Samstag, 10. April 2010 14:32 | Autor: Olaf Sander
Das ist nach meinem Geschmack. Ein Argument jagt das andere. Sachlich und doch mit Leidenschaft. Ernsthaft, aber nicht ohne Humor. Das Bankentribunal in der Berliner Volksbühne seziert die Ursachen der Finanzkrise, legt die Fehler im wirtschaftlichen und politischen System offen, nennt die Profiteure und die, die die Zeche bezahlen.
Nach meinem Empfinden liegt die Anklage in Punkten weit vor der Verteidigung. Diese aber ist eindeutig besser, was den Unterhaltungsfaktor betrifft. Verteidiger Dr. Wolfgang Kaden hat zunächst erst einmal für Emotionen gesorgt, in dem er recht provokant, und auch überzeugend, für seine Mandantenschaft argumentierte. Allerdings beschränkten sich seine Ausführungen auf die schon oft gehörten Argumente von Bankern und Politikern und folgen genau den Dogmen, die von der Anklage als ursächlich für die Krise benannt werden.
Geht die Verhandlung/ Beweisaufnahme in diesem Tempo und der wunderbaren Sachlichkeit weiter, verspricht dieses Wochenende eines der medial spannendsten des Jahres 2010 zu werden. Auch wenn man den Vormittag verpasst haben sollte, so lohnt es sich dennoch jederzeit, sich einzuklinken und der Verhandlung zu folgen.
Vom 9. bis 11. April 2010 wird Attac Deutschland in Zusammenarbeit mit der Berliner Volksbühne ein öffentliches Tribunal durchführen, das die Ursachen des Finanzcrashs, die Beugung der Demokratie durch fragwürdige Rettungsmaßnahmen und die fahrlässige Vorbereitung neuer Krisen öffentlichkeitswirksam beleuchten soll.
Es ist kein Theaterstück, sondern ein fairer zivilgesellschaftlicher Prozess. Den Angeklagten aus Politik und Wirtschaft wurden am 27. Februar 2010 die Vorladungen zugestellt. Sie bekommen renommierte Pflichtverteidiger zur Seite gestellt, die an ihrer statt sprechen werden, falls sie nicht erscheinen. Prominente Zeuginnen und Gutachter werden mit ihren Aussagen die Praktiken von Politik und Wirtschaft erhellen. In drei Beweisaufnahmen werden individuelle Schuld und systemische Krisen aufgerollt.
Angeklagt werden drei Bundesregierungen: (Kabinett Schröder, Merkel I und Merkel II), die ihnen unterstellten Finanzaufsichten sowie Banker und Banken (besonders die Deutsche Bank), Ratingagenturen und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften.
Beginn ist heute Abend per Live-Übertragung mit einer Eröffnungsrede von Albrecht Müller, einer Lesung der Volksbühne zum Thema Banken und Beiträgen der Kabarettisten Urban Priol und Georg Schramm.
Drei Beweisaufnahmen werden im Zentrum des Tribunals stehen. Jeder Beweisaufnahme wird ein Anklägerteam zugeordnet.
1. Vorbereitung der Krise und Aushöhlung der Demokratie
Förderung eines krisenverursachenden Systems durch eine Politik der Deregulierung, der Umverteilung von unten nach oben und der Privatisierung
Erpressung des Staates und der Gesellschaft („too-big-to-fail“-System)
Entmachtung des Bundestages (SoFFin-Gesetz) und organisierte Geheimhaltung und Täuschung von Bundestag und Öffentlichkeit
Bankenrettungen auf Kosten der Steuerzahler unter Schonung der Banken/Gläubiger
2. Zerstörung der ökonomischen Lebensgrundlagen in Nord und Süd
Anhörungen zu den Schattenseiten des gegenwärtigen Weltfinanzsystems und den Folgen der Krise
Verschuldung und Privatisierungsdruck
Gesundheit und Rente
Arbeit
Globaler Süden
Ökologie
Demokratie
3. Verschärfung der Krise
Kein Verbot risikoreicher Finanzpraktiken und Finanzinstitutionen
Banken und Großkonzerne gegen Regulierungen
Verschärfung der strukturellen Ursachen der Krise
Die Richter/innen:
Dr. Jürgen Borchert, Sozialrichter
Prof. Friedhelm Hengsbach, Wirtschaftsethiker
Danuta Sacher, Geschäftsführerin Terres des Hommes
Prof. Karl Georg Zinn, Wirtschaftswissenschaftler
Die Ankläger/innen:
Prof. Elmar Altvater, Politikwissenschaftler
Prof. Peter Grottian, Politikwissenschaftler
Dr. Detlef Hensche, Rechtsanwalt
Astrid Kraus, Unternehmensberaterin
Conrad Schuhler, Leiter des Instituts für Sozial-Ökologische Wirtschaftsforschung
Die Verteidiger/innen:
Dr. Wolfgang Kaden, Journalist (ehem. Chefredakteur Der Spiegel und Manager Magazin)
Peter Wahl, WEED
Prof. Henner Wolter, Rechtsanwalt
Zeugen und Sachverständige:
Sven Giegold, MdEP
Barbara Happe, urgewald
Sony Kapoor, Re-Define, Ex-Investmentbanker (angefragt)
Heidi Klein, Lobby Control
Sabine Leidig, MdB
Claus Matecki, DGB Vorstandsmitglied
Wangui Mbatia, Menschenrechtsaktivistin aus Kenia
Dr. Pedro Morazán, Südwind Institut
Dr. Gerhard Schick, MdB
Harald Schumann, Buchautor und Journalist
Dr. Axel Troost, MdB
Lucas Zeise, Buchautor und Journalist
u. a.
Nachtrag: Das Bild und ein großer Teil des Textes stammt direkt von Attac, ein kleinerer Teil von Mediafootprint von YouTube, dem ich sehr dankbar für diesen Hinweis bin.
Ich würde mich trotzdem freuen wenn ihr davon weitererzählt und euch Teile der Übertragung anschaut. Ich mache das auf jeden Fall.
Tom Buhrow sagte zwar in der Anmoderation zu dem Beitrag, dass da ein Video “aufgetaucht” wäre, verriet aber nicht wo. Und das ärgert mich, denn ich mag Tom Buhrow und die Tagesthemen und hätte mir gewünscht, die Quelle dieser imagaschädigenden “Unerhörtheit” für die Amerikaner, die Nato und den Krieg im Allgemeinen, schon aus seinem Mund, und nicht erst innerhalb des Beitrages selbst, zu hören.
Nennt mich Kümmelspalter, aber ich meine, dass diese Kleinigkeiten zum guten Ton eines guten Journalisten gehören – jedenfalls dann, wenn der Journalist einer freien und demokratischen Gesellschaft auf dem Weg ins Informationszeitalter angehört und er eine Sendung moderiert, die als Vorbild für seriöse Nachrichten gilt und noch dazu einen Bildungsauftrag hat.
Weil WikiLeaks nicht Wikipedia ist und weil (auch aber nicht nur) Tom Buhrow es versäumt hat, die nicht ganz so internetaffinen Zuschauer über WikiLeaks aufzuklären, müssen das eben andere übernehmen.
Z. B. Buhrows KollegInnen von Kulturzeit von 3Sat vom 27. Mai 2009:
Nachdem klar ist, welche Aufgabe WikiLeaks in unserer Demokratie übernimmt und deutlich wird, dass unsere Demokratie eine schlechte Demokratie ist, weil es WikiLeaks überhaupt gibt, geben muss (!), möchte ich fragen, ob euch dieses Leck zum Erhalt der – wenigstens schlechten (immer noch besser als gar keine) – Demokratie ein paar Euro Wert ist?
Das Medienmagazin ZAPP vom NDR (Video, 3:48) hatte gestern Abend einen Beitrag warum die Medien so zögerlich über das von WikiLeaks veröffentlichte Video berichteten. Kai Gniffke, Chefredakteur von ARD-Aktuell und Rüdiger Ditz von SPIEGEL Online, kommen darin zu Wort und erklären ihre Zwänge. Diese sind nachvollziehbar und erklären vielleicht ein wenig Tom Buhrows Zurückhaltung.
Es geht um Verifikation. Die Bilder, ob fotografiert oder gefilmt, könnten gefakt sein. Die Inhalte müssen geprüft und plausibel sein. Das ist gut, das ist richtig und nichts anderes erwarte ich von der ARD.
Allerdings…
… ist es ein Spagat zwischen Geschwindigkeit und Qualität, den die Journalisten (nicht nur) von der ARD, mit dem sich immer schneller entwickelnden Internet als “Konkurrenz”, bewerkstelligen müssen. Die Zurückhaltung bei der Verarbeitung von Informationen aus dem Netz, die Kai Gniffke im ZAPP-Video anspricht, findet ihren Ursprung in der Vorsicht, aber mehr noch im Misstrauen gegenüber diesen Inhalten.
Das Netz und die Informationen warten aber nicht auf den Qualitätsjournalismus der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Die User reagieren auf die Informationen, vertrauen der Quelle, insbesondere wenn es sich um WikiLeaks handelt, und erzählen weiter.
Das mag für viele Journalisten nach dem Untergang des Abendlandes klingen, ändert aber nichts an der Tatsache, das es so ist und sich Plattformen wie WikiLeaks ihre Glaubwürdigkeit bei den Internetnutzern verdienen, bzw. schon verdient haben. So ist nunmal das Wesen des Internets.
Das Problem hierbei ist, dass die Informationen, je mehr und je öfter sie beim Konsumenten/ User ankommen, bzw. er sie sich selber (aus) sucht, zur “Wahrheit” werden – egal ob sie wahr sind oder nicht. Die Information ist raus und macht denen das Leben schwer, die sie aus den verschiedensten Gründen lieber nicht in der Öffentlichkeit sehen würden.
Womit wir bei der Politik wären. Denn solcherlei Videos, oder auch amerikanische Strategiepapiere, wie bspw. das aus dem Hause CIA, welches darlegt wie die Deutschen oder Franzosen in Sachen Afghanistan bei der Stange gehalten werden sollen(Pdf, engl.), spucken der Politik mächtig in die Suppe. Keine Antikriegskampagne könnte wirksamer sein, als die Veröffentlichung derartiger Informationen.
Genau hier liegt für mich das Problem, warum Tom Buhrow das Wort “WikiLeaks” nicht benutzt hat. WikiLeaks ist nicht politisch korrekt. WikiLeaks macht das Handeln und die Strategien von Politik und Wirtschaft transparent. Wegen WikiLeaks haben “sie” es schwerer uns ein X für ein U vorzumachen.
Aber wie kann Tom Buhrow nun demnächst schnell auf so etwas reagieren und dennoch die journalistische Qualität wahren? Ich denke, das ist ganz einfach. Er muss doch nichts weiter sagen als:
“Der Wahrheitsgehalt dieser Informationen ist noch nicht bestätigt, aber wir haben sofort begonnen die Story zu recherchieren und halten Sie auf unserer Homepage www.tagesthemen.de auf dem Laufenden.”2
Das erzeugt nicht nur Zuschauer, Klicks und Leser, das erhält auch die so wertvolle Glaubwürdigkeit.
Informationen über WikiLeaks, wie z. B. eine Übersicht über die bisher veröffentlichten Informationen, findet sich auf Wikipedia.
Natürlich sind wir alle über diesen Ausrutscher der heldenhaften GI wahnsinnig überrascht, wer dennoch nicht sehen will, wie Menschen von diesen Helden heimtückisch und feige ermordet werden, der klickt bitte nicht auf diesen Link.↩
Donnerstag, 1. April 2010 17:29 | Autor: Olaf Sander
Das war wohl nix. Die Welt ist nicht untergegangen. Entgegen allen Warnungen und trotz eindrücklicher Videos, die zeigen wie ein schwarzes Loch den Planeten frisst(Greetings from Hollywood), ist es den wahnsinnig gewordenen Wissenschaftlern am CERN nicht gelungen uns und unser Raumschiff Erde einem solchen schwarzen Loch zum Fraß vorzuwerfen.
Die Wissenschaftler bemüh(t)en sich verzweifelt aufzuklären, aber die hollywoodsche Bildermaschine, angetrieben von der eigenen Ahnungslosigkeit, sitzt so tief in den Hirnen, dass die unwahrscheinliche Wahrscheinlichkeit eines von Menschen produzierten schwarzen Loches wahrscheinlicher erscheint, als die kollektive Erkenntnis, dass die unwahrscheinliche Wahrscheinlichkeit sehr unwahrscheinlich ist.
Aber als wenn das nicht schon genug wäre, macht sich wiedermal die virtuelle und völlig respektlose Internetgemeinde über die Schwarzseher und deren geistige schwarze Löcher lustig – und trägt diesen Spott auch noch in die Realität und auf die Straße. Mit T-Shirts.
Die beste Ehefrau von allen, nämlich meine, hat nur einen kurzen Kommentar für die Schwarzseher übrig:
“Wer die Relativitätstheorie begriffen hat, dem fällt Einstein vom Herzen.”
Arnos Schwatzer Blog
Arno ist bissig, aber nicht verzweifelt. Er ist witzig, aber nicht flach. Man muss denken, wenn man ihn lesen will und manchmal, so meine ich, weht dort ein Hauch von Schramm.
Bildblog
Ein unabhängiges Korrektiv in der deutschen Medienlandschaft. Andere sagen “Watchblog” dazu. Auf jeden Fall gilt, dass der Leser hier erfährt, wer ihn wie, wann und wo verarscht hat.
DaMax
Jung, laut, “verspielt” und lesenswert. Bei Max finden sich immer Infos über aktuelle PC-Spiele, viele unterschiedliche PC-Programme und richtig gute politische Ansichten.
doktorsblog
doktorsblog – and the night nurse is going crazy. Chris kann die digitale Zukunft nicht erwarten, meint von sich selbst, er habe einen Stecker im Hirn und mag das Dystopische. Und er hat ein unglaublich feines Gespür für großartige (digitale) Kunst.
Fefes Blog
Fefe – eine Institution im Internet. Berichterstattung außerhalb der Mainstreammedien, höchst subjektiv, dafür intelligent und unbestechlich.
lawblog
Udo Vetter, Fachanwalt für Strafrecht aus Düsseldorf, lässt uns teilhaben an seinen täglichen Scharmützeln mit Justizia. Äußerst lehrreich, informativ und kritisch, mit vielen interessanten Komentaren und Kommentatoren.
Spiegelfechter
die oft gelesene Stimme der Gegenöffentlichkeit namens Internet. Jens Berger und sein Blog ist ein Muss für jeden politisch interessierten Menschen.
und so weiter wort
Veit war einmal ein Wort-Schuetze, d. h. er ist es immer noch. Aber mit eigenem Schießstand. Seine Pfeile sind spitz und die Ziele ausgemacht. Eben “und so weiter wort”.
Wasser und Erde
Unterhaltsamer Blog über Klimaschutz und Entwicklungshilfe. Auf den Leser warten überraschende Erkenntnisse, wie z. B. die, dass manche Dinge in Sachen Umweltschutz nicht so kompliziert sind, wie sie von Politik und Wirtschaft dargestellt werden.