Für den kleinen Rassismus zwischendurch
Freitag, 18. Juni 2010 0:23 | Autor: Olaf Sander
Neulich begegnete mir eine deutsche Familie die Urlaub in Dänemark machte. Sie hatten einen Hund dabei und weil ich mit ziemlicher Sicherheit in einem meiner früheren Leben ein Hund gewesen sein muss, hatten wir gleich einen guten Draht zueinander. Also der Hund und ich.
Dieser Hund war ein besonders schmuckes Tier. Er war muskulös, vielleicht 60 bis 70 cm groß, mit wachem, neugierigen Blick und sein Gesicht war freundlich, während die Rute wedelte. Das rotbraune kurze Fell glänzte in der Sonne und wir zwei konnten gar nicht anders, als uns als Brüder im Herzen zu begrüßen.
Allerdings hatte sein Fell eine Besonderheit die ich so noch nicht kannte. Ein etwa zwei bis drei Finger breiter Streifen des Fells auf dem Rücken des Hundes wuchs gegen den Strich. Diese Hunderasse hatte ich noch nie gesehen. Klar, dass ich den Besitzer fragte, was das für ein Hund ist.
Leicht zu mir herunter gebeugt, ich war ja auf Augenhöhe mit dem Hund und nicht mit ihm, hielt er sich seine Hand vor den Mund und sagte mit gedämpfter Stimme, so das nur der Hund und ich es verstehen konnten;
„Das ist unser Neger…“
Dabei grinste er mich an, als sähe er in mir einen Verbündeten im Kampf für die Aufrechterhaltung der Sklaverei. In Wirklichkeit habe ich überhaupt nicht begriffen, was dieser Hund mit menschlicher Hautfarbe zu tun haben soll. Das einzige was mich einen kurzen Augenblick lang verstörte war die Tatsache, das dieser eigentlich sehr gepflegt aussehende Mann, mir als wildfremder Person, diesen diskriminierenden Stereotyp auftischte.
Dieser kleine Augenblick der Verwirrung muss sich in meiner Mimik wiedergefunden haben, was, so viel emotionale Intelligenz scheint dann wohl doch beim Besitzer des Hundes vorhanden gewesen zu sein, das Herrchen ganz richtig als die mit Gesichtszügen ausgedrückte Frage „Wie jetzt… …Neger?“ interpretierte.
„Das ist ein Rhodesian Ridgeback. Der kommt aus Afrika.“
Was sollte ich, nachdem mir dieser Mann mit nur einem Satz seine Weltanschauung offenlegte, denn da noch antworten? Eigentlich tat mir nur noch der Hund leid. Und die Kinder des Hundebesitzers. Und vielleicht auch seine Frau.
Mit so einem Rassisten reden wollte ich jedenfalls nicht, auch wenn ich wirklich gerne mehr über den Hund und seine Rasse erfahren hätte. Vermutlich hätte der Mann aber gar nicht so viel zu erzählen gewusst, außer „Der kommt aus Afrika.“.
In diesen Gedankengang hinein schleckte mir der Hund mit seiner Zunge einmal komplett über die rechte Seite meines Gesichts. Ich fühlte Ekel.
Aber nicht wegen des leckenden Hundes oder der Nässe, die sein Speichel unweigerlich hinterließ. Das war nur Ausdruck seiner Zuneigung und außerdem kann ich mich dagegen wehren und mich waschen.
Den eigentlichen Ekel fühlte ich gegenüber diesem Menschen, der einer von den Vielen ist die tagtäglich mit ihrer kleinen Portion Rassismus dafür sorgen, dass die Welt ist, wie sie ist.
Ich habe dann dem Hund einen schönen Tag gewünscht und bin gegangen.


Freitag, 18. Juni 2010 8:47
Jaja, es sind diese kleinen Dinge, die mich auch immer wieder so schockieren. Der tief sitzende Rassismus und Faschismus im Bürgertum. Wie viele rassistische Witze bekommt man in bierseliger Laune zu hören? Wie viele faschistische Ansichten werden plötzlich laut, wenn die Leute denken, sie wären “unter sich”. Zum kotzen.
Sonntag, 20. Juni 2010 7:51
welcher art rasse warst du in deinem früheren hundeleben? ich tippe mal auf bernhardiner: schön gross.zur hilfe nicht nur bereit, sondern auch fähig. bedächtig im sinne von bedenken – erst sinnieren, dann handeln. und immer, ganz wichtig,ein fässchen schnaps zur hand (respektive pfote)
Montag, 21. Juni 2010 0:13
@ Max. Gell, es ist zum wegrennen. Jetzt muss ich nur noch lernen, solchen Leuten meine Meinung im gleichen Augeblick ins Gesicht zu sagen. Aber wahrscheinlich käme ich dann doch nur in die Schublade “linke Bazille”. Und dabei bin ich gar nicht links! ;o)
Das mit dem Schnaps lassen wir mal lieber. Sonst geht es mir wie Urban Priol und ich bin schon morgens besoffen, weil jede einzelne Meldung aus dem Berliner Gruselkabinett einen Schnaps bedürfte. Nee Veit, Drogen sind hier (mal) echt keine Lösung… ;o)
Montag, 21. Juni 2010 8:15
na, ich weiss nicht: angela, die sich regelmässig einen schwarzen afghanen reinzieht (hat ja die connections), westerwelle, der auf ritalin gesetzt wird, schäuble gönnen wir einen lsd-trip – ich finde, drogen hönnen durchaus eine lösung sein. hihi.
Dienstag, 22. Juni 2010 11:16
Tiere können nichts für das Individuum am anderen Ende der Leine.
Gruss
Klaus