich haben Politiker ja viele furchtbar wichtige und verantwortungsvolle Aufgaben zu erledigen und deshalb nur ganz wenig Zeit. Wer bin ich denn?
Aber ich hielt es eben auch nicht für ganz ausgeschlossen. Im letzten Winkel meines Hirns saß ein Häufchen Hoffnung und hoffte. So viel Naivität musste dann doch sein. Woran sonst hätte ich mich festhalten sollen?

Und jetzt?

Jetzt fällt mir nichts mehr ein. Was soll ich denn noch sagen zu solchen Figuren wie Westerwelle, Rösler, Röttgen, die beiden Köhlers…?
Was kümmert´s den Mond, wenn ihn die Hunde anbellen?
Siehste.

Wenn das eigene Leben gefühlt Bergfest feiert, beginnt man schonmal in den Rückspiegel zu schauen und zu überlegen, welche Ziele man erreicht hat. Und da habe ich für mich festgestellt, dass es meine Nerven sind, meine Zeit und mein Potential, was ich gegen nichts eintausche, wenn ich mich über diese ausgemacht korrupten und fachlich unfähigen Leute echauffiere.
Die Erkenntnis ist, du wirst jetzt vielleicht lachen, dass Politiker nicht dafür da sind, die Probleme unserer Zeit zu lösen. Sie sind dafür da, uns irgendwelche Strategien zu verkaufen, diese durchzusetzen und mindestes den Status quo zu erhalten. Niemand wird Politiker, weil er ein Philanthrop ist. Philanthropen haben keine Chance politisch erfolgreich zu werden – und wenn doch, werden sie erschossen.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet diejenigen das Volk vor sich selbst und seinen negativen Eigenschaften schützen sollen, die selbst vor allem nur wegen dieser Eigenschaften auf die politischen Positionen gerückt sind, auf denen sie jetzt sitzen. Sie erwecken den Eindruck, als wären sie im Auftrag des Volkes unterwegs und gaukeln uns vor, für uns zu arbeiten. Das tun sie nicht. Wir, das Volk, müssen das begreifen.

Noch ein wir, nämlich die wilde und bunte Community der Blogger, müssen etwas begreifen, was uns unter Umständen schwer fallen wird. Das ganze Gemotze in unseren ungezählten Polit-Blogs, so berechtigt und gerechtfertigt das ist und so gut oder schlecht diese Meinungsäußerungen auch formuliert sind – das vielstimmige Gezeter nützt überhaupt nichts. Es sind ins große weite Internet hinausposaunte Meinungsäußerungen, die fast immer ohne Konsequenzen bleiben.

Der gleiche Mechanismus findet sich übrigens auch bei Demos. Da könnten sich die Stuttgarter jeder einzeln ein Tyfon um den Hals hängen und Krach machen, der Bahnhof würde ja doch gebaut.
Oder denken wir an das kriegerische Völkchen der Wendländer, die schon seit Jahrzehnten der Atompolitik Paroli bieten und in Sachen friedlicher Aufstand als Experten gelten dürften. Gorleben ist wieder aktuell und die Atomlobby reibt sich die Hände. Jeder kleine Erfolg der Wendländer war vergebens, weil so einer wie Röttgen Umweltminister geworden ist.

Und jetzt?

Aufhören ist keine Alternative. Aber vielleicht ein Ändern der Blickrichtung. Wenn du nun erwartest, dass ich mich zu einem eigenen kleinen Projekt bekenne, welches die Welt retten soll, dann irrst du. Ich halte solcherlei Versuche für reine Zeit- und Ressourcenverschwendung. Sie unterstützen geradezu die politische Kaste und deren industrielle Hintermännerlobbyisten, weil sie die Menschen beschäftigt und sie deshalb vom Denken abhält – sofern sie überhaupt noch richtig denken können. (Nein, das ist nicht arrogant. Das ist nur ein anderes Thema.)
Diese kleinen Projekte funktionieren ganz gut, wenn sie denn mal laufen, genügend Geld da ist um sie fortzuführen und sie schön klein bleiben, damit sie keine Aufmerksamkeit erzeugen. Das allein ist aber schon schwer genug. Beginnen solcherlei Aktivitäten aber an den politischen oder ökonomischen Rahmenbedingungen zu zerren, dann werden sie entweder vereinnahmt, ausgehungert oder zerstört.
Im Kleinen zu starten um im Großen etwas zu ändern ist eine Illusion. Was geändert werden muss sind die Rahmenbedingungen, in deren Grenzen sich die Gesellschaft bewegt.

Ich werde das Bashing in Zukunft noch mehr Georg Schramm, Urban Priol und den anderen politischen Kabarettisten überlassen. Die können das so viel besser als ich und sie brauchen Unterstützung. Außerdem sind sie, im Gegensatz zu mir, witzig.

Im Großen und Ganzen werde ich versuchen, die einzelnen Polit-Figuren von nun an mit Missachtung zu strafen, sie zu ignorieren und sie nicht in ihrem kurzfristigen Tun ernst zu nehmen. Sie sind es einfach nicht wert.

Ich will nach vorne sehen und nicht nach hinten oder nach oben. Ich will mal schauen was in der Zukunft so los ist. Und keine Panik, die Zukunft ist garantiert hochpolitisch.

Thema: Allgemein, Politik, Zukunftspläne | Kommentare (14) | Autor: Olaf Sander

… würde jemand deshalb den Vatikan bombardieren?

Donnerstag, 18. März 2010 14:52 | Autor: Olaf Sander

Gnadenlos. Vernichtend. Und überhaupt nicht komisch.

Bitte höre niemals damit auf, Hagen!

Thema: Georg Schramm & Co., Politik, Satire | Kommentare (1) | Autor: Olaf Sander