Rücktritt ersetzt Verantwortung

Montag, 31. Mai 2010 18:20 | Autor: Olaf Sander

Plötzlich und völlig unerwartet ist unser geliebter Bundeshorst Köhler von uns gegangen. Das heißt, er ist zurück getreten. Weil nämlich der Respekt vor seinem Amt fehlt, sagt er.

Aha.

Wenn bald noch eine Ratte unerwartet das Schiff verlässt, sollten wir mal nachschauen, ob der Seelenverkäufer namens “Deutschland” nicht gerade dabei ist abzusaufen.

Autor: Olaf Sander
Datum: Montag, 31. Mai 2010 18:20
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8 Kommentare

  1. 1

    [...] und so weiter und so wort …dem flachsinn eine chance « farbenlehre im stich gelassen 31/05/2010 ich spiel mal ein bisschen ping-pong mit olaf von den wort-schuetzen. ping. olaf hat aufgeschlagen – http://www.wort-schuetzen.de/wp/?p=1824. [...]

  2. 2

    Da ping ich mal zurück zu Veit.

    Ich stelle mir die ganze Zeit folgende Frage: Cui bono – Wem nützt es?

    1. Wir befinden uns in einer beispiellosen Krise.
    2. Bisher haben vor allem die daran profitiert, die dafür verantwortlich sind – vor allem Banken.
    3. Horschtl war von 2000 bis 2004 geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF). Er ist ein Banker.
    4. Spaniens Kreditwürdigkeit wurde von der Ratingagentur Fitch von AAA auf AA+ heruntergestuft, weil Spanien spart und damit nicht die Wachstumserwartungen erfüllt. (Zur Erinnerung: Griechenland wurde heruntergestuft, weil es NICHT sparte und deshalb zu viele Schulden machte, die dann dafür sorgten, dass die Wachstumserwartungen nicht erfüllt wurden.)
    5. Frankreich wird wohl bald vom gleichen Schicksal ereilt werden. Also von dem der Herunterstufung.
    6. Horschtls Rücktritt erfolgte aufgrund von Kritik. (WTF…. ? Das sagt ein P O L I T I K E R??
    7. Der Regierung Merkel wurden durch diesen Rücktritt die Beine weggezogen. Das Straucheln ist schon erkennbar.

    Ich halte es nicht unbedingt für eine große Kunst, dem Volk nach dem Maul zu reden, auch wenn das für einen Banker und Politiker in Personalunion schon recht beachtenswert ist. Aber glaubst Du, dass er seine Reden ernst gemeint hat, nur weil seine Worte passend und die Stimme weinerlich waren? Reicht da nicht ein Blick auf die Resultate um zu wissen, dass er mindestens nicht sein Amt genutzt hat, um Druck zu machen?

    Glaubt denn wirklich auch nur ein Mensch in Deutschland, dass Köhler zurück getreten ist, weil er kritisiert wurde?

    Einen Grund hat dieser Rücktritt auf jeden Fall. Die Kritik an seinem Amt ist mit Sicherheit nicht.

    Deshalb nochmal die Frage vom Anfang:

    Cui bono – Wem nützt es?

  3. 3

    sag ich mal, es nutzt niemandem. sein eintritt ins amt hat nichts genutzt, warum sollte es beim abtritt anders sein

  4. 4

    Der “Respekt vor dem Amt fehlt”. Nun. Dann surfen wir wohl bald auf noch höheren Rücktrittswellen in den politischen Sonnenuntergang.

    Ist doch toll.

  5. 5

    Bin etwas betroffen und unangenehm berührt von Deinem Beitrag, Olaf:
    Ausgerechnet Köhler als Politiker zu bezeichnen, finde ich schon ziemlich deplaciert….ihn, der gerade immer von den “Politikern” gesprochen hat und sich deutlich (vielleicht zu deutlich) abgegrenzt hat…Schlimmer finde noch, ihn als ehemaligen Banker in einem (herabsetzenden) Zusammenhang mit den Bankern und Managern zu nennen, die die allgegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise mit-versursacht und von ihr profitiert haben. Es sollte keine Sippenhaft geben, nur weil die Berufswahl die gleiche war. Er hat vom “Monster Kapitalismus” gesprochen und die in den einschlägigen Kreisen herrschende Moral bzw. Un-Moral angeprangert….und ich habe ihm das abgenommen. Ganz besonders mies finde ich die Frage, ob er seine Reden (insbes. in Winnenden)”ernst gemeint hat, nur weil seine Worte passend und die Stimme weinerlich waren?” Das ist BILD-Zeitungs-Manier – wenn man jemanden demontieren will, dann klappt das genau so: “Klar, er hat das Richtige gesagt; wirkte auch sehr authentisch; man kann auch sonst nichts gegen ihn vorbringen…ABER: Ich glaub´s trotzdem nicht, weil: Ist ja´n Banker!”

    Warum Köhler zurückgetreten ist, weiß wohl keiner…die Kritik an seinen, ich nenne sie “ungeschickten”, Äußerungen auf dem Rückflug aus Afghanistan wird´s mit Sicherheit nicht gewesen sein.
    Vielleicht hat er einfach resigniert und fühlte sich nicht genug gehört; vielleicht auch passten seine persönlichen Überzeugungen nicht mehr mit denen der regierenden Politiker-Kaste zusammen; vielleicht hat er aber auch einfach einen psychischen Zusammenbruch und will nicht mehr….
    Ich gehe davon aus, das die Entscheidung des Bundespräsidenten seine ganz ureigene und ganz persönlich motiviert war, nicht strategisch und schon gar nicht (fremd-)gesteuert. Vielleicht menschlich schwach, aber immerhin menschlich….und absolut kein Grund, über jemandem, der offensichtlich gerade kein “Politiker-Sprech” gepflegt hat und im Verhältnis zu vielen Anderen ziemlich authentisch war, jetzt noch nachträglich die Schmutz-Kübel auszuleeren.

    Übrigens zum Schluß: Die Aufgabe des Bundespräsidenten ist nicht, “Druck zu machen” (was auch immer Du damit meinst)….politisches populistisches Rumgegröle jedenfalls ist keineswegs sein Job. Das überlasse man dann doch besser “den Politikern”, die jetzt alle lautstark über Horst Köhler lamentieren, mutmassen oder ihr Mütchen kühlen…

  6. 6

    Liebe Rhena,

    als was hätte ich Köhler denn sonst bezeichnen sollen, wenn nicht als Politiker, schon allein des Amts wegen her? Natürlich war er ein Politiker, der sich – vielleicht und eventuell – verbal von seinen KollegenInnen distanzierte und deren unmoralisches Verhalten anprangerte. Das allein reicht aber nicht, um sich auch von ihnen zu unterscheiden. Also schauen wir doch mal lieber darauf was er denn sonst noch so tat, außer vielleicht das Volk von seiner Frau zu grüßen.

    Du und Veit, ihr erinnert Euch an Winnenden und was Köhler dort sagte. Ich erinnere mich an Erfurt.

    Da wurde nach dem Schulmassaker am 26. April 2002 genau das Gleiche erzählt.

    Weder nach Erfurt, noch nach Emsdetten und auch nicht nach Winnenden hat sich auch nur das Geringste verändert. Das macht den Tod der Menschen aus Winnenden noch bitterer, noch sinnloser, als es der Tod der Menschen in Erfurt jemals war. Es gab bis dato keine nennenswerten Konsequenzen, bis jetzt wurde kein nächstes Massaker verhindert. Das nächste Massaker wird kommen.

    Genau deshalb war jeder Satz von Köhler zu Winnenden eine Phrase. Und wenn ich danach gehe was ich dabei empfinde, dann war es gar Verhöhnung.

    Als Bundespräsident vertrat Köhler die Bundesrepublik völkerrechtlich. Wo war seine völkerrechtliche Entrüstung als Vertreter der wichtigsten Nation Europas, als 75 Menschen unter Aufsicht und Beobachtung Europas, im Mittelmeer jämmerlich verreckt sind? Warum hat Köhler da nichts gesagt?

    Einfach nichts.

    Eine Tatsache die mich immer noch äußerst unangenehm berührt.

    Und das er mit seinem Rücktritt der Regierung Merkel einen Knüppel in die Kniekehlen schlägt, jetzt in dieser beispiellosen Krise, bei diesen ungezählten und ungelösten Problemen, dass musste er wissen.

    Ob er damit dem Volk oder dem Berufsstand aus dem er kommt einen Gefallen getan hat, wird – wie immer – erst die Zukunft zeigen.

    Liebe Grüße

    Olaf

  7. 7

    Hey Leute,

    der Ex-Bundeshorst scheint euch ja richtig zu polarisieren!
    Streitet euch doch nicht wegen dem!

    Ich sags mal so, er hat es ziemlich leicht, als Gutmensch beim Volk dazustehen, aber ob er deshalb besser ist als die anderen Politiker bezweifele ich… wenn man seine Biographie bei Wikipedia liest, dann war er auf jedenfall ein einflussreicher Politiker (Finanzen, Waehrungsunion, Staatssekretaer etc.), allerdings hinter den Kulissen…

    welches Kalkuel er mit seinem Ruecktritt verbindet, weiss ich allerdings auch nicht… es ist halt nur seltsam, wenn jemand sein gut bezahltes, schoenes Amt freiwillig verlaesst, das tun Politiker sonst nie…;-)

    Naja, es lebe der Koenig! (war doch so, ge?)
    bald kommt der naechste Bundeshorst, der uns dann mit seinen Parolen beschallt… und an den gewoehnen wir uns auch wieder…

    LG Anja

  8. 8

    ej anja,
    er verlässt sein schönes amt, aber die bezahlung nimmt er mit. da er für den rest seines irdischen lebens als “herr bundespräsident” angesprochen werden darf, nimmt er auch die 20 mille mit, die er bislang schon erhalten hat.von der pension für frühere tätigkeiten mal ganz abgesehen. und was seine frühere funktion als strippenzieher angeht, hast du völlig recht.angela und guido werden schon wissen, warum sie ihn weiland aus dem tagesgeschäft nahmen und aufs präsidenten-schild hoben. so wie es auch seine gründe hat, dass der wulff nachfolgt und nicht die von der leyen.
    gruss. veit

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