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ELENA – Denn sie wissen genau, was sie tun.

Sonntag, 17. Januar 2010 18:00

Einer der am häufigsten gehörten Sätze, wenn es um die Vorratsdatenspeicherung geht, ist:

Ich habe doch nichts zu verbergen!?

Dieser Satz ist das Resultat einer weitverbreiten und naiven Fehleinschätzung, die dem Bürger tagtäglich mit allem propagandistischen Raffinement tröpfchenweise eingeflößt wird. Die neueste Errungenschaft im staatlichen Kampf gegen die informelle Selbstbestimmung ist ELENA.
ELENA ist ein Verfahren, mit dem zukünftig in Deutschland Einkommensnachweise elektronisch erfasst werden sollen. Die Botschaft ist, dass der bürokratische Kampf des Einzelnen leichter würde und Abzocker von Sozialhilfe und anderen Leistungen, wie z. B. “Florida-Rolf”, es viel schwerer hätten, auf Kosten der Gemeinschaft zu nassauern. Die Erklärungen klingen gut und der Bürger ist dafür, denn warum sollte er etwas dagegen haben? Dabei geht es um vielmehr, als dem Bürger weis gemacht wird.

Politmagazin Monitor vom WDR, am 07.01.2010:

Alle Arbeitgeber müssen seit dieser Woche an einen Zentralrechner der Deutschen Rentenversicherung die Daten ihrer Arbeitnehmer übermitteln. Die Höhe des Gehalts, die Fehltage, Abmahnungen und Kündigungen. Die Daten werden jeden Monat für den Fall gesammelt, dass ein Arbeitnehmer mal Arbeitslosengeld, Wohngeld oder Elterngeld vom Staat beantragen könnte, oder andere Sozialleistungen.

Der bürgerliche Irrtum liegt darin begründet, dass die Selbsteinschätzung eben nur eine Selbsteinschätzung ist. Die Fremdeinschätzung, also das was andere, wie z. B. der Staat und seine Institutionen oder der eigene Arbeitgeber, über den braven Bürger denken, blendet der brave Bürger dabei aus. Und um so mehr der Staat über den einzelnen Bürger weiß, um so mehr denkt er – mit fatalen Folgen für den Bürger. Denn dieser ist nicht immer brav, er macht hin und wieder Fehler, begeht Dummheiten oder hat schlicht und ergreifend eine andere Meinung als die, die von ihm erwartet wird.

Wer aber eine andere Meinung hat, hat es schwer in unserer von Mainstreams gejagten Gesellschaft. Er eckt an, wenn er nicht auf der Linie des Chefs ist und er bekommt staatlich verordnete Prügel, wenn er sich in Gorleben vors Tor setzt, damit Castor-Transporte wenigstens keine freie Fahrt haben. Der Staat erfährt Dinge, die ihn nichts angehen, die aber ein sehr genaues und individuelles Bild des Einzelnen zeichnen. So gesehen ist ELENA die kleine Schwester der Stasi, denn am Ende bleibt es sich gleich, ob man von Menschen oder von Datenbanken ausspioniert wird.

Das ELENA-Verfahren ist ein sehr modernes und subtiles Werkzeug der Spaltung (Divide et impera), was sich darin zeigt, dass es sogar Freitextfelder für die Arbeitgeber gibt, in denen sie ihre höchst subjektive Sicht der Dinge oder über den Mitarbeiter – der ja auch Bürger ist – eintragen können. Da braucht es nicht mal mehr eine Unterschrift für eine “freiwillige Mitarbeit als IM”, denn die Denunziation ist eine Dienstleistung der Unaufrichtigen, Hinterhältigen und Rückgratlosen – und zwar in jeder Gesellschaft, in jedem politischen System und zu jeder Zeit.

Das Ziel ist nicht der gläserne Mensch alleine, sondern und vor allem seine damit einhergehende Erpressbarkeit, wie der unten eingebettete Beitrag von Monitor so eindrucksvoll darstellt.
Während der Staat seine Bürger von vorne mit Subventionen erpresst, greift er ihm von hinten in die Taschen und fordert seine Steuern, weil die Subventionen ja schließlich auch bezahlt sein müssen.

Ab hier lautet die Botschaft dann “Spiel mit oder du verlierst dein Recht auf Unterstützung” und der Staat, gesteuert von Lobbyisten, wird zum Sklavenhalter, der sich selbst für seine Menschlichkeit lobt, weil er seinen Sklaven ein paar Hütten baut und ihnen eine warme Mahlzeit täglich vorsetzt.

Thema: Politik, Wirtschaft, Zukunftspläne | Kommentare (2) | Autor: Olaf Sander