75facher Mord, untermalt von der Ode “An die Freude”

Dienstag, 2. Februar 2010 20:29 | Autor: Olaf Sander

Kennt ihr das auch? Manchmal begegnen einem Menschen zum wiederholten Male, gleichwohl man sie nicht kennt, nie ein Wort mit ihnen gesprochen hat und das einzig Verbindende vielleicht nur die Buslinie ist, mit der jeder für sich an die Arbeit fährt. Es sind uns unbekannte Menschen die uns dennoch immer wieder ins Auge fallen, weil sie etwas an sich haben was die eigene Aufmerksamkeit erregt, aber worum man sich nicht weiter schert, weil der Kopf voll ist mit dem eigenen Alltag, mit Sorgen und Nöten, Wünschen, Hoffnungen und Plänen. Soweit so normal.

Seit dem August 2009 begegnen mir Menschen, die keinen Alltag mehr haben, keine Sorgen und Nöte, keine Wünsche und Hoffnungen und auch keine Pläne.

Sie sind nämlich tot*.

Begegnet sind mir diese Menschen das erste Mal in der Form einer Nachricht1. Dann in Gesprächen mit meiner Frau, mit Freunden und mit Verwandten. Und zu letzt traf ich auf sie, weil ein Verwandter von einem der Toten einen Kommentar auf meinen Artikel “Über Berlusconi, Schadenfreude und den ganzen Rest” hinterlassen hat. Er heißt Andy und das hat er geschrieben:

„Lieber Olaf,
ich habe heute zufällig deinen Beitrag über Borlusconi, Atommüll, Attentat, Demkratie, Europa, Fernsehen, Flüchtlinge, Lafontaine, Medien, Papst, Politik, Schadenfreude, Schäuble etc. gelesen und ich bin sehr froh auf diese Seite “gelandet” zu sein.
Ich bin einer von denen, welche einen Verwandten mit den 75 bootsflüchtlingen, die im August am Mittelmeer qualvoll sterben mussten, weil keiner ihnen helfen wollte, verloren hat.
Wir haben eine Interessengemeinschaft (boatp.team) bezüglich diese Geschichte gegründet und es baut uns auf, wenn wir Leute treffen, die diese Tat verurteilen und es würde uns freuen, wenn wir öffter solche Schreiben lesen würden. Dein Schreiben bezüglich Berlusconi: Du hast uns aus der Seele gesprochen. Wenn Berlusconi es so weit schaft, sein “christliches” Volk dazu zu bringen, Menschen in Not nicht mehr zu reten, fragen wir uns; und was macht Europa…..?????
Über die übrigen Thema, werde ich ein anderes Mal noch mehr schreiben. Wir, als boatp.team, family of the victims8/09, sind Dir aber für dein Beitrag dankbar.
viele Grüße
Andy“

Plötzlich sind mir diese unbekannten Toten nicht mehr unbekannt. War es bisher dem Empfinden nach „nur“ eine skandalöse Meldung und ungläubige Verwunderung darüber, dass das Geschehen nicht als Skandal wahrgenommen wurde, so ist es jetzt viel näher an mir dran, als mir lieb ist.

Ihr sollt mich bitte nicht falsch verstehen, denn ich bin Andy überaus dankbar für seinen Kommentar. Nur zwingt er mich damit auch, mich mit diesen Toten zu beschäftigen und mir bewusst zu machen, dass sie – todsicher – Opfer eines Verbrechens* wurden. Nun muss ich eine klare Position beziehen und diese auch laut machen. Verdrängen und den Alltag als Ausrede benutzen ist mir nicht mehr möglich.

Denn dies ist jetzt eine persönliche Sache.

Und jeder von Euch, der bis hier her gelesen hat, sollte den drei Wochen lang anhaltenden (!!!) langsamen 75fachen Mord an den Flüchtlingen persönlich nehmen – und zwar aus guten Gründen.

Es könnte nämlich sein, dass wir alle morgen schon in einer ähnlichen Situation sind wie diese Menschen und von dort flüchten müssen, wo wir leben. Die letzte große Flüchtlingsbewegung von uns Deutschen war vor ca. 20 Jahren, die vorletzte vor ca. 65 Jahren. Das ist beides also noch gar nicht so lange her und liegt beides innerhalb eines Menschenlebens. Es gibt überhaupt keinen Grund für uns anzunehmen, dass das, wegen welchen Ereignissen auch immer, nicht jederzeit wieder passieren könnte.

Wir Deutschen tragen aus mehreren Gründen die Verantwortung am Tod dieser Menschen mit. Als eine Nation, die stolz ist auf ihre Seefahrertradition, wäre es unsere Pflicht gewesen in dem Moment gegen dieses Verbrechen zu intervenieren, als es bei uns bekannt wurde. Alle die zu Werten gegossenen Leitsätze wie der, dass vor Gott und auf dem Meer alle Menschen gleich sind, wurden durch das Schweigen der deutschen Politik und der Unternehmer, die vom und mit dem Meer leben, obsolet. Übrig geblieben sind nur noch Phrasen.

Auch dürfte, nein muss, uns das befohlene Ignorieren von massenhaften Mord nicht fremd sein. Wir haben doch Erfahrungen. Nur sind es nicht wir, die jetzt gemordet haben, sondern die Malteser und die Italiener.
Wie bei den Nazis stillschweigend wegschaut wurde, als die Juden erst deportiert und dann vergast wurden, so schauen wir heute stillschweigend weg, wenn 75 afrikanische Flüchtlinge drei Wochen lang jämmerlich im Meer verrecken, weil Mitgliedsstaaten der EU einfach mal ein Exempel statuieren.

Das verstößt gegen alle unsere menschlichen, demokratischen und christlichen Werte und Wertvorstellungen und macht uns genau so schuldig, wie sich die Generation unserer Eltern und Großeltern schuldig gemacht hat. Wir haben nichts gelernt und die Konsequenzen tragen schon wieder die anderen.

Genau deshalb, liebe Freunde, ist die Sache so persönlich.

P.S.

* Bitte lesen und Hintergründe erfahren.

  1. ZDF Videotext, Fr 21.08.09, Tafel 127

    “Kapitäne ignorieren Schiffbrüchige: 75 Flüchtlinge tot,

    Zahlreiche afrikanische Flüchtlinge haben ihren Traum von einem besseren Dasein in Europa mit dem Leben bezahlt. Eine Gruppe von etwa 75 vornehmlich aus Eritrea stammenden Migranten kam nach Angaben der UN auf der Überfahrt von Libyen nach Italien zu Tode, nachdem ihrem Boot der Treibstoff ausgegangen war.”

    Zahlreiche Schiffe hätten das im Mittelmeer dümpelnde Boot passiert, ohne ihm zu Hilfe zu eilen, berichtete das Hochkommissariat für Flüchtlingsfragen (UNHCR). Die Organisation berief sich auf Aussagen der fünf Überlebenden.

Autor: Olaf Sander
Datum: Dienstag, 2. Februar 2010 20:29
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24 Kommentare

  1. 1

    Lieber Olaf,
    wir danken dir im Namen (family&friends of the victims) ganz herzlich für deinen beitrag. wir werden dir alle Informationen zu kommen lassen, was wir bis jetzt unternohmen haben, um die sache publick zu machen. allerdings haben wir bis jetzt nichts erreicht (wir werden aber dran bleiben auch, wenn dies uns regelrecht “kaput” macht.
    sei gegrüsst von uns allen
    dein
    boatp.team aus aller welt

  2. 2

    Lieber Olaf, liebes boatp.team,
    der Artikel zeigt auf sehr emotionale und alarmierende Weise in welcher Art von Welt wir leben. Ich wünschte mir, daß der Artikel um die ganze Welt geht, die Menschen wachrüttelt und daß sie somit aktiv die Interessengemeinschaft boatp.team bei ihrem Kampf unterstützen können. Ich wünschte mir auch, daß auch ein Herr Ratzinger die Tatsachen nicht mehr ignorieren kann und er so viel Druck von den ehrlichen Christen, die noch zu den christlichen Seefahrertraditionen stehen bzw. sich erinnern, bekommt, daß er handeln muß und endlich den Berlusconi’s den Kampf ansagt.
    Wie können wir unsere Kräfte bündeln?
    Mein Vorschlag: Artikel ins Englische übersetzen und an alle möglichen Vereine, Regierungen, Konzerne usw. mailen, wenn nötig auch als Dauermail. Eine Petition beim deutschen Bundestag, anderen ausländischen Parlamenten einreichen und als Hinweis dem Artikel hinzufügen. Ich bin mir im klaren, daß es nur ein Anfang sein kann, um die Menschen auf nur eine der vielen Schweinereien, die alle in einem kausalen Zusammenhang stehen, aufmerksam zu machen und daß sie verstehen, daß es schon morgen sie selber treffen kann.
    Danke für den aufwühlenden Artikel. Liebe Grüße Franka

  3. 3

    Liebe Franka,
    vielen dank für deinen Vorschlag. Wenn wir zum deutschen Bundestag mailen sollten, bräuchten wir den richtigen Ansprechpartner und dafür haben wir nicht das ausreichende Vitamin “B”.
    Wir haben aber am 11.November 2009 den unten gespeicherten Brief an Menschenrechtskommission nach Strassburg per mail geschickt. Eine Kopie davon haben wir u.a. an verschiedene Menschenrechtsorganisationen und an maltesiche und italienische Presse gemailt. Außer einem schweizen Menschenrechtler und jungem italiensichen Journalist und Menschenrechtler (Gabriele del Grande)hat sich keiner bei uns gemeldet.
    Borderline-europe (Menschen ohne grenzen) ist unser stärkster Unterstützer und wir danken ihnen dafür.
    Wir bitten euch vom Herzen uns weiterhin zu unterstützen, damit “unsere Opfer am Mittelmeer” endlich ihren Frieden finden.
    Unten ist unser Brief an EU-Kommission in englicher und deutscher Sprache. Bitte leitet den an alle “Helfende” weiter.
    Vielen Dank und viele Grüsse
    Boatp.team aus aller Welt
    http://borderline-europe.de/downloads/2009_11_11_Brief_an_EU-MRK_engl+dt.pdf

  4. 4

    Liebes boatp.team,
    danke für eure Information. Ich will gerne euren Brief weiterleiten. Es macht mich schon sehr betroffen, daß wir Menschen im 21.Jahrhundert immer noch nicht begriffen haben, daß alle Menschen ein Recht auf ein menschenwürdiges Leben haben und das Gier, Ignoranz und Macht nicht der zukünftige Weg sein kann.
    Ich wünsche euch noch viel Kraft und das ihr nicht den Mut auf eurem noch langen Weg verliert.
    Liebe Grüße Franka

  5. 5

    Lieber Andy, liebe Franka,

    vielen Dank für Eure Kommentare.

    Ja, man muss was tun. Aber man muss sich auch im Klaren sein, dass einem niemand zuhört und keiner Zeit hat.

    Es wäre schon ein großer Erfolg, würden sich die Ansprechpartner wenigstens genervt fühlen.

    Ich werde Andy am Wochenende schreiben und ihn fragen, an welchen Stellen es konkret hängt. Ein paar Ansprechpartner heraus zu bekommen, sollte nicht das Problem sein. Andernfalls müssen wir eben den Abgeordneten einzeln auf die Füße treten. Das sind doch gerade mal nur 622. ;o)

    Da wird sich zwar auch nichts ändern, aber mit ein bisschen Glück entlarvt sich der eine oder andere oder wir finden das, was wir dort gar nicht erwartet haben, nämlich Menschlichkeit.

    Liebe Grüße und gute Nacht

    Olaf

  6. 6

    Lieber Olaf,
    hier nur eine Info für die Leser, die sich noch nicht von der Tagöde “gehört” haben.
    Ein schönes Wochenende.
    Andy

    Flüchtlingsdrama vor Lampedusa – über 70 Tote
    Kapitäne fuhren an Schiffbrüchigen vorbei
    21. August 2009, 13:02 Uhr

    Bei einem Flüchtlingsdrama im Mittelmeer sollen mindestens 73 Menschen ums Leben gekommen sein; nur fünf überlebten. Mehrere Schiffe fuhren vorbei – ohne zu helfen.
    Lampedusa Flüchtlinge

    Nur fünf Flüchtlinge konnten lebend geborgen werden.
    Foto: AFP

    Lampedusa. Nach dem erneuten Flüchtlingsdrama im Mittelmeer mit mindestens 73 Toten hat ein deutscher Helikopter der europäischen Grenzpatrouille Frontex sieben Leichen gesichtet. Das teilte Maltas Militär in Valletta mit. Der Fund scheint die Angaben von fünf Immigranten aus Eritrea vom Donnerstag zu bestätigen, wonach auf ihrer Überfahrt von Libyen nach Europa 73 Menschen entkräftet gestorben seien. Kein Boot, das sie gesichtet hätten, habe ihnen helfen wollen: „Wir sind die einzigen Überlebenden“, hatten die Flüchtlinge nach ihrer Rettung auf der italienischen Insel Lampedusa erklärt. „Die anderen sind gestorben, und wir haben ihre Leichen dann über Bord geworfen.“
    Die Überlebenden des Flüchtlingsdramas gaben an, vor drei Wochen von der libyschen Küste aufgebrochen zu sein. Andrej Mahecic vom UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) sagte, die Flüchtlinge seien von etlichen vorbeifahrenden Schiffen ignoriert worden.Ein Fischerboot habe ihnen Brot und Wasser gegeben und sie dann wieder zurückgelassen. Dies widerspreche der maritimen Tradition, Menschen in Not zu retten. Feindselige Einstellungen von Regierungen gegenüber Flüchtlingen führten offenbar dazu, dass Schiffsführer ihre Pflichten vernachlässigten.

    Einer der Geretteten sagte, ein Patrouillenboot sei vor Tagen auf sie aufmerksam geworden. Man habe ihnen Treibstoff und fünf Rettungswesten gegeben, „und dann fuhren sie wieder ab und ließen uns trotz unseres Zustands zurück.“ Maltesische Militärkreise in Valletta bestätigten den Vorgang. Die internationalen Verpflichtungen seien von Malta erfüllt worden, der zuständige maltesische Offizier habe aber nicht versucht, das Boot an der Weiterfahrt zu hindern.

    Die Flüchtlingen drifteten tagelang in einem Zwölf-Meter-Schlauchboot, wie es von Schlepperbanden öfter eingesetzt wird, bis sie dann südlich von Lampedusa gerettet wurden. Italiens Innenminister Roberto Maroni ordnete eine Untersuchung der Angaben an. Die Überlebenden kamen in äußerst schlechter Verfassung an, sie sahen aus wie „Skelette“, berichteten Helfer. Der Westen verschließe seine Augen vor den Flüchtlingsdramen „wie zu Zeiten des Holocaust“, kritisierte die Zeitung „Avvenire“ der italienischen Bischofskonferenz am Freitag.

    Im Mittelmeer spielen sich immer wieder Flüchtlingsdramen ab. Migranten machen sich mit untauglichen Booten auf den Weg, oftmals kommen sie völlig entkräftet an Land, immer wieder gibt es viele Tote. Jedoch erreichen kaum noch Boote aus Libyen Lampedusa, weil Tripolis und Rom sie seit einigen Monaten in einer gemeinsamen und höchst umstrittenen Aktion in internationalem Gewässer abfangen und nach Libyen zurückbringen. In der Vereinbarung hat sich Libyen auch verpflichtet, die Kontrollen an den Küsten des Landes zu verstärken.

  7. 7

    Liebe Franka,
    ich kann dir nicht sagen, wie viel uns allen dein Schreiben bedeutet. Bitte sag uns Bescheid an wen du den Brief weiter geschickt hast, damit wir wissen, wer überhaupt angesprochen worden ist.
    Nochmals vielen dank und ein schönes Wochenende
    Auch im Namen des Boatp.teams
    Deine Nazareth

  8. 8

    Lieber Olaf.
    bestimmt kennst du diesen Artikel v. Judith Gleitze. Trotzdem schicke ich ihn dir. Vielleicht hat der eine oder andere Interesse daran sich mit diesem Thema zu beschäftigen.
    Viele Grüsse
    Andy

    77facher Tod auf See
    Flüchtlingen aus Afrika wochenlang Hilfe versagt
    Von Judith Gleitze, Palermo
    Im August 2009 trieben 82 Flüchtlinge drei Wochen lang hilflos zwischen Libyen, Malta und Sizilien. 77 fanden den Tod. Freunde und Verwandte der Überlebenden fordern nun Aufklärung, warum Malta und Italien die Menschen nicht gerettet haben. Derzeit prüft die Staatsanwaltschaft im sizilianischen Agrigento, ob die Fakten zur Eröffnung eines Verfahrens wegen unterlassener Hilfe ausreichen.

    Am 28. Juli verließen 82 Flüchtlinge aus Eritrea, Äthiopien und Nigeria per Schlauchboot Libyen, darunter 25 Frauen, zwei von ihnen schwanger. Zwei Tage später wurde ihnen bewußt, daß sie sich verfahren hatten. Essen und Trinken ging ihnen aus. Sie versuchten, über ein mitgeführtes Satellitentelefon Kontakt aufzunehmen zu dem Mann, der ihnen diese Fahrt für viel Geld vermittelt hatte. Dieser riet ihnen, Kurs auf Malta zu nehmen. Doch dort kamen sie nie an.

    Mitte August bat eine deutsche Flüchtlingsorganisation Maltas Innenministerium, eine Suche nach den Vermißten zu veranlassen. Doch nichts geschah. Das ganze Ausmaß der Katastrophe wurde erst am 20. August bekannt, nachdem ein italienisches Schiff fünf Überlebende an Bord nahm und nach Sizilien brachte: 77 Menschen waren gestorben.

    Die fünf geretteten Flüchtlinge berichteten davon, daß sie während ihrer drei Leidenswochen jeden Tag mindestens zehn Schiffe und Boote gesichtet haben. Doch niemand half ihnen. Ein deutscher Hubschrauber der Frontex, die die Außengrenzen der EU überwacht, hatte sie gesichtet – ohne Folgen. Schließlich kam, so die Überlebenden, ein Schiff mit »Männern in weißen Schutzanzügen«. Dabei handelte es sich, wie sich später herausstellte, um maltesische Marine. Doch wurden die Flüchtlinge nicht an Bord genommen, sondern lediglich versorgt: mit Treibstoff, Brot und Wasser.

    Nunmehr klagte die Interessengemeinschaft »Boatpeople Malta-Italy« in einem offenen Brief an den Europäischen Kommissar für Menschenrechte in Strasbourg die Grausamkeit auf See an. Die Gruppe besteht aus Verwandten und Freunden der eritreischen Opfer und war von der Schwester eines der Flüchtlinge initiiert worden. Sie hatte nach wochenlanger Ungewißheit von den Überlebenden erfahren, daß ihr Bruder an Bord war. »Boatpeople« fordert nun Aufklärung über die unbeschreibliche Grausamkeit auf See.

  9. 9

    Lieber Stefan,
    Nazareth, eine Leidensgenossin bzgl. der Hinrichtung der 77 Flüchtlinge am Mittelmeer im August 2009 durch die EU-Mitgliederstaaten, hat mich auf Ihren Artikel aufmerksam gemacht.
    Ich hatte eine Schwester, eine heranwachsende, intelligente junge Frau, die ihr Abitur mit Bravour bestanden hatte und sich im Bereich der Informatik beschäftigte. Sie wurde gerade mal 20 Jahre alt. Ich kenne sie nur aus Bildern, weil ich mein Land aus politischen Gründen (auch sehr früh) verlassen müsste. Ich hatte nicht das Glück sie persönlich kennen zu lernen. Ich war aber stets für sie da, wo ich konnte, damit sie dort bei unserer Mutter bleibt, weil wir unsern Vater im Krieg verloren hatten. Um es kurz zu machen: Ich habe erst im Oktober erfahren, dass meine kleine Schwester auch auf dem Mittelmeer umgebracht wurde. Ich gehöre nun zu den Boatp.team und versuche laut und schreiend zu fragen, warum die Europäer unsere Familienmitglieder und unsere Freunde ermordeten und nun die Hinrichtung von den gesamten Europäern stillschweigend hingenommen wird.

    Sie schreiben nun, lieber Stefan:
    “Ich habe inzwischen erfahren, dass Sie Unterstützung von Frau Judith Gleitze und anderen Personen und Institutionen erfahren. Das freut mich, und ich wünsche, dass dieses Verbrechen aufgeklärt und die Verantwortlichen bestraft werden. Das allein genügt allerdings nicht: Wir Europäer müssen unsere Einwanderungspolitik ändern”.

    Ich weiß mittlerweile, dass Judith Gleitze, Gabriele Del Grande, Germana und Leonardo uns beistehen. Von anderen “Institutionen”, die uns ihre Unterstützung angeboten haben, wissen wir nichts. Daher möchte ich Sie bitten uns mitzuteilen, welche Institutionen bereit sind, uns bei der Klärung des Mordes zu unterstützen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich Sie auch herzlichst bitten, sich persönlich an dieser Sache zu beteiligen. Wir sind für jede Unterstützung sehr dankbar.
    Viele Grüße
    A.Negassi

    Kopie an
    Naz, gerry, andy, Olaf, girmay, seyoum…

  10. 10

    Lieber Olaf Sander
    Wir sind Ihnen für Ihre Menschlichkeit sehr dankbar.
    Weiter so!

  11. 11

    Lieber Olaf,
    Am Wochenende habe ich auf eine Mail (s.Kommentar Nr. 5)von dir gewartet. Haben dich meine Infos noch mehr belastet oder konntest du von denen die notwendige Infos bekommen. Bitte melde dich bei mir.
    Herzliche Grüße
    Andy

  12. 12

    Lieber Andy,

    habe Dir per Mail geschrieben.

    Herzliche Grüße

    Olaf

  13. 13

    Lieber Olaf,
    vielen dank für deine Mail. Ich habe deine Veröffentlichung bzgl. der Flüchtlinge gelesen. Es ist traurig zu wissen, wie wertlos das Menschenleben geworden ist.
    Würde mich freuen was von dir zu hören.
    Herzliche Grüße
    Andy

  14. 14

    Lieber Olaf,
    wir (boatp.team) werden am wochenende zusammen kommen und über unser Vorhaben sprechen. Wir rechnen fest mit Deiner Hilfe!!!
    Sei gegrüßt von uns allen
    boatp.team

  15. 15

    Lieber Olaf,liebe Franka,
    bitte meldet Euch!!!

    viele Grüße
    boatp.team

  16. 16

    Lieber Olaf,
    bitte melde Dich nur kurz (nur HALLO), damit wir wissen,ob Du da bist!!!
    Herzliche Grüße
    im Namen
    boatp.team aus aller Welt

  17. 17

    Wir haben Ihre Mails an Andy gelesen. Wir sind dankbar. Wollen Sie an der Sache dran bleiben?
    Viele Grüße
    auch im Namen aller Boatp.Teams
    T.Salomon

  18. 18

    Lieber Olaf
    Wir haben Ihre Mails an Andy gelesen. Wir sind dankbar. Wollen Sie an der Sache dran bleiben?
    Viele Grüße
    auch im Namen aller Boatp.Teams
    T.Salomon

  19. 19

    Danke Olaf.
    Du bist eine ganz besondere Person!
    Wir freuen uns dich kennengelernt zu haben. Die meisten von uns haben sogar Angst dich mit eine zu großen Last zu beauftragen.
    Wie bereits von gerry erwähnt, wurde dein erster Beitrag in mehreren Sprachen (enlgisch, amharisch, tigrigna und arabisch) übersetzt. Wir werden Dir diese bei Gelegenheit zu kommen lassen. Danke für alles!!!
    Herzliche Grüße
    Nazareth

  20. 20

    [...] Artikel 75facher Mord, untermalt von der Ode “An die Freude” hat, von mir völlig unbemerkt, eine kleine Reise in die Welt [...]

  21. 21

    ej olaf, wir zwei gehören ja auch zu den menschen, die sich gelegentlich beim bus-fahren begegnen. trotz alledem. und wenn ich ehrlich bin, bin ich auf froh drum. weil du nicht nur ein ankläger bist sondern auch ein mut-macher.
    gute grüsse. veit

  22. 22

    Lieber Olaf,
    Du bist nicht nur ein “ankläger” oder nur “ein mut-macher. Du gehörst zu den Menschen, die nicht ihre Augen vor der Wahrheit verschließen! Daher bewundern bzw. beneiden dich viele darum.
    herzliche Grüße
    Abiner

  23. 23

    Lieber Olaf,
    jedes Mal, wenn wir als betrofene zusammen kommen, wird dein NAME erwähnt. Andy, der sich zur Zeit auf ehrenamtliche “díenstreise” befindet, empfahl uns allen dir zu vertrauen. Da viele von uns andy sehr schätzen, will ich dir hiermit meine sympathy aussprechen. Ich denke, dass Du vielseitiger Person bist. Ich habe aber gemerket, dass dir die sache mit unseren Kindern und unseren Schwangeren Frauen (die am Mittelmeer ihr leben verlieren mussten) dich sehr traurig gemacht hat.
    Mit diesem Schreiben möchte ich sagen: wenn jeder mensch auf der Welt so denken würde bzw. so empfinden würde wie z.B. Du und ich, wäre die Welt nicht so grausam geworden. Besonders die Europäische Geselschaft fühlt sich im Moment auf sichere Seite. Daher ist auch keiner bereit, sich mit solchen Schicksalen zu beschäftigen. Doch denke ich: jeder der sich auf sichere Seite fühlt, wird niemals in Ruhe leben. Eben deshalb, weil solche Menschen nichts tun um diese situation zu verbessern. Und das ist das sichere und schlimmere ende von jeder von uns.
    Du versuchst zu mindest emotionen zu wecken. Du nennst die bösen beim namen. und du bemühst die menschheit zu verstehen und die schlechte situation zu klären.
    Ich würde dich gerne personlich kennenlernen. ich stamme aus eritrea und lebte für einige Jahre in Deuschland als Flüchtling.

    Mittlerweile bin ich sehr froh, Europa verlassen zu haben. Meine Deutsche Freunde besuchen mich oft in usa und viele Deutsche sind auch mitlerweile nach usa und Australien ausgewandert und ich verstehe sie nun sehr gut.Solche Menschen, wie meine Freunde haben in Europa kein Platz mehr.

    Ich muss nun wirklich schluss machen sonst wird mein schreiben ein richtiges Buch.

    Alles Liebe und viele Gruesse an Deine Frau

    jermias, Atlanta, USA

  24. 24

    lieber Olaf,
    ich schreibe dir zwar nicht in gedanken bin doch immer bei euch.
    ich hoffe,euch persoenlich kennenzulernen. werdet ihr an dem Gottesdienst fuer die toten am mittelmeer in frankurt teilnehmen?
    viele gruesse an alle “freunde” und ganz besonderer gruess an deiner frau.
    herzliche gruesse aus dem sonnigen afrika
    andy

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