In Indien bereitet gerade ein Wunder-Yogi namens Prahlad Jani einigen Medizinern arges Kopfzerbrechen. Zwei Wochen lang haben sie den 83-Jährigen, der von sich selbst behauptet seit mehr als 70 Jahren nichts gegessen und getrunken zu haben, rund um die Uhr überwacht. Er hat nichts gegessen und getrunken und weil das so ist, hatte er auch keinen Stuhlgang und keinen Urin. Die Ärzte können sich überhaupt nicht erklären, wie der Yogi überlebt. 1
Bitte beachtet die Hinweise am Ende der “Welt in Zahlen”1.
Zahl der Boat-People, die im Jahr 2007 nach Schätzungen der UNHCR an den Küsten Europas anlandeten [3]: 43.000
Zahl der Boat-People, die im Jahr 2008 nach Schätzungen der UNHCR an den Küsten Europas anlandeten [3]: 67.000
Zahl der Boat-People, die im Jahr 2008 allein in Italien und auf Malta anlandeten [3]: 38.000
Zahl der Boat-People, die im Jahr 2008 im bitterarmen Jemen anlandeten [3]: 51.091
Zahl der Boat-People, die in den ersten drei Monaten des Jahres 2009 im bitterarmen Jemen anlandeten (ca.) [3]: 20.000
Zahl der Boat-People, die sich im Jahr 2008 nach Statistiken der EU per Seeweg von Afrika nach Europa aufmachten [2]: 80.000
Zahl der Migranten, die die europäische Grenzschutzagentur Frontex im Jahr 2008 nach eigenen Angaben bei ihren „Hera-Operationen“ nicht zu den Kanarischen Inseln durchgelassen und zurückgeschickt haben [4]: 5.969
Zahl der Grenzübertritte nach dem „Frontex General Report 2008“ (nicht endgültig verifiziert, aber im Report genannt) [4]: 175.000
Zahl der Grenzübertritte an der griechisch-albanischen Grenzen nach dem „Frontex General Report 2008“ (nicht endgültig verifiziert, aber im Report genannt) (ca.) [4]: 40.000
Mindestzahl der Flüchtlinge, die lt. verschiedener Pressemitteilungen seit 1988 entlang der europäischen Grenzen starben [1]: 14.714
Vermutliche Zahl von somalischen Flüchtlingen, die bisher im Golf von Aden umgekommen sind (ca.) [4]: 2.000
Zahl der Menschen, die im subsaharischen Afrika als Migranten gelten in Mio. [4]: 17
Zahl der „Illegalen“ in Südafrika nach Schätzungen des südafrikanischen Innenministerium in Mio. [4]: 7
Davon allein Flüchtlinge aus Simbabwe nach Schätzungen des südafrikanischen Innenministerium in Mio. [4]:3
Zahl der Menschen allein in Westafrika, die nicht in Ländern leben, in denen sie geboren sind in Mio. [4]: 7,5
Zahl der Asylsuchenden, die zumindest den UN-Flüchtlingsstatus erhalten (auch wenn ihnen das kaum nützt, weil die Mehrheit wieder zurück (irgendwohin) geschickt werden) in Prozent [4]: 60
Zahl der Menschen, die im Jahr 2009 in den EU-Ländern Asyl beantragten [5]: 250.000
Zahl der Asylsuchenden in den EU-Ländern, denen auch Asyl gewährt worden ist: Unbekannt
Dauer des Gefängnisaufenthaltes aller ankommenden Flüchtlinge auf Malta, ohne Rücksicht auf Person, Herkunft oder Traumata in Monaten [4]: 18
Strafe für zwei tunesische Kapitäne, die am 08. August 2007 im Mittelmeer 44 Flüchtlinge aus Seenot retteten in Monaten [7]: 30
Höhe des UN-Millenniumsziels in Euro zur Halbierung der Armut in den Entwicklungsländern in Mrd. [9]: 32
Höhe der Entwicklungshilfe im letzten Jahr in Euro der großen Industriestaaten in Mrd.[9]: 72
Afrikas Schulden in Euro in Mrd. [9]: 98
Höhe der weltweiten Überweisungen in Dollar von Migranten in ihre Heimatländer in Mrd. [4]: 337
Höhe der (europäischen?) Zuwendungen in Dollar für die Verbesserungen des Grenzschutzes „in den nächsten Jahren“ an Libyen in Mrd. [8]: 25
Kosten in Euro für den Ausbau des Grenzschutzes in Europa, welche von den Staats- und Regierungschefs auf dem EU-Gipfel in Thessaloniki im Juni 2003 beschlossen wurden in Mio. [6]: 400
Kosten in Euro für das mit EU-Geldern finanzierte System „Sive“ (Integrated External Vigilance System), welches hochauflösende Infrarotkameras, Radarsysteme, Patrouillenboote und Helikopter beinhaltet, um Flüchtlinge in der Meerenge von Gibraltar aufzuspüren in Mio. [6]: 140
Entfernung von Europa und Afrika an der Meerenge von Gibraltar in Km. [6]: 14
Achtung!
Die hier dargestellten Zahlen sind nicht verifiziert und sollten auf keinen Fall als gesichert betrachtet werden. Es handelt sich lediglich um Zahlen, die von verschiedene Organisationen, Institutionen und Journalisten verwendet wurden. Sie sollen in der Hauptsache dazu dienen, ein Gefühl für die Größe des Problems zu bekommen. Es gibt keine offizielle Statistik über die realistischen Zahlen. Geht bitte davon aus, dass die Dunkelziffern sehr viel höher sind.
“Die Welt in Zahlen” ist eine Idee der brand eins, welcher ich mich frecherweise bediene, weil sie so gut ist und ich die brand eins, als erste und einzige Zeitschrift überhaupt, abonniert habe. ↩
Kennt ihr das auch? Manchmal begegnen einem Menschen zum wiederholten Male, gleichwohl man sie nicht kennt, nie ein Wort mit ihnen gesprochen hat und das einzig Verbindende vielleicht nur die Buslinie ist, mit der jeder für sich an die Arbeit fährt. Es sind uns unbekannte Menschen die uns dennoch immer wieder ins Auge fallen, weil sie etwas an sich haben was die eigene Aufmerksamkeit erregt, aber worum man sich nicht weiter schert, weil der Kopf voll ist mit dem eigenen Alltag, mit Sorgen und Nöten, Wünschen, Hoffnungen und Plänen. Soweit so normal.
Seit dem August 2009 begegnen mir Menschen, die keinen Alltag mehr haben, keine Sorgen und Nöte, keine Wünsche und Hoffnungen und auch keine Pläne.
Begegnet sind mir diese Menschen das erste Mal in der Form einer Nachricht1. Dann in Gesprächen mit meiner Frau, mit Freunden und mit Verwandten. Und zu letzt traf ich auf sie, weil ein Verwandter von einem der Toten einen Kommentar auf meinen Artikel “Über Berlusconi, Schadenfreude und den ganzen Rest” hinterlassen hat. Er heißt Andy und das hat er geschrieben:
„Lieber Olaf,
ich habe heute zufällig deinen Beitrag über Borlusconi, Atommüll, Attentat, Demkratie, Europa, Fernsehen, Flüchtlinge, Lafontaine, Medien, Papst, Politik, Schadenfreude, Schäuble etc. gelesen und ich bin sehr froh auf diese Seite “gelandet” zu sein.
Ich bin einer von denen, welche einen Verwandten mit den 75 bootsflüchtlingen, die im August am Mittelmeer qualvoll sterben mussten, weil keiner ihnen helfen wollte, verloren hat.
Wir haben eine Interessengemeinschaft (boatp.team) bezüglich diese Geschichte gegründet und es baut uns auf, wenn wir Leute treffen, die diese Tat verurteilen und es würde uns freuen, wenn wir öffter solche Schreiben lesen würden. Dein Schreiben bezüglich Berlusconi: Du hast uns aus der Seele gesprochen. Wenn Berlusconi es so weit schaft, sein “christliches” Volk dazu zu bringen, Menschen in Not nicht mehr zu reten, fragen wir uns; und was macht Europa…..?????
Über die übrigen Thema, werde ich ein anderes Mal noch mehr schreiben. Wir, als boatp.team, family of the victims8/09, sind Dir aber für dein Beitrag dankbar.
viele Grüße
Andy“
Plötzlich sind mir diese unbekannten Toten nicht mehr unbekannt. War es bisher dem Empfinden nach „nur“ eine skandalöse Meldung und ungläubige Verwunderung darüber, dass das Geschehen nicht als Skandal wahrgenommen wurde, so ist es jetzt viel näher an mir dran, als mir lieb ist.
Ihr sollt mich bitte nicht falsch verstehen, denn ich bin Andy überaus dankbar für seinen Kommentar. Nur zwingt er mich damit auch, mich mit diesen Toten zu beschäftigen und mir bewusst zu machen, dass sie – todsicher – Opfer eines Verbrechens* wurden. Nun muss ich eine klare Position beziehen und diese auch laut machen. Verdrängen und den Alltag als Ausrede benutzen ist mir nicht mehr möglich.
Denn dies ist jetzt eine persönliche Sache.
Und jeder von Euch, der bis hier her gelesen hat, sollte den drei Wochen lang anhaltenden (!!!) langsamen 75fachen Mord an den Flüchtlingen persönlich nehmen – und zwar aus guten Gründen.
Es könnte nämlich sein, dass wir alle morgen schon in einer ähnlichen Situation sind wie diese Menschen und von dort flüchten müssen, wo wir leben. Die letzte große Flüchtlingsbewegung von uns Deutschen war vor ca. 20 Jahren, die vorletzte vor ca. 65 Jahren. Das ist beides also noch gar nicht so lange her und liegt beides innerhalb eines Menschenlebens. Es gibt überhaupt keinen Grund für uns anzunehmen, dass das, wegen welchen Ereignissen auch immer, nicht jederzeit wieder passieren könnte.
Wir Deutschen tragen aus mehreren Gründen die Verantwortung am Tod dieser Menschen mit. Als eine Nation, die stolz ist auf ihre Seefahrertradition, wäre es unsere Pflicht gewesen in dem Moment gegen dieses Verbrechen zu intervenieren, als es bei uns bekannt wurde. Alle die zu Werten gegossenen Leitsätze wie der, dass vor Gott und auf dem Meer alle Menschen gleich sind, wurden durch das Schweigen der deutschen Politik und der Unternehmer, die vom und mit dem Meer leben, obsolet. Übrig geblieben sind nur noch Phrasen.
Auch dürfte, nein muss, uns das befohlene Ignorieren von massenhaften Mord nicht fremd sein. Wir haben doch Erfahrungen. Nur sind es nicht wir, die jetzt gemordet haben, sondern die Malteser und die Italiener.
Wie bei den Nazis stillschweigend wegschaut wurde, als die Juden erst deportiert und dann vergast wurden, so schauen wir heute stillschweigend weg, wenn 75 afrikanische Flüchtlinge drei Wochen lang jämmerlich im Meer verrecken, weil Mitgliedsstaaten der EU einfach mal ein Exempel statuieren.
Das verstößt gegen alle unsere menschlichen, demokratischen und christlichen Werte und Wertvorstellungen und macht uns genau so schuldig, wie sich die Generation unserer Eltern und Großeltern schuldig gemacht hat. Wir haben nichts gelernt und die Konsequenzen tragen schon wieder die anderen.
Genau deshalb, liebe Freunde, ist die Sache so persönlich.
Zahlreiche afrikanische Flüchtlinge haben ihren Traum von einem besseren Dasein in Europa mit dem Leben bezahlt. Eine Gruppe von etwa 75 vornehmlich aus Eritrea stammenden Migranten kam nach Angaben der UN auf der Überfahrt von Libyen nach Italien zu Tode, nachdem ihrem Boot der Treibstoff ausgegangen war.”
Zahlreiche Schiffe hätten das im Mittelmeer dümpelnde Boot passiert, ohne ihm zu Hilfe zu eilen, berichtete das Hochkommissariat für Flüchtlingsfragen (UNHCR). Die Organisation berief sich auf Aussagen der fünf Überlebenden. ↩
Arnos Schwatzer Blog
Arno ist bissig, aber nicht verzweifelt. Er ist witzig, aber nicht flach. Man muss denken, wenn man ihn lesen will und manchmal, so meine ich, weht dort ein Hauch von Schramm.
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Ein unabhängiges Korrektiv in der deutschen Medienlandschaft. Andere sagen “Watchblog” dazu. Auf jeden Fall gilt, dass der Leser hier erfährt, wer ihn wie, wann und wo verarscht hat.
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