Beiträge vom Juni, 2010

Schade …

Mittwoch, 30. Juni 2010 21:26 | Autor: Olaf Sander

… da ist ein wirklich guter Bundespräsident an den Deutschen vorbei gegangen. Christian Wulff ist nach dem dritten Wahlgang neuer Bundespräsident, Joachim Gauck hat allen Respekt verdient.

Die Linken könnte ich einfach nur noch ohrfeigen. Die sind auch mehr als zwanzig Jahre nach dem Mauerfall noch immer nicht in der Realität und im geeinten Deutschland angekommen.

Und das ist wirklich schade.

Thema: Allgemein | Kommentare (1) | Autor: Olaf Sander

Keine Wal vor dem bösen Erwachen?

Dienstag, 22. Juni 2010 20:04 | Autor: Olaf Sander

Wir Menschen sind schon eine komische Spezies. Wir zerstören oftmals das, was wir lieben und brauchen. Viel zu häufig tun wir das völlig sinnfrei. Es hat nämlich keinen Sinn, die Welt nach Diamanten umzugraben, nur weil irgendwann einmal irgendwer gemeint hat, es gäbe nichts wertvolleres, als Diamanten.

Genauso wenig ist es sinnvoll Öl aus der Tiefsee zu holen, obwohl wir von der Tiefsee weniger wissen, als vom All und alle Energie die wir benötigen aus dem All kommt und wir sogar so clever sind, sie einzufangen und zu nutzen.

Am allerwenigsten aber ist es sinnvoll, Wale zu töten um sie zu essen, oder wie die Japaner es nennen, wissenschaftlich zu untersuchen. Sicherlich muss man bei Völkern eine Ausnahme machen die sich aus gutem Grund von Walen ernähren, aber auch nicht mehr jagen, als sie brauchen, wie die Innuit z. B.

Andererseits fliegen wir bis zum Mond, also nicht alle, aber ein paar von uns, weshalb es sicherlich auch noch andere Möglichkeiten gäbe, diese Völker mit den für sie nötigen Nährstoffen zu versorgen. Aber sei´s drum. Weder Island noch Norwegen und schon gar nicht Japan müssen Wale fangen. Es gibt einfach keinen Grund dafür, Traditionen hin, Traditionen her.

Dieser Tage tagt in Marokko die Internationale Walfangkommission (IWC) und es bestehen gute Chancen, dass das seit 1986 bestehende Verbot des kommerziellen Walfangs fallen könnte. Passiert das, erleben wir vor dem bösen Erwachen nochmal eine große Fettlebe, einen gierigen Tausch von Leben in Geld. Und all das nur, weil Traditionen angeführt werden, um einem “Genuss” frönen zu können. Mir sind die Wale wichtiger, als – ich bitte um Entschuldigung für die Wortwahl – beschissene Traditionen, die die Welt nicht besser, sondern nur schlechter machen.

Einer, der sich seit längerem für den Schutz der Wale einsetzt und die Welt besser macht, ist Mario Adorf. Er hat einen Spot gedreht, in dem er, der wunderbare Vorleser, die Geschichte von Jenny erzählt. Ihr solltet sie Euch anhören.

English version

Ich bin davon überzeugt, dass die Wale fangenden Länder vielstimmig hören müssen, wie sehr wir, und vor allem die Wale, auf deren dümmliche Traditionen verzichten können. Eine der Organisationen die diese Stimmen bündeln ist Avaaz.org.
Avaaz hat mir heute Mittag geschrieben, dass nur noch 72 Stunden Zeit bleiben, bis die Entscheidung fällt. Da hatten schon 800.000 unterschrieben. Das Ziel war 1 Millionen. Jetzt sind es schon über 1.040.000.

Das heißt aber nicht, dass damit alles gut ist, denn jede Stimme zählt und weit übertroffene Zielsetzungen machen glücklich. Also, macht Euch und die Wale glücklich und unterschreibt.

Vielen Dank dafür.

Thema: Allgemein, Politik, Umwelt, Wirtschaft | Kommentare (2) | Autor: Olaf Sander

Sind Italiener unmenschlich?

Sonntag, 20. Juni 2010 23:56 | Autor: Olaf Sander

Gut, ich gebe es zu. Die Frage in der Überschrift ist herb und purer Populismus. Natürlich sind die Italiener nicht mehr oder weniger menschlich als andere Völker auf diesem Planeten. Aber anderseits ist es in dieser Zeit, in der Fussball und schwedische Hochzeiten mehr mediale Aufmerksamkeit bekommen als verdient, gar nicht so schlecht, mal ein bisschen zu pauschalisieren und zu polemisieren. Es hat sich nämlich noch immer nichts verändert an der Problematik mit den afrikanischen Flüchtlingen am Mittelmeer.

Zitat: www.tagesschau.de vom 20.06.2010

17. Juni: Ein Boot mit Dutzenden Flüchtlingen an Bord setzt vor Sizilien ein Notsignal ab. Eine Suchaktion der Küstenwache mit Schiffen und Hubschraubern bringt kein Ergebnis.

18. Juni: Im Hafen von Bari entdeckt der italienische Zoll in einem Lastwagen zehn illegale Einwanderer aus Afghanistan und dem Iran. Der Lkw kam mit der Fähre aus Griechenland – dorthin werden die Männer zurückgebracht

18. Juni: Auf der Insel Linosa finden Carabinieri 14 Bootsflüchtlinge mit noch nassen Kleidern.

Das Morden geht weiter. Jeden Tag. Es gibt nach wie vor keine Lösung für dieses Problem. Nur eine Strategie. Und die heißt abschirmen und abschieben.

Vorher stellt man aber die Flüchtlinge erst noch mit Medikamenten ruhig, freilich ohne ihnen Toilettenpapier und Seife zu geben.

Hier in Europa.

Jetzt.

Wer nicht glauben möchte wie erbärmlich diese Menschen leben müssen, oder wer generell auf Dystopien steht, der schaut sich bitte diesen aktuellen Beitrag von SPIEGEL-TV an. Wer aber nicht sehen oder wissen mag, was Menschen Menschen antun, der guckt weiter Fußball. Oder Hochzeit. Je nach dem, was ihm wichtiger ist.

Thema: Kultur, Politik | Kommentare (0) | Autor: Olaf Sander

Für den kleinen Rassismus zwischendurch

Freitag, 18. Juni 2010 0:23 | Autor: Olaf Sander

Neulich begegnete mir eine deutsche Familie die Urlaub in Dänemark machte. Sie hatten einen Hund dabei und weil ich mit ziemlicher Sicherheit in einem meiner früheren Leben ein Hund gewesen sein muss, hatten wir gleich einen guten Draht zueinander. Also der Hund und ich.

Dieser Hund war ein besonders schmuckes Tier. Er war muskulös, vielleicht 60 bis 70 cm groß, mit wachem, neugierigen Blick und sein Gesicht war freundlich, während die Rute wedelte. Das rotbraune kurze Fell glänzte in der Sonne und wir zwei konnten gar nicht anders, als uns als Brüder im Herzen zu begrüßen.

Allerdings hatte sein Fell eine Besonderheit die ich so noch nicht kannte. Ein etwa zwei bis drei Finger breiter Streifen des Fells auf dem Rücken des Hundes wuchs gegen den Strich. Diese Hunderasse hatte ich noch nie gesehen. Klar, dass ich den Besitzer fragte, was das für ein Hund ist.

Leicht zu mir herunter gebeugt, ich war ja auf Augenhöhe mit dem Hund und nicht mit ihm, hielt er sich seine Hand vor den Mund und sagte mit gedämpfter Stimme, so das nur der Hund und ich es verstehen konnten;

„Das ist unser Neger…“

Dabei grinste er mich an, als sähe er in mir einen Verbündeten im Kampf für die Aufrechterhaltung der Sklaverei. In Wirklichkeit habe ich überhaupt nicht begriffen, was dieser Hund mit menschlicher Hautfarbe zu tun haben soll. Das einzige was mich einen kurzen Augenblick lang verstörte war die Tatsache, das dieser eigentlich sehr gepflegt aussehende Mann, mir als wildfremder Person, diesen diskriminierenden Stereotyp auftischte.

Dieser kleine Augenblick der Verwirrung muss sich in meiner Mimik wiedergefunden haben, was, so viel emotionale Intelligenz scheint dann wohl doch beim Besitzer des Hundes vorhanden gewesen zu sein, das Herrchen ganz richtig als die mit Gesichtszügen ausgedrückte Frage „Wie jetzt… …Neger?“ interpretierte.

„Das ist ein Rhodesian Ridgeback. Der kommt aus Afrika.“

Was sollte ich, nachdem mir dieser Mann mit nur einem Satz seine Weltanschauung offenlegte, denn da noch antworten? Eigentlich tat mir nur noch der Hund leid. Und die Kinder des Hundebesitzers. Und vielleicht auch seine Frau.

Mit so einem Rassisten reden wollte ich jedenfalls nicht, auch wenn ich wirklich gerne mehr über den Hund und seine Rasse erfahren hätte. Vermutlich hätte der Mann aber gar nicht so viel zu erzählen gewusst, außer „Der kommt aus Afrika.“.

In diesen Gedankengang hinein schleckte mir der Hund mit seiner Zunge einmal komplett über die rechte Seite meines Gesichts. Ich fühlte Ekel.
Aber nicht wegen des leckenden Hundes oder der Nässe, die sein Speichel unweigerlich hinterließ. Das war nur Ausdruck seiner Zuneigung und außerdem kann ich mich dagegen wehren und mich waschen.

Den eigentlichen Ekel fühlte ich gegenüber diesem Menschen, der einer von den Vielen ist die tagtäglich mit ihrer kleinen Portion Rassismus dafür sorgen, dass die Welt ist, wie sie ist.

Ich habe dann dem Hund einen schönen Tag gewünscht und bin gegangen.

Thema: Allgemein, Kultur | Kommentare (5) | Autor: Olaf Sander

Papa will da nicht mehr wohn’

Sonntag, 13. Juni 2010 5:48 | Autor: Olaf Sander

Das Gerücht, nur schwarze Sänger hätten genügend Soul um so richtig “soulig” zu sein, hält sich nach wie vor hartnäckig – wie sich überhaupt noch viele Ansichten und Denkschemata aus den 60ern hartnäckig halten. Dabei ist schon längst klar, dass der Soul, wie so oft, keine Frage der Hautfarbe, Rasse oder sonstigen “Trennungsgründen” ist, sondern eine des Herzens.

Einer der überhaupt nicht nach Soul aussieht, dafür aber um so mehr davon hat, ist der Hamburger Musiker Stefan Gwildis. Als Sohn normaler Eltern – andere würden sagen, er stamme aus “einfachen Verhältnissen” – hatte er wohl kaum Unterstützer, um sein Talent zu fördern und seine Liebe zur Musik ausleben zu können.
Um als Straßenmusiker über die Runden zu kommen, hielt er sich mit gelegentlichen Jobs als Lagerarbeiter, LKW-Fahrer, Sonnenbankaufsteller oder Weihnachtsmann über Wasser. Vermutlich ist das Grund für seinen Soul.

Das Video, welches ich Euch heute wärmstens Empfehlen möchte und bei dem es mich besonders freut, es in meine kleine aber feine Musiksammlung aufzunehmen, ist eine Adaption des Temptation-Hits „Papa was a rollin’ stone“.

Nach einer wunderbaren Eintaktung von über 30 Sekunden Länge, entleert der Trompeter sein Herz über sein Instrument und breitet einen Klangteppich über den Hamburger Stadtpark aus, dass selbst die coolsten Hip-Hoper der Hansestadt feuchte Augen bekommen haben dürften.

Und dann kommt Stefan Gwildis und singt einen einfachen und mitsingbaren Text, der große deutsche Gefühle bewegt, vor allem dann, wenn er auf solcherlei Wendegewinner wie mich trifft.

Ungefähr in der Hälfte angekommen erhält das Solo des Trompeters eine Antwort. Und zwar von einer genial gespielten E-Gitarre, deren klingende Emotionen sich nach fast zwei Minuten in einem musikalischem Orgasmus entladen.

Der Rest ist die Zigarette danach. Ruhig und gediegen, mit viel Takt und Stimme. An dieser Stelle möchte man, mir geht es jedenfalls so wenn es sich um solcherlei schöne Herzensangelegenheiten handelt, gleich noch einmal.

Besonderer Dank geht an Veit, der mir Stefan Gwildis gezeigt hat und, ganz ausdrücklich, an die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, die diese Art Konzerte hin und wieder des nächtens ins Fernsehen bringt. Bei aller berechtigter Kritik an ihnen, aber bei RTL & Co. wird einem höchstens alle Nase lang ein anderer talentbefreiter Bühnentrottel feil geboten, dessen Platten wir kaufen sollen. Qualität – und Soul – indes, bekommt man dort nicht.

Thema: Medien, Musik | Kommentare (0) | Autor: Olaf Sander

Mach´s gut Georg Schramm

Dienstag, 8. Juni 2010 19:29 | Autor: Olaf Sander

Heute ist ein schöner Tag. Heute kommt die für mich wichtigste und schönste und anspruchsvollste Sendung im deutschen Fernsehen, nämlich „Neues aus der Anstalt“ im ZDF.

Aber heute ist auch ein trauriger Tag für mich. Denn heute verlässt Georg Schramm die Anstalt. Ihm ist das Fernsehen nicht geheuer und die Bretter der Kleinkunst sind sein Zuhause.

Das kann ich gut verstehen.

Und dennoch ist mir nicht wohl zu Mute. Denn 36 Mal hat mir Georg Schramm in der Anstalt aus der Seele und ins Herz gesprochen. 36 Mal habe ich seine Worte, Schlüsse und Pointen aufgesogen wie ein trockener Schwamm das Wasser. 36 Mal habe ich tiefe Dankbarkeit für ihn empfunden, weil – und wie – er sagte was Sache war. Er wird mir sehr fehlen.

Nein, das ist nicht pathetisch. Das ist so.

Bleibt nur noch, Georg Schramm alles erdenklich Gute zu wünschen.

Und derweil auf sein nächstes Buch zu warten und auf sein neues Bühnenprogramm zu verweisen.

Allerdings, einen kleinen und überaus bissigen Georg Schramm habe ich noch für Euch – und natürlich für mich. Es ist ein äußerst hörenswertes Interview, geführt von Deutschlandradio Kultur, in dem Georg Schramm seiner Entzückung über Köhlers Rücktritt freien Lauf lässt. Hier gehts zum entzückenden Interview.

Thema: Georg Schramm & Co. | Kommentare (4) | Autor: Olaf Sander