Unterschiede
Mittwoch, 26. Mai 2010 17:37 | Autor: Olaf Sander
Vor dem Haus, in dem ich wohne, ist eine begrünte Freifläche mit Bank, Tisch und Grillplatz. Dieser wird, wenn es das dänische Wetter hergibt, fast das ganze Jahr über genutzt. Dabei geht es eigentlich immer erstmal laut zu. Vor dem Grillen kommt lautes Reden, lautes Lachen und laute Musik. Bevor der appetitanregende Geruch von Grillfleisch und Würstchen in mein Wohnzimmer dringt, habe ich die Fenster meist schon geschlossen. Aber nur wegen des Lärms und nicht weil es riecht.
Heute ist das nicht so. Heute gibt es keinen Lärm und trotzdem Düfte, die mir Hunger machen. Obwohl es viel mehr Menschen als gewöhnlich sind, die den Grillplatz gerade bevölkern, kommt kaum Geschnatter oder Gekicher bei mir in der zweiten Etage an. Nur der Grill qualmt und füllt die Luft mit seinem herrlichen Odeur.
Die Grillmeister sind andere als sonst. Es sind Chinesen und in meiner Nachbarschaft wimmelt es nur so von ihnen. Das glaube ich jedenfalls. Vielleicht sind es auch nur drei oder vier. Aber für mich sehen Chinesen ja eh alle gleich aus, es sei denn, es ist mal ein Dicker mit dabei. Der hebt sich natürlich ab und bleibt in meiner Erinnerung. Aber sonst bekomme ich von denen nicht so viel mit.
Ihre stille und unaufdringliche Art gefällt mir. Genauso wie der Geruch ihres Grills, der mich an so einige wilde Bacchanale am Busen der Natur erinnern lässt, bei denen immer auch ein Grill mit dabei war. Das ist Kopfkino vom Feinsten, aber darum geht es hier ja gerade nicht.
Erstaunlich finde ich, dass zehn Chinesen weniger Lärm machen, als drei Dänen. Beim Duft geben sie mir Anlass riechend in der Vergangenheit zu schwelgen und sie nerven mich nicht mit ihrer Lautstärke.
Aber ganz besonders sympathisch an diesen Chinesen finde ich, dass sie am Ende ihren Müll wieder mitnehmen. Auch da unterscheiden sie sich sehr von den Dänen 1.
- Damit keine Missverständnisse entstehen: die Dänen sind sehr auf Sauberkeit bedacht und überall stehen Papierkörbe und immer kommt auch ein Angestellter der Kommune, der aufräumt. Aber das kann 1. dauern und ist 2. keine Entschuldigung dafür, seinen Mist überall liegen zu lassen. ↩


Donnerstag, 27. Mai 2010 8:35
Moin Olaf,
schöner Artikel, nur leider so getränkt von “die Dänen” und “die Chinesen”, dass es mir die Tränen in die Augen treibt. Du bist doch sonst nicht so ein Schubladendenker, oder? Hast Du mal geschaut, wieviel Alkohol bei den lauten Dänen und den leisen Chinesen im Spiel war? Könnte es daran liegen?
Immer für Völkerverständigung zu haben,
der Deutsche.
Donnerstag, 27. Mai 2010 19:23
Hej Max,
da hast Du Recht und ehrlich gesagt habe ich das beim Posten auch gefühlt, aber erfolgreich ignoriert.
Eine Ausrede, die mir heute Nacht eingefallen ist, ist, dass ich hier ja in Dänemark bin und immer mehr von der dänischen Sprache beeinflusst werde. Das Dänische hat nämlich längst nicht so viele Worte wie das Deutsche und somit auch nicht so viele Möglichkeiten der “politisch korrekten” Umschreibungen. (Das heißt aber nicht, dass es keine politisch korrekten Umschreibungen gibt, aber die kenne ich zum größten Teil noch nicht. So viel geben meine sprachlichen Fähigkeiten im Dänischen dann doch (noch) nicht her. Ich kann Dir aber sagen, dass man es vermeiden sollte, die Königin zu beleidigen… ;o) )
Die Dänen sagen die Dinge ziemlich gerade heraus. So gerade, dass ich sie am Anfang gar nicht richtig verstanden habe oder wegen dieser Direktheit irritiert war. Und mich haben sie nicht verstanden, weil ich viel zu viel drumherum Geredet habe – ich will ja niemanden beleidigen.
Aber Danke für Dein Feedback. Beim nächsten Mal werde ich mich wieder an unsere schönen und oftmals schön zweideutigen Umschreibungsschachtelsätze erinnern. Ich hoffe, meine dänischen Nachbarn und die chinesischen Gäste, bzw. die chinesischen Neudänen (da haben wir mal eine dänische Umschreibung, die politisch korrekt ist, denn meinen tun sie Ausländer bzw. Emigranten), werden mir meine direkte Art im Deutschen nachsehen.
;o)